Aus erster Hand

Mit dem Sprengvortrieb beim Perjentunnel II wird Ende April/Anfang Mai 2016 begonnen. RS-Foto: Tiefenbacher

Perjentunnel II: 100 BürgerInnen aus Landeck, Zams, Stanz und Grins beim Informationsabend der Asfinag

Der Einladung zum Informationsabend in den Stadtsaal Landeck folgten vorigen Mittwoch an die 100 interessierte BürgerInnen aus den vier betroffenen Orten Landeck, Zams, Stanz und Grins.

Anwesend waren auch die Bürgermeister Wolfgang Jörg, Siegmund Geiger und Thomas Lutz. Asfinag-Projektleiter DI Richard Loidl informierte umfassend über die wesentlichen vier Bauphasen, in denen die zweite Perjentunnel-Röhre realisiert wird. Die zuständigen Fachbereiche der Asfinag sowie der beteiligten Unternehmen standen zudem für Fragen zur Verfügung.

PHASEN DES BAUABLAUFS. Projektleiter Loidl erinnerte zunächst, dass die Asfinag in das Projekt „Perjentunnel II“ insgesamt rund 172 Millionen Euro investiert. Die erste Bauphase kann bereits abgehakt werden. In dieser wurde die Sannabrücke gebaut. Diese wurde am 4. September 2015 fertiggestellt. In der zweiten Bauphase wird die zweite Röhre errichtet. Mit dem Sprengvortrieb wird Ende April/Anfang Mai 2016 begonnen. Die Verkehrsfreigabe der zweiten Röhre soll am 14. Dezember 2018 erfolgen. Dadurch ändert sich für die Autofahrer nichts, denn der gesamte Verkehr wird zweispurig durch den neuen Perjentunnel II geführt. Den Grund weiß Projektleiter Loidl: „Der alte Tunnel wird für Sanierungsarbeiten ein Jahr lang gesperrt. Ende 2019 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und dann können beide Tunnels zweispurig befahren werden.“ In der Bauphase drei und vier (Jänner 2023 bis Dezember 2025) beschäftigt man sich mit dem Neubau bzw. der Sanierung der Lötzbrücke, des Lötztunnels und der Lötzgalerie – die sich anschließend an das Ostportal des Perjentunnels befinden. Gleichzeitig wird auch die Anschlussstelle Zams adaptiert.

PROBLEMPUNKTE. Projektleiter Loidl ging auch auf die Problempunkte ein. Einer ist die Belastung durch den Baustellenverkehr. Die Siedlungsgebiete von Landeck und Zams werden von den Baufahrzeugen beim Abtransport des Aushubmaterials auf die Deponie in Finais verschont bleiben. „Da diese Transporte ausschließlich über die S 16 Arlberg Schnellstraße und ab der Anschlussstelle Zams (Eurogast Grissemann) über die Bundesstraße B 171 Richtung Schönwies zur Finais-Deponie erfolgen“, erklärte DI Loidl. Apropos Finais-Deponie: Dabei handelt es sich um ein Waldstück, das der Agrargemeinschaft Zams gehört. Es diente als Deponie für das Aushubmaterial beim Bau des Zammer ÖBB-Tunnels. Weil diese Deponie geschlossen wurde, muss um die behördlichen Genehmigungen neu angesucht werden. Laut Bauleiter Idriz Fejzo werden die notwendigen Unterlagen nächs-te Woche von der Agrargemeinschaft eingereicht.

SPRENGUNGEN. Projektleiter Loidl ging auch auf die Bedenken bei den Sprengungen, die vor allem von Bewohnern aus Perjen und des Landecker Prantauerweges geäußert wurden, ein. Der Sprengvortrieb startet Ende April/Anfang Mai 2016 an beiden Portalen und ist für 14 Monate anberaumt. Die Tunnellänge beträgt 2.992 Meter. Angenommen wird, dass die Arbeiter drei bis zwölf Meter Vortrieb pro Tag schaffen. Die Berechnungen gehen von so unterschiedlichen Tageslängen aus, weil es ganz darauf ankommt, was die geologischen Verhältnisse zulassen. Loidl versuchte den Bürgern ihre Ängste zu nehmen, indem er einerseits von guten Erfahrungen mit den neuen Sprengmethoden berichtete und andererseits auf die getroffenen Vorkehrungen zur Beweissicherung, falls dennoch Objektschäden auftreten, einging. Laut Loidl wurden alle Bauwerke (Gebäude, Masten, Brücken etc.), die bis zu 250 Meter vom Tunnel entfernt sind, in die Beweissicherung aufgenommen. Bei denkmalgeschützten Objekten beträgt diese Grenze 500 Meter.

BEWEISSICHERUNG. Noch aufwändiger ist die wasserwirtschaftliche Beweissicherung. Sie umfasst 16 Quellen, einen Brunnen, drei Oberflächenwässer und acht Grundwassermessstellen. Diese Beweissicherung startete im Jahr 2011. Im Laufe dieses Jahres wurde monatlich gemessen. Von 2012 bis Herbst 2015 fand eine Beweissicherung jeden zweiten Monat statt. Seit Herbst 2015 bis zum Bauende und im Jahr danach werden Beweissicherungen und Kontrollen einmal monatlich vorgenommen.

Von Herbert Tiefenbacher

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