1953 – 2018

Miniatur-Kopie des Sonnengesangs des Franz von Assisi, Kapelle Altenheim Landeck, 1976 RS-Foto: Pircher

Gerald Kurdoglu Nitsche zeigt im Kunstraum Bilder aus 65 Jahren

 

Im Kunstraum Pettneu sind derzeit Werke Gerald -Kurdoglu Nitsches aus beinahe sieben Jahrzehnten zu sehen. Unzählige -Besucher kamen zur Vernissage, um den außergewöhnlichen Querschnitt seines Schaffens zu bewundern.

 

Von Luis Pircher

 

Hausherr Oswald Perktold, Freund und langjähriger Wegbegleiter und Unterstützer Nitsches, hielt die Laudatio bei der Ausstellungseröffnung, die von VBgm. Patrik Wolf vorgenommen wurde. In wenigen Anekdoten aus ihrer langen Bekanntschaft zeichnete er ein markantes Bild Nitsches. Nachdrücklich schilderte er die Komplexität des Künstlers und meinte, normalerweise würde die Schaffenskraft dieses Künstlers für viele Leben reichen. Etliche gemeinsame Projekte verwirklichten Nitsche und Perktold für das Landecker Gemeindeblatt für den Bezirk Landeck. Auch die Kulturzeitschrift „Salt“ geht auf diese beiden Kulturschaffenden zurück.

 

DIE WERKE. Nitsche bemerkte, die Einladung des Kunstraums, sein „Lebenswerk“ zu zeigen habe ihn gefreut und gleichzeitig vor eine große Herausforderung gestellt. Sein Ziel war es nur „jungfräuliche“, noch nie ausgestellte Werke zu zeigen. Dies sei ihm auch fast gelungen, meinte er. Gleichzeitig überwand er eine „Kreativblockade“: In den wenigen Tagen seit dem Jahreswechsel schuf er nicht weniger als elf Bilder und alle fanden auch ihren Weg in die aktuelle Ausstellung. Auch seine Jugendwerke zeugen bereits von jener Kraft und Ausdrucksstärke, die das gesamte Werk Nitsches auszeichnen sollte. Natürlich zeigt die Ausstellung, dass sich der Stil des Künstlers während dieser langen Zeitspanne gewandelt hat. Die Botschaften, die er vermitteln will, standen und stehen immer im Vordergrund, Technik und Ausführung unterscheiden sich je nach Zeit, aber auch nach Entstehungsort. Nitsches unstetes Leben in früher Kindheit hat sein Leben und seine Kunst geprägt. Er besuchte vier Volksschulen in vier Orten in zwei Bundesländern.

 

„STEINE AM WEG“ UND KOMPOSITEUR. In seinem neuesten Buch, er ist Verleger und Herausgeber, beschäftigt sich Nitsche wieder mit dem Volk der Fahrenden. Auf einer Wanderung in Irland sah er die sprichwörtlichen Steine am Weg, die dort praktisch den Travellers die Möglichkeit nehmen, ihre Lagerplätze zu erreichen. Er bietet den Roma, Jenischen und anderen Fahrenden die Möglichkeit, ihre Kultur darzustellen. Nitsche las Einfühlsames, aber auch Aufrüttelndes aus diesem neuen Buch, das in Buchhandlungen und beim Verleger zu erwerben ist. Nitsche widmete 2012 dem 2001 früh verstorbenen Tiroler Komponisten Werner Pirchner ein Bild. Mit ihm verband ihn eine lange Freundschaft. In seinen Bildern sah er immer auch Kompositionen, ihm fehlte aber die Möglichkeit zur musikalischen Umsetzung, so Nitsche. Das Ensemble Flutelichter (Alexandra Auer, Stefanie Krepper, Selina Danzl) aus dem Unterland hat bei der Vernissage mit Musikschullehrerin Christine Niederbacher eine bildnerische Komposition Nitsches musikalisch umgesetzt – das Publikum zeigte sich begeistert von Musikerinnen und Werk.

 

SPRACHROHR UND ANWALT. Gerald Kurdoglu Nitsche kann man also nicht auf seine darstellende Kunst reduzieren. Er ist Schriftsteller, Verleger, Galerist und vor allem auch Pädagoge. Und immer findet man ihn auf der Seite der Unterdrückten und Ausgegrenzten. Er ist das Sprachrohr der Stummen und der Nicht-Gehörten, Anwalt der Vergessenen und der Ausgegrenzten und Stachel im Fleisch der Saturierten und Selbstzufriedenen. Als Verleger gibt er vergessenen und ausgegrenzten Kulturen ein Forum. Als Lehrer formte er Generationen von Schülern zu kritischen Persönlichkeiten. Die Samen, die er in manch einen Geiste setzte, keimten zu Künstlern, welche auf der ganzen Welt Anerkennung finden. Durch seine Lehrtätigkeit in der Türkei lernte er das Leben als „Ausländer“ kennen. Schon früh erkannte er eine fremdenfeindliche Stimmung in unserer Gesellschaft und bezog vehement dagegen Stellung. Als Galerist bringt er erfrischende, fordernde, verstörende und wundervolle Kunst in den Bezirk Landeck. Ohne sein „Atelier im Kårrnerwaldele“ wäre die Kulturlandschaft Tirols um vieles ärmer. Seine Werke zeugen von seinem Leben, von seinem Engagement für die Benachteiligten und Schwachen. Sie vermitteln aber auch Zuversicht und Hoffnung, vor allem aber fordern sie den Betrachter auf, Stellung zu beziehen und sich für eine gerechtere Welt zu engagieren.

Die Ausstellung im Kunstraum Pettneu ist bis 11. Februar, donnerstags und samstags von 17 bis 20 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr zu besichtigen. Zu anderen Zeiten nach Anmeldung: 06765117383.

Gerald Kurdoglu Nitsche RS-Foto: Pircher
Laudator Oswald Perktold RS-Foto: Pircher
Flutelichter interpretieren Komposition RS-Foto: Pircher

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.