5:3 für die Fairness

Liebe Freunde sauberer Urnengänge!

Damit aus Wahlbewegungen keine Wahlkämpfe und schon gar keine Schlammschlachten werden, bemühen sich die wahlwerbenden Gruppierungen bereits im Vorfeld um Anstand, Respekt und Würde. Das Unterzeichnen eines Fairnessabkommens hat dabei längst eine Art rituellen Charakter. So auch bei der bevorstehenden Tiroler Landtagswahl. Von den insgesamt acht antretenden Parteien und Listen haben jetzt fünf eine derartige Vereinbarung unterschrieben. Die ÖVP, die SPÖ, die Grünen, die Neos und die sogenannte Family-Liste haben sich gegenseitig schriftlich Fairness versprochen. Die FPÖ, impuls-tirol und die Liste Fritz sprachen sich dagegen aus.

Die Frage ist nun: Haben wir fünf faire und drei unfaire Parteien? Geht es nach den Nichtteilnehmern am Anstandspakt, ist dies diffiziler, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Freiheitlichen sagen, alle anderen seien dermaßen unfair, dass sie quasi als die Oberanständigen in diesem Bunde zwangsläufig aus dem Rahmen fallen – eine Strategie, die bei den Blauen schon oft aufgegangen ist. Fritz Dinkhausers Erben behaupteten, sie wären in der Vergangenheit bereits die fairsten gewesen und daher müsse man diese Tatsache nicht noch einmal schriftlich herausstreichen. So etwas nennt man Selbstvertrauen. Eher Galgenhumor treibt die Nachfahren der von der Innsbrucker Stadtchefin Christine Oppitz-Plörer sowie den Ex-Landesräten Anna Hosp und Hans Lindenberger gegründeten Vorwärts-Bewegung ins Rennen. Der bescheidene Rest der im Streit aufgelösten Liste wurde erst kürzlich vom Landtag nach langen Diskussionen finanziell saniert. Doch da Dankbarkeit bekanntlich keine politische Kategorie ist, verzichtet diese Gruppe ebenfalls auf Fairness – ein wohl aussichtsloser Impuls!

5:3 ist übrigens ein interessantes Ergebnis. Ich tippe, dass es fünf der acht antretenden Listen in den Landtag schaffen. Wie fair das ist, entscheiden die Wähler. Der Demokratie sei Dank!

Meinhard Eiter


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