„100 Tiere mussten entnommen werden“

Ausgebreitet hat sich die Gamsblindheit bis ins mittlere Paznaun, ins Samnaun, in die Verwallgruppe und bis Flirsch (Symbolbild). RS-Foto: Archiv

Zahlreiche Fälle von Gamsblindheit im Bezirk Landeck

 

Infektiöse Keratokonjunktivitis, auch Gamsblindheit genannt, ist eine seuchenhaft auftretende Augenerkrankung. Seit Sommer letzten Jahres wurden deshalb im Bezirk Landeck, größtenteils im Paznaun, rund 100 Stück Gamswild entnommen. Bezirksjägermeister Hermann Siess rät zur genauen Beobachtung und warnt vor voreiligen Entnahmen.

Von Elisabeth Zangerl

Im Sommer des Vorjahres wurden erstmals seit ca. zehn Jahren wieder Fälle von Gamsblindheit verzeichnet: „Festgestellt wurden Krankheitsfälle im Sommer erst im Raum Galtür/Ischgl“, informiert Bezirksjägermeister Hermann Siess über die höchst ansteckende und seuchenhaft auftretende Augenkrankheit. Ausgebreitet habe sie sich bis ins mittlere Paznaun, ins Samnaun, in die Verwallgruppe und bis Flirsch. Der Bezirk ist im Schnitt alle zehn bis 15 Jahre betroffen: „Diese Krankheit ist uns nicht neu, sie tritt in Intervallen auf“, bestätigt Siess. Betroffen von der nur teilweise tödlich endenden Krankheit sind hauptsächlich Gams- und Steinwild. Übertragen werden kann sie durch direkten Kontakt (besonders in der Brunftzeit, auch an den Salzlecken): „Auch Fliegen können bei der Übertragung eine Rolle spielen“, weiß der Bezirksjägermeister. Nach der Ansteckung kommt es zu einer Entzündung der Lidbindehäute, die von starkem Tränenfluss begleitet ist, dann entwickelt sich ein eitriges Sekret, welches später als breite Sekretstraße über den Wangen sichtbar wird. „Dabei gilt, die Tiere erst zu entnehmen, wenn der Augapfel offen ist, keinesfalls schon beim Austreten des Sekrets“, appelliert der Bezirksjägermeister an die Jägerschaft, „es sollte nur entnommen werden, was dem Tode geweiht ist.“

VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN MELDEN. „Viele Tiere konnten erlöst werden – wenn die betroffenen Tiere bereits erblindet sind, führt dies zwangsweise zum Tod, etwa durch Abstürze, auch kann keine Futteraufnahme mehr erfolgen“, so Siess. Medikamentös behandelt werden kann die Krankheit – zumindest beim Wild – nicht, wie Amtstierarzt Dr. Peter Kammerlander und Siess bestätigen. Zur Krankheit bei Rindern, Schafen und Ziegen sagt der Amtstierarzt: „In den meisten Fällen verschwinden die Symptome von selbst wieder.“ Die Augenkrankheit sei nun bereits wieder beim Abklingen, weiß Hermann Siess – sie trete nur noch in Einzelfällen auf: „Rund 100 Tiere mussten insgesamt durch die Jägerschaft im Bezirk entnommen werden.“ Dies ist nur ein Drittel der betroffenen Tiere: „Als Faustregel gilt, dass bei zwei Dritteln der Tiere die Krankheit von selbst abklingt.“ Der Bezirksjägermeister appelliert, Verhaltensauffälligkeiten bei Tieren bei den zuständigen Jägern zu melden: „Tendenziell sondern sich betroffene Tiere von Rudeln ab und zeigen Verhaltensauffälligkeiten.“

Neben dem Gamswild ist eine Ansteckung auch beim Steinwild möglich, aber: „Beim Steinwild konnten wir nichts Gravierendes feststellen“, informiert Siess. Und die entnommenen Stücke Gamswild habe man verkraften können – die Jägerschaft habe im Gegenzug kaum gesunde Tiere entnommen.

Bezirksjägermeister Hermann Siess: „Diese Krankheit ist uns nicht neu, sie tritt in Intervallen auf.“ RS-Foto: Zangerl

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