Bauvorschau: „Wir sind nicht ganz unglücklich!“

Kaufmännische Vorsicht, statt überschäumender Optimismus: WK-Imst-Obm. Josef Huber freut sich zumindest über eine positive Grundstimmung im Bezirk. RS-Foto: Parth

WK-Obmann Josef Huber wirft einen positiven Ausblick auf 2017

Alljährlich im Frühjahr hört sich die Wirtschaftskammer in der Baubranche um, da diese mit dem Bauhaupt- und -nebengewerbe einen wichtigen Konjunkturindikator darstellt. Auch ist durch immer kürzere Stehzeiten zwischen der Winter- und Sommersaison „der Bau“ beinahe schon ein Garant für einen Ganzjahresjob. Eine positive Grundeinstellung der Unternehmer wirkt jedenfalls oft Wunder, bestätigt auch der Imster WK-Obmann Josef Huber.

Von Thomas Parth

RUNDSCHAU: Schaut man sich den öffentlichen Wohnbau (+5%), Tiefbau (+4,3%), Verkehrswegebau (+2,5%), Tunnelbau (+2,4%), Wohnbau-Sanierung (+18,6%) und sonstiger Hochbau (+14,7%) an, gewinnt man den Eindruck eines Baubooms: Trügt dieser Eindruck?

WK-Imst-Obm. Ing. Josef Huber/AT Thurner Bau: Die Bauvorschau ist, wie der Name schon sagt, eine Vorschau. Wie viele Angebote wurden gelegt, wie ist die Stimmung am Bau, welche Bauvolumina werden vergeben. Das sagt nicht, dass alle gelegten Angebote auch zu Bauaufträgen führen. Aber grundsätzlich sind wir nicht ganz unglücklich und froh darüber, dass die Prognosen so positiv verlaufen. Es zeigt sich, dass es nicht schlechter als im vergangenen Jahr ausschaut, das auch recht positiv verlaufen ist. Das gilt sowohl für das Bauhaupt- als auch für das Baunebengewerbe bei uns im Oberland. Die optimistische Einstellung ist hier entscheidend.

 

RS: Das „Konkurs“-Gespenst schwebt immer wieder durch den Raum: Hat sich die Wettbewerbs-Situation im Oberland mittlerweile konsolidiert?

Huber: In den Knochen sitzt uns allen noch die Zeit der Wirtschaftskrise. Das Vorsichtsprinzip lässt nicht so rasch Jubelstimmung aufkommen. In letzter Zeit war allerdings nichts von Insolvenzen zu hören, wobei man das nie ganz ausschließen kann, auch nicht im Bezirk. Die Konkurrenz-Situation ist immer gleich hart. Die überregionalen Tiroler Baufirmen bieten im Oberland gleich wie im Unterland an. Diesem Druck, gegen den Mitbewerb standzuhalten, ist man ständig ausgesetzt. Für ganz vernünftig halte ich das nicht immer, wenn wir im Unterland und die Unterländer bei uns bauen, aber das entscheidet der Markt.

 

RS: Bau-Innungsmeister Anton Rieder sieht sinngemäß die Steuer- und Abgabenlast plus den Grundstücksanteil als größten Baukostentreiber: Sie auch?

Huber: Mit dem gehe ich d’accord. Die Preise und Margen am Bau sind alle sehr knapp bemessen. Und die Stahlpreis-Schwankungen sind nicht wirklich ein Indikator für die Preise am Bau, da man sie nicht einfach auf den Kunden abwälzen kann. Wenn wir ein Angebot legen, interessiert das den Bauherrn wenig, ob der Stahlpreis über den Winter angezogen hat oder nicht. Die möglichen Zusammenhänge mit dem Wirtschaftsboom in China oder der Entwicklung des Schrottpreises sind wahrscheinlich eine eigene Wissenschaft.

 

RS: Die öffentliche Hand knickt leicht ein, da die Ausgaben für Soziales und Gesundheit an den Investitionen für die Bauwirtschaft nagen: Merkt dies das Oberland?

Huber: Wir sind ohnehin nicht gar so verwöhnt mit öffentlichen Aufträgen im Oberland. Das ist sicher nicht ein Hauptanteil unserer Tätigkeiten. Fairerweise muss man dazu sagen, dass man sich in Zeiten der Krise sehr bemüht hat, viel zu investieren, damit das Rad in Schwung bleibt. Wir haben im Bezirk Imst finanziell gut funktionierende Gemeinden, die im selben Ausmaß wie bisher ihre Investitionen tätigen. – Einen lokalen Verteilungsschlüssel für öffentliche Investitionen gibt es nicht. Wir Unternehmer können jedenfalls keine lokalen Vorteile aus diesen Aufträgen ziehen.

 

RS: Wie steht es um die Lehrlingssituation und den Facharbeitermangel am Bau?

Huber: Die Lehrlingszahlen sind leider rückläufig. Facharbeiter werden gesucht. Da muss man froh sein, wenn die HTL-Abgänger den Weg ins Baugewerbe finden. Letztendlich liegt es an uns Unternehmern, das Baugewerbe attraktiv zu halten. Ohne ausländische Arbeitskräfte geht es nicht, was aber mittlerweile auch akzeptiert wird. Leuchtturmprojekte tun uns daher allen gut.

 

RS: Was kann/soll man sich unter „Digitalisierung“ am Bau vorstellen?

Huber: Daran müssen wir ständig arbeiten, um bis zum letzten Handwerker, jeden ins digitale System zu integrieren. Von den Maschinen in der Zimmerei bis zu den Planänderungen: In Wahrheit betrifft uns die Digitalisierung bereits stärker, als wir’s oft realisieren.

 

RS: Danke für das Gespräch.