„Bleibt kreative Köpfe!“

Zahlreiche Gäste gaben dem Verein Schnitzschule Elbigenalp beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen die Ehre. Vorne rechts: Schulleiter Ernst Hornstein. RS-Foto: Gerrmann

Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Vereins der Schnitzschule Elbigenalp

Stolz auf die Tradition und Zuversicht für die Zukunft – diese beiden Elemente prägten in der vergangenen Woche den Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Vereins der Schnitzschule in Elbigenalp.

„Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum sind wichtig, aber schwer zu erhalten“, stellte Obmann Heiner Ginther gleich zu Beginn der vom Ensemble Sextett der Musikschule Reutte/Außerfern musikalisch umrahmten Feier fest. Und freute sich, dass es der Verein geschafft habe, die Fachschule für Kunsthandwerk und Design (so der offizielle Name) stets auf dem neuesten Stand zu halten: „Wir schauen, dass das Umfeld passt. Und das Land Tirol hat gezeigt, dass es zu dieser Schule steht. Ohne diesen Haufen Geld (rund 368 000 Euro pro Jahr) könnte man diese Einrichtung nicht weiterbetreiben.“ Was schade wäre: „Die Schule boomt und erlebt einen enormen Zulauf“, freute sich der Bürgermeister von Elmen.
Auf Vergangenheit und Zukunft von Verein und Schule blickte danach Schulleiter Ernst Hornstein. Er datierte die Wurzeln des Vereins in etwa auf das Jahr 1954. Um diese Zeit herum habe das Land Tirol die Gründung eines Vereins als Träger der Schnitzschule angeregt, wobei über diese Gründerjahre noch vieles im Dunkeln liege.
Am 2. Mai 1957 sei der Verein dann förmlich aus der Taufe gehoben worden. Fast alle Gründungsmitglieder seien noch dabei: „Leider fehlt die Arbeiterkammer, die sich aus Kostengründen zurückgezogen hat.“ Das Ziel von damals habe sich nicht geändert: Ausbildung zu fördern und den Menschen im ländlichen Raum berufliche Chancen zu eröffnen.
Mit einem Mitarbeiter habe man 1958 begonnen, mittlerweile beschäftige der Verein zehn (indes nicht alle in Vollzeit). Meilensteine in der Geschichte der Institution seien auch die erste Gesellenprüfung 1960 und der große Umbau in den Jahren 1975 bis 1977 gewesen. Mit der Zeit habe man sich auch gut in das öffentliche Bildungssystem integriert und sei seit 2014 Teil des Tiroler Regelschulwesens.
Die Historie der Schnitzschule an sich reiche ja bis zu Gründervater Anton Falger zurück, der um 1835 herum mit seiner Zeichenschule jedem Lechtaler Kind („ob arm oder reich“) die Möglichkeit habe geben wollen, etwas zu lernen. 30 Jahre habe er die Einrichtung selbst geleitet, dann verlören sich die Spuren.
Anfang des 20. Jahrhunderts sei dann die Stukkateur-Schule in eine Bildhauer-Schule übergegangen, die die Lechtaler fit für Heimarbeit habe machen wollen. Bald habe sich jedoch herausgestellt, dass die viel zu gut für das seien. Die Schnitzschule habe ihnen daraufhin geholfen, sich selbstständig zu machen. Und als der Tourismus dann aufgekommen sei, hätten die Madonnen und Bauernköpfe einen Absatz wie warme Semmeln gefunden. Doch auch in Reutte fänden sich an mindestens zehn Gebäuden Spuren der Schnitzschule.
Auch nach sechs Jahrzehnten Vereinsgeschichte blicke man nun zuversichtlich in die Zukunft: „Wir bemühen uns nach Kräften, diese Schule nach vorne zu bringen.“
Auf die Spur „einer Fachschule zwischen gestern und morgen“ begab sich danach Landesschulinspektor Anton Lendl. Auch in der Zeit der Digitalisierung gehe es um die Frage, wie man immaterielle Dinge greifbar machen könne. Was das digitale Modellieren anbelange, sei die Zukunft schon angebrochen, und schon bald werde es Berufsbilder geben, die man sich heute noch gar nicht vorstellen könne: „Da wird auch diese Schule einhaken müssen.“
„Die Schnitzschule hat unseren Ort geprägt“, unterstrich Elbigenalps Bürgermeister Markus Gerber: „Unser Name wäre ohne sie nie so weithin bekannt geworden.“
Die Grüße der Wirtschaftskammer Tirol überbrachte der Reuttener Obmann Christian Strigl. Und auch er geriet ins Schwärmen: „Der Mehrwert übersteigt das eingesetzte Kapital. Die Absolventen sind bestens ausgebildet und haben das nötige Rüstzeug für eine gute Zukunft.“ Sie seien wichtige Säulen für den Arbeitsmarkt – nicht nur für Tirol, sondern auch für die Schweiz und Südbayern. Hier werde Kunst und Handwerk auf allerhöchstem Niveau gelehrt und gelernt: „Macht weiter so, bleibt kreative Köpfe!“, rief er den jungen Leuten zu. An Anton Falgers Bestreben, dass Bildung nie an finanziellen und sozialen Rahmenbedingungen scheitern dürfe, erinnerte Landesrätin Dr. Beate Palfrader. Das Spektrum der Schnitzschule habe sich immer weiter erweitert, man helfe jungen Menschen, ihre Talente zu entfalten, fördere und fordere sie. Das solle auch weiter so bleiben. Das Tiroler Regierungsmitglied dankte Verein und Schule für deren großes Engagement über Jahrzehnte hinweg und wünschte, dass man auch in der Zukunft die Pflege der Tradition und die Aufgeschlossenheit gegenüber Modernem so optimal miteinander verbinden könne. Viel Beifall gab es auch für das Grußwort der drei Schulsprecherinnen Valerie Bösz, Johanna Zangerle und Julia Gridling. Sie freuten sich darüber, dass man an der Schnitzschule nicht nur auf einzigartige Art und Weise handwerkliches Können vermittelt bekomme, sondern auch Toleranz, Vertrauen und Gemeinschaftsgeist: „Wir können uns hier kreativ ausleben und danken für alle Förderungen.“
Auf die Ergebnisse des aktuellen Unterrichts, aber auch auf die Geschichte der Schnitzschule macht dann noch eine Ausstellung aufmerksam, die im Anschluss an den Festakt im Erdgeschoss eröffnet war, bevor man dann noch in froher Runde die Feier ausklingen ließ.

Von Jürgen Gerrmann

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