Auf dem Weg zur Spitze

Franziska Gritsch, die Ski-Alpin-Hoffnung und Trägerin des Silbernen Leistungsabzeichens des TSV, im RUNDSCHAU exklusiv-Sommergespräch über ihren Werdegang, Wünsche und Ziele für die kommende Saison. Für Fans gibt’s eine Like-Seite auf Facebook unter „Franziska Gritsch“. „We like“, meint die RUNDSCHAU! RS-Foto: Bundschuh

Ski Alpin-Talent Franziska Gritsch im RUNDSCHAU exklusiv-Sommergespräch

Die vergangene Saison stand nach einem Wadenbeinbruch und schwerer Knieverletzung (Riss des vorderen, hinteren Kreuzbandes, Seitenband und Bruch des Schienbeinkopfes) unter dem Motto „Come back“, was Franziska Gritsch auch eindrucksvoll gelungen ist. Die RUNDSCHAU traf das Ausnahmetalent zum Summer-Talk.

Von Friederike Bundschuh

RUNDSCHAU: Fanziska, wie hat denn alles begonnen? Man wird ja nicht als „Ski-Alpin-Hoffnung“ geboren – oder doch?

Franziska Gritsch: Ich habe sehr früh mit dem Skifahren begonnen, mit zweieinhalb Jahren. Meine Eltern haben mir das gelernt und es hat immer Spaß gemacht. Später bin ich dann dem Skiclub Sölden-Hochsölden beigetreten. Dann von den Kinderrennen angefangen bis zu den Schülerrennen, die dann auch schon teilweise international waren, ging‘s immer weiter. Es hat einfach Spaß gemacht und somit habe ich mich dann nach der Hauptschule entschieden, die Ski-Hotelfachschule Bad Hofgastein zu absolvieren, was ganz richtig für mich war.

 

RS: Warum ein „Comeback“ in der vergangenen Saison, was ist passiert?

Gritsch: Nach der Aufnahme in den ÖSV C-Kader nach meiner ersten Fis Saison 2014 verlief die Vorbereitung nahezu perfekt auf die neue Saison, bis ich die erste Verletzung hatte, kurz darauf folgte die schwere Knieverletzung. Recht schnell stand ich wieder auf den Skiern, nur ca. sieben Monate nach meiner Verletzung, aber ich pausierte noch eine Saison mit Renneinsätzen. Die letzte Operation hatte ich im April 2016, da wurden die Metallplatten entfernt. Seitdem bin ich wieder zu 100 Prozent fit und konnte eine super Vorbereitung durch die Unterstützung meiner Trainer vom ÖSV, den Rückhalt zuhause und vor allem auch durch die Physiotherapeuten für die Saison 2016/17 absolvieren. Gerade der Rückhalt ist sehr wichtig, weil man tipptopp versorgt wird und die Trainer immer hinter einem stehen, was nicht immer selbstverständlich ist, gerade in der Zeit.

 

RS: Wie geht es weiter?

Gritsch: „Der nächste Schritt war, dass ich jetzt im Heeresleistungszentrum bin. Das ist schon richtig cool. Und wenn alles super läuft, werde ich nach einem Jahr verlängert. Das wäre natürlich das weitere Ziel, dann bin ich auch abgesichert. Die Schule habe ich 2015 abgeschlossen und mich auf die Regeneration und ein Comeback nach der Verletzung konzentriert, seit Herbst 2016 mache ich jetzt die Berufsreifeprüfung für Sportler in Stams, das nennt sich KADA. Im Juni habe ich schon die Matura im Sportmanagement gemacht, jetzt im September steht die Mathe-Matura an. Also langweilig wird mir sicher nicht, aber es ist ja auch eine Abwechslung neben dem Sport. Die weiteren Fächer möchte ich nächstes Jahr im Sommer abschließen. Ansonsten geht’s bald schon wieder in den Schnee, damit wir uns auf die neue Saison optimal vorbereiten können. Und wie’s so schön heißt, alles „step by step“: Europacup-Rennen bestreiten und dann, vielleicht wenn alles perfekt läuft, das Weltcupdebut, um sich schließlich auch mit den Weltbesten zu messen.

 

RS: Jetzt ist Sommer – steht da auch Skifahren im Vordergrund oder wie gestalten sich die „heißen“ Monate hier?

