Auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Bernd Juen und Georg Mackner erklären die Struktur der YIL-Wohneinheiten.

Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Stams eröffnet

Noch nicht erwachsen und doch kein Kind mehr – Jugendliche haben es auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit nicht immer leicht und doch müssen sie irgendwann ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Für junge Menschen, die noch dazu ohne ihre Eltern eine Odyssee aus schlimmen Erlebnissen hinter sich haben und nach der Flucht aus der Heimat Schutz in Österreich suchen, haben die Tiroler Sozialen Dienste nun ein Pilotprojekt entwickelt, das in Stams erstmals praktiziert wird und zehn Jugendlichen den Weg in die Selbstständigkeit ebnen soll.

Von Agnes Dorn

„Young Independent Living“: Unter dieser Bezeichnung wurde dieser Tage in Stams ein Heim eröffnet, das insgesamt zehn Burschen im Alter von 16 bis 18 Jahren ein vorübergehendes Zuhause bieten wird. Vorübergehend deshalb, weil sie derzeit alle auf ihren Asylbescheid warten und erst, wenn sie diesen erhalten haben, über ihren weiteren Verbleib entschieden wird. „Auch mit Erhalt des Status werden sie nicht sofort in die Selbstständigkeit gestoßen“, betont der UMF-Koordinator für Tirol, Bernd Juen, der derzeit rund 300 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge im ganzen Land betreut.

Das Projekt in Stams ist neu und hat sein Vorbild in Bayern, wo schon länger eine sozialpädagogisch begleitete Wohnform als ein YIL-Heim (Young Independent Living) geführt wird. Nicht alle Jugendlichen sind für diese Form der Wohngemeinschaft geeignet und auch nicht alle Jugendlichen wollen von sich aus den Weg aus der Vollversorgerstruktur wagen, wie Juen erklärt. Denn die Bewohner müssen strenge Anforderungen wie den positiven Abschluss der A2-Deutschprüfung erfüllen und zudem in einer fixen Tagesstruktur wie Schule oder Lehre eingebunden sein. Außerdem müssen sie mit ihren mindestens 16 Jahren auch dazu bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Übergang zur Selbstständigkeit.

In der Teilselbstversorgerstruktur in Stams ist für die Jugendlichen zwar rund um die Uhr eine Betreuung telefonisch erreichbar, die Burschen werden aber nicht 24 Stunden vor Ort betreut. Sie müssen selbst einkaufen und kochen und auch mit dem zugeteilten Geld selbstständig auskommen. Derzeit sind es drei Betreuerinnen, die in einem Betreuungsrad vormittags und jeweils von 16 bis 21 Uhr für die Burschen da sind. Wenn die restlichen vier Jugendlichen kommen, wird das Team auf insgesamt fünf Personen aufgestockt werden, wie die Leiterin des Heims, Angelika Obermair, erklärt. Bereits vor dem Einzug der Jugendlichen befanden sich Wohnungen für Asylwerber im sogenannten Föger-Haus. Eine dort lebende und bereits bestens im Dorf integrierte Familie musste schweren Herzens das Haus verlassen, um den Jugendlichen Platz zu machen. Eine zweite, im obersten Stockwerk lebende Familie, kann dagegen bis zum Asylbescheid im Haus wohnen bleiben, wie Georg Mackner, Zuständiger der TSD für die Öffentlichkeit, bestätigt. Doch trotz der etwas holprigen Vorgeschichte rund um den Wechsel der Hausbewohner wurde der Einzug der Jungen von vielen im Dorf sehr positiv aufgenommen und VBgm. Gerhard Wallner, der sich seit dem ersten Tag für alle in Stams aufgenommenen Asylwerber mit viel Energie stark gemacht hat, konnte ihnen das Dorf schon in einem ersten Rundgang präsentieren. Auch im Fußballverein freut man sich über die jugendliche Verstärkung und Obmann Stefan Einackerer hat schon die ersten Anmeldungen entgegengenommen. Die Einbindung ins Dorf hat also schon in den ersten Tagen begonnen und wenn auch die letzten Jugendlichen ins Haus eingezogen sind, wird sich die Tür des YIL-Heims Mitte oder Ende Mai für alle Stamser öffnen und den Interessierten unter ihnen am Tag der offenen Tür Einblick in den Lebensalltag der Kids geben.

Im Jugendzentrum Stams haben sich Neuankömmlinge und die länger eingesessenen Stamser Jugendlichen bereits beim Wuzeln und Airhockeyspielen gemessen. Auch Heimleiterin Angelika Obermair (l.) und Vize-Bürgermeister Gerhard Wallner (r.) versuchten ihr Glück beim Spiel. RS-Fotos: Dorn

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