„Auch Menschlichkeit ist Wählerauftrag“

Gute Laune trotz Freiluft-Fototermin – FPÖ-Gemeinderat und -Bezirksparteiobmann Wolfgang Neururer gab der RUNDSCHAU tiefe Einblicke in das blaue Wesen. RS-Foto: Matt

FP-Gemeinderat und -Bezirksparteiobmann Wolfgang Neururer im Gespräch mit der RUNDSCHAU

Mit einem Plus von fast sieben Prozent und knapp einem Drittel der Stimmen dürfen sich die Freiheitlichen auch in der Stadt Imst als Sieger der geschlagenen Nationalratswahl feiern lassen. Grund genug für die RUNDSCHAU, mit dem Imster FP-Gemeinderat und Bezirksparteiobmann Wolfgang Neururer über die geschlagene Wahl, blaue Inhalte und die laufenden Koalitionsverhandlungen zu sprechen.

Von Manuel Matt

„Sensationell“ nennt Wolfgang Neururer als Bezirksparteiobmann der Imster Freiheitlichen das blaue Ergebnis in seiner Heimatstadt. Neben 2000 Vorzugsstimmen für seine Person scheint Neururer aber auch der zweite Platz vor den Sozialdemokraten zu freuen: „Kein Wunder, immerhin haben sich die Freiheitlichen in den vergangenen Jahren doch mehr um die Sozialdemokratie bemüht als die SPÖ“, meint Neururer. Dementsprechend glücklich zeigt sich der Politiker über die Koalitionsverhandlungen seiner Gruppierung mit der Volkspartei unter Sebastian Kurz, die seines Wissens nach „konstruktiv und professionell“ ablaufen würden. Eine der Hauptbedingungen für die blaue Unterstützung der Regierung nennt Neururer ebenfalls: „Wir wollen das Innenministerium – und da haben wir gute Chancen, denke ich“, so der 50-jährige Gemeinderat. Unumgänglich sei zudem auch ein „fairer Umgang“ innerhalb der nächsten Regierung – kaum verwunderlich, herrschte doch nach den letzten Koalitionsverhandlung zwischen ÖVP und FPÖ bei vielen Freiheitlichen das Gefühl vor, von der Volkspartei unter Wolfgang Schüssel über den Tisch gezogen worden zu sein. Bedenken in diese Richtung scheinen bei Neururer aber kaum zu bestehen: „Es war ein außerordentlich fairer Wahlkampf zwischen FPÖ und ÖVP – dafür hab’ ich mich auch bei Jakob Wolf (Anm.: Klubobmann der Tiroler Volkspartei) recht herzlich bedankt“. Auch wenn ein Ende der Koalitionsverhandlungen derzeit wohl noch nicht abzusehen ist, glaubt Neururer an eine raschere Regierungsbildung als in Deutschland, wo CDU/CSU, Grüne und FDP zäh um die Bedingungen für eine sogenannte Jamaica-Koalition ringen.

Keine Schwesterpartei.

Ein ähnliches Plus wie die FPÖ konnte die „Alternative für Deutschland“ (AfD) mit einem Zugewinn von 7,9 Prozent bei der letzten Bundestagswahl feiern. Im Europäischen Parlament sind die Freiheitlichen mit der als rechtspopulistisch geltenden Partei in der Fraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ vereint. Eine Schwesterpartei der FPÖ, wie es oftmals heißt, sei die AfD aber keinesfalls, findet Neururer: „Im Gegenteil – ich halte die AfD für außerordentlich gefährlich!“ Zwar gebe es gewisse Überschneidungspunkte wie etwa das Ablehnen von zunehmender Migration und eines „politischen Islams“, die FPÖ-Inhalte scheinen aber zumindest bei Neururer etwas differenzierter daherzukommen: „Die Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam bewältigen – es bringt nichts, alle über einen Kamm zu scheren.“ Bestehende Probleme würden sich am ehesten lösen lassen, wenn man mit den Leuten redet. „Gesetze bleiben aber Gesetze und viel mehr Zuwanderung wäre für Österreich nicht mehr schaffbar“, so Neururer. „Türkische Parallelgesellschaften“ seien zwar nach wie vor ein gewisses Problem, in Imst seien aber die „Integrationsprobleme im Griff“, was auch den Bemühungen des Integrationsbüros zu verdanken sei, lobt der FPÖ-Bezirksparteiobmann. Anders sehe es auf Landesebene aus, kritisiert Neururer. Die Tiroler Sozialen Dienste „gehören abgeschafft“ und Christine Baur sei ohnehin „die unfähigste Landesrätin“, die er je erlebt habe, nimmt sich Neururer kein Blatt vor den Mund: „Das gehört anders gehandhabt!“

Steuern runter.

Neben eines verschärften Umgangs mit Migration verspricht die FPÖ auch ein vereinfachtes Steuersystem mitsamt finanzieller Erleichterungen. Das sei gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen notwendig, findet Neururer, da diese Betriebe mit dem Aussterben kämpfen würden. Wie die Reformen letztlich aussehen werden, sei schwierig zu sagen: „Das ist noch Verhandlungssache“, gibt Neururer zu Protokoll.

Eine andere FPÖ.

Während die Verhandlungen zur rot-schwarzen Zusammenarbeit in der Vergangenheit meist auf Frustation und Verdrossenheit in der Bevölkerung stießen, begegnen zahlreiche Menschen der Aussicht auf Schwarz-Blau mit Misstrauen, Zweifeln und Sorge. Die heutigen Freiheitlichen seien aber eine andere FPÖ als vor zwölf Jahren, erklärt Neururer, der sich selbst als „normalen FPÖler in der politischen Mitte“ sieht: „Die Wähler dürfen vertrauen, dass wir bei blauen Kernthemen weiterhin ,scharf reinfahren‘ werden – aber auch die Menschlichkeit ist Wählerauftrag“, findet der Gemeindepolitiker. Fürchten müsse sich so niemand vor der FPÖ, betont Neururer – „aber akzeptieren muss man uns!“

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.