Beschwerde wird bereits vorbereitet

Bgm. Wilfried Fink: „Wir wurden zwei Jahre lang im Kreis geschickt“. RS-Foto: Tiefenbacher

Wohnprojekt: Gemeinde Schönwies zieht vor zweite Instanz

 

Wie berichtet erteilte die Naturschutzbehörde die naturschutzrechtliche Bewilligung für den Bau eines Wohnbauprojekt der Neuen Heimat Tirol (NHT) im Bereich der Bichlifelder in Starkenbach (Schönwies) nicht. Die Gemeinde Schönwies bereitet die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht Tirol vor.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Damit hat niemand gerechnet: Nicht der Naturschutz (Deutscher Skorpion oder Alpenskorpion etc.) sondern das fehlende öffentliche Interesse wurden zur unüberspringbaren Hürde für das Wohnbauprojekt in Starkenbach. Die Behörde stellt sich auf den Standpunkt, dass nicht die ökologisch wertvolle Grundstücksfläche beansprucht werden soll, weil ausreichend Baulandreserven für einen Alternativstandort vorhanden sind. Diese Begründung stößt zumindest bei den Hauptbeteiligten auf großes Unverständnis. „Man will dieses Projekt von oben her abwürgen. Wir wurden zwei Jahre lang im Kreis geschickt. Zuerst war der Naturschutz ein No Go jetzt ist das fehlende öffentliche Interesse eines. Die BH soll zukünftig die Raumordnung in die Hand nehmen und soll den Gemeinden vorschreiben wo sie Flächen hat, die bebaubar sind“, kommentierte Bgm. Wilfried Fink.

 

SCHWER NACHVOLLZIEHBAR. Die Neue Heimat Tirol ist zwar noch nicht aktiv involviert, weil sich die derzeitigen Entscheidungen auf die Änderung des Flächenwidmungsplanes der Gemeinde Schönwies bezieht, ihr Geschäftsführer Hannes Gschwentner hält aber mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Es ist auch für die NHT schwer nachvollziehbar, dass bei einer Bebauung der neu gewidmeten Fläche der bisher immer ins Treffen geführte Alpenskorpion und die sonstige Fauna und Flora zwar nicht nachteilig beeinträchtigt werden, allerdings die Behörde wegen angeblich vorhandener Alternativstandorte eine Flächenwidmungsplanänderung versagt. Die NHT unterstützt die Initiativen der Gemeinde Schönwies und des Bürgermeisters für die Errichtung von leistbarem Wohnraum und wartet auf die weiteren Entscheidungen der Gemeinde und der Behörden“.

 

BESCHWERDE WIRD VORBEREITET. Gschwentner spricht damit indirekt auch die Beschwerde an, die die Gemeinde Schönwies gegen den Bescheid erster Instanz einbringen wird. Sie ist gerade dabei, diese vorzubereiten. Bgm. Fink hofft mit den im ersten Verfahren vorgetragenen Argumenten das Landesverwaltungsgericht Tirol überzeugen zu können. Für Fink ist vor allem unverständlich, dass die Naturschutzbehörde in ihrer Entscheidung im Wesentlichen der Begründung des Amtssachverständigen gefolgt ist, sei doch vom Raumplaner der Gemeinde Schönwies und von ihm (Bgm. Fink) in den jeweiligen Stellungnahmen ein öffentliches Interesse nachgewiesen worden. „Wo, wenn nicht hier ist ein öffentliches Interesse gegeben. Es liegen rund 50 Anfragen von Schönwieser Jungfamilien für eine Mietwohnung im geplanten Projekt vor“, betonte Fink.

 

BAULANDRESERVEN. Zur Feststellung im Bescheid, es gebe in Schönwies ausreichend Baulandreserven, meinte Fink: „Der vom Amtssachverständigen angeführte Wert ist nicht nachvollziehbar. Demnach verfügt Schönwies über 44,7 ha Baulandreserven. Tatsächlich sind es 45,1 ha Wohnbauland, davon entfallen 9,4 ha auf die Baulandreserve, welche für Wohnzwecke geeignet sind. Und diese befinden sich ausschließlich im Privateigentum.“ Da es sich dabei um bereits gewidmetes Bauland handle, habe die Gemeinde wenig Möglichkeiten auf diese Flächen zuzugreifen. Diese könne die Gemeinde aber schon aufgrund der Preisvorstellungen der Grundeigentümer für die Verwirklichung eines sozialen Wohnbauprojektes nicht erwerben.

 

ALTERNATIVSTANDORTE. Bgm. Fink sprach auch die Alternativstandortfrage an: „Im Zuge der Machbarkeitsstudie für das geplante Projekt ist eine Variantenuntersuchung durchgeführt worden. Bei dieser ist, eben bedingt durch mangelnde gemeindeeigene Flächen und auf weitere Jahre unlösbarer Hochwasserschutz, der jetzige Standort `Bichlifelder II` übrig geblieben“. Und was ist mit der im Bescheid präferierten Fläche im Bereich Waldele? Fink dazu: „Diese soll für die Errichtung von infrastrukturellen Maßnahmen für den Ortsteil Starkenbach vorbehalten werden.“ Die weiteren Argumente (ungenügende Erreichbarkeit des Standortes und Besonnung), mit dem die Behörde ihre Ablehnung begründet, hält Bgm. Fink für „nicht überzeugend“.

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