Gritsch: Vorwiegend trainieren wir im Sommer Kondition, damit wir im Winter fit sind, ca. von Mai bis Mitte August. Jetzt fliege ich mit meinem Team „ÖSV Trainingsgruppe Technik 2“ drei Wochen nach Neuseeland zur Schneevorbereitung, heuer das erste Mal in Übersee. Die anderen Jahre haben wir das in Zermatt und in Saas Fee gemacht. Einmal was anderes sehen, ein Tapetenwechsel, bin schon gespannt und freue mich sehr darauf. Ich bin im B-Kader und in den Disziplinen hauptsächlich beim Slalom und Riesenslalom am Start, wobei mir der Super G und die Speedbewerbe auch recht gut liegen, daher kann man fast sagen, ich bin eine „Allrounderin“.

 

RS: Wieviel Paar Ski müssen eingepackt werden für Neuseeland? Ein Laie kann sich ja nicht so viel darunter vorstellen, was da alles mit muss.

Gritsch: Nach Neuseeland nehmen wir natürlich nicht alles mit, aber so um die 15 Paar Ski habe ich sicher dabei und drei Paar Skischuhe, aber darum kümmert sich der Pool-Servicemann vom ÖSV. Und sonst insgesamt haben wir schon mehr Ski, welche je nach Trainingskurs dann mitgenommen werden. Pro Disziplin braucht man schon vier bis sechs Paar, wenn etwas kaputt geht, und weil ich Allrounderin bin, kommt da schon was zusammen. Aber ganz so extrem wie im Weltcup ist es bei uns jetzt noch nicht.

 

RS: Gibt’s so etwas wie Urlaub? Auszeit? Oder dreht sich zwölf Monate lang alles ums Skifahren?

Gritsch: Ja, mein Urlaub war recht spontan, gleich am Ende der Saison Ende April, sonst wäre sich wohl nicht mehr viel ausgegangen, wegen der Berufsreifeprüfung. Ich bin nicht der Typ, der 14 Tage am Strand liegt, ein paar Tage Auszeit gibt’s schon, wann man Körper und Geist ruhen lässt. Sonst wird natürlich regelmäßig trainiert, jedenfalls ein bis zwei Einheiten pro Tag mit verschiedenen Inhalten: Ausdauer, Krafttraining, Koordinationstraining, je nachdem, welche Phase gerade ist. Sechs Tage Woche ist selbstverständlich. Viel trainiere ich über Physio Radl, das Therapiezentrum in Umhausen, die unterstützen mich sehr mit Trainings- und Regenerationsmöglichkeiten, was ich sehr schätze. Und 2 Rad Center Hummel stellt mir die Räder zur Verfügung, wofür ich mich auch sehr bedanken möchte.

 

RS: Habt ihr einen speziellen Ernährungsplan, abgestimmt auf eure Trainingsphasen?

Gritsch: Nein, im Grunde nicht. Wir versuchen, uns sehr gesund zu ernähren und wenn man so viel trainiert, muss man schon die richtigen Mengen an Kohlenhydraten oder Eiweiß zu sich nehmen. Aber da findet grundsätzlich eh jeder Sportler heraus, was für ihn das Beste ist. Und wenn man so viel unterwegs ist, gibt‘s irgendwann für jeden sein „Rezept“, das es braucht, um die Leistung auf dem Niveau zu halten, damit wir auch den nötigen Trainingserfolg bzw. dann auch Rennerfolge erzielen können. Denn es ist auch nicht in jedem Land üblich, dass es so einen Standard wie in Österreich gibt.

 

RS: Du hast heuer im Juni das Silberne Leistungsabzeichen verliehen bekommen – was muss man „anstellen“ dafür?

Gritsch: Ja, bei der Juniorenweltmeisterschaft muss man eine Medaille gewinnen und das ist mir gelungen. Im Super G Silber und Bronze in der Kombination. Das muss man anstellen. Das sind richtig coole Erfolge im Junioren-Bereich. Daran sieht man, wofür es sich lohnt, sich zurückzukämpfen.

 

RS: Wünsche und Ziele für die kommende Saison?

Franziska: „Ziel für die kommende Saison ist, im Europacup konstant vorne mitzumischen und vielleicht den einen oder anderen Fixstartplatz für den Weltcup herauszufahren, sprich da muss man unter den Top drei der Gesamtwertung in einer Disziplin im Europacup sein. Da ich aber generell eher der Typ bin, der von Rennen zu Rennen schaut und immer die beste mögliche Leistung zeigt, sieht man dann eh, was raus kommt. Denn gerade jetzt im August kann man noch gar nicht sagen, wie’s läuft. Und das wichtigste ist immer noch, g‘sund, unverletzt und Spaß bei dem zu haben, was man macht.

 

RS: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute, viel Erfolg für die kommende Saison und auch entsprechende Ambitionen für die verbleibenden Maturaprüfungen.

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