Andere Zeiten, andere Bestimmungen

Wo derzeit Tierschutz-Aktivist Chris Moser seine Werke im Rahmen der Kunststraße präsentiert, herrschte früher rege Frequenz und fröhliches Treiben. Eine Wiedereröffnung des Stadtplatzcafés ist nach momentanem Stand aber denkbar unwahrscheinlich. RS-Foto: Matt

Stadtgemeinde plant, Imster Stadtplatzcafé zu erwerben – trotzdem schlechte Aussichten auf Wiedereröffnung

Die Ankündigung der Imster Stadtgemeinde, sich das legendäre Stadtplatzcafé sichern zu wollen, ließ wohl bei vielen Imstern die Hoffnung auf ein öffentliches Kulturcafé im Herzen der Stadt aufkeimen. Die Verhandlungen mit Raiffeisen, die Grund und Gebäude derzeit besitzt, laufen noch, informiert der Imster Bürgermeister Stefan Weirather. Trotz einiger baulicher Widrigkeiten ist er zuversichtlich, dass die Stadt Anfang nächsten Jahres über die Liegenschaft verfügen wird. Eine Wiedereröffnung als Gastronomiebetrieb sei aber sehr unwahrscheinlich, meint Weirather.

Von Manuel Matt

Ein Kaufangebot sei seitens der Stadt schon länger gestellt, gibt Bürgermeister und Chef-Verhandler Stefan Weirather Einsicht in den laufenden Prozess. Erschwert wird ein Erwerb aber durch Tiefgaragen im Untergrund. „Eine Trennung ist nach Durchsicht der Pläne recht schwierig“, so Weirather. Möglich wäre als Alternative der Erwerb eines langjährigen Nutzungsrechts, „diesbezüglich werden wir dieses Jahr noch Gespräche führen“, kündigt Weirather an. Bezüglich möglicher Raiffeisen-Preisvorstellungen der möchte der Bürgermeister aufgrund der laufenden Verhandlungen keine genauen Summen nennen. Inseriert war die Liegenschaft vor einiger Zeit jedenfalls mit rund 280.000 Euro, wobei für die Stadt aber bessere Konditionen gelten sollten. Mit einem Vertragsabschluss werde im Laufe des Januars gerechnet. Ob die Stadt dann als Eigentümerin oder als Inhaberin eines Nutzungsrecht dastehe, werde sich zeigen. „Mir wäre es lieber, wenn der Erwerb als Eigentum möglich wäre“, verrät Weirather.

Zukunft.

So oder so – gebraucht werden würde die Fläche als Bestandteil des geplanten Imster Kulturquartiers ohnehin. Dieses Projekt werde aber mit Sicherheit nicht bereits nächstes Jahr angegangen, immerhin sei mit Kosten von etwa acht Millionen Euro zu rechnen. „Andere Dinge sind derweil unumgänglich – wie etwa der Ausbau der Kinderbetreuung“, meint das Stadtoberhaupt. Auf eine Wiedereröffnung des Stadtplatzcafés als Gastronomie sollte währenddessen nicht allzu sehr gehofft werden. „Die Chancen dafür stehen schlecht“, will Weirather möglicher Enttäuschung zuvorkommen. Der Grund dafür liegt zu einem großen Teil wieder im Keller. Leichen sind es freilich keine, die eine Stadtplatzcafé-Renaissance erschweren, sondern die dort befindlichen WC-Anlagen. „Das muss mittlerweile barrierefrei zugänglich sein“, weiß der Bürgermeister. Wer die örtlichen Gegebenheiten kennt, kann sich wohl bereits denken, dass dies nur mit aufwändigen Umbauarbeiten, erheblichem Kostenaufwand und mehr als nur einem Quäntchen Kreativität zu bewältigen wäre. Auch unzureichende Fluchtwege würden ein Problem darstellen, so Weirather.

Veränderung.

Mimik und Gestik sind sachlich – und doch vermeint die RUNDSCHAU in der Stimme des Bürgermeisters leisen Wehmut zu vernehmen. Auch er habe in seiner Jugendzeit das Café gerne frequentiert. Die Zeiten hätten sich jedoch geändert. Das betrifft nicht nur gewerberechtliche Bestimmungen, sondern auch das Wesen der Menschen. Einerseits hätten Anwohner etwaige Lärmbelastungen gelassener empfunden, andererseits herrsche bei Jugendlichen ein anderes Ausgehverhalten. Dank kostengünstigem „Vorglühen“ werde selten vor den späten Nachtstunden ein Lokal aufgesucht, was ein wirtschaftliches Überleben schwieriger mache. Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt, meint die RS-Redaktion – vielleicht lohnt sich ein frommer Wunsch ans Christkind?

Bürgermeister Stefan Weirather gab Einblick in die Causa Stadtplatzcafé. RS-Foto: Archiv

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