„Dann wären wir keine guten Gastgeber!“

Der Pitztaler Vier-Sterne-Hotelier und Arzlerhof-Chef, Franz Staggl, hat seit Kurzem die Obmann-Funktion inne und bildet mit (Neo-)Direktorin Sabine Wechselberger das kongeniale Führungsteam an Tirols wichtigster Tourismusfachschule, der Villa Blanka in Innsbruck. RS-Foto: Unterpirker

Pitztaler Hotelier ist neuer Obmann der Tourismusschule Villa Blanka

Franz Staggl war seinerzeit Schüler in der Villa Blanka in Innsbruck. Kürzlich übernahm der Pitztaler 4-Sterne-Hotelier (Arzlerhof) die Obmannfunktion. Mit Sabine Wechselberger kehrte ebenfalls eine langjährige Kollegin von Staggl wieder zurück zur Villa Blanka und übernahm quasi gleichzeitig den Direktionsposten. Beide zusammen bilden ein kongeniales Team. Die enge Verbundenheit mit der weltbekannten Tourismusschule kennen beide über Jahre hinweg. Und wie sein Bruder Hannes Staggl (TVB Imst-Obmann) absolvierten rund zehn Personen aus ihrem Familien- und Verwandtschaftskreis diese begehrte Ausbildung. Die RUNDSCHAU besuchte das Führungsduo in der Villa Blanka und führte ein spannendes Interview.

Von Albert Unterpirker

RUNDSCHAU: Neues Team, neue Direktorin, neuer Obmann – wie gut kehrt man den Besen zusammen? Wie würde man den eigenen Stil definieren?

Sabine Wechselberger: Wir sind sehr kooperativ unterwegs und es gibt viel Kommunikation untereinander. Wir kennen uns schon sehr lange und es ist ein Urvertrauen da – das ist ja nicht selbstverständlich. Dadurch ist das von Anbeginn weg natürlich ein feines Arbeiten.

Franz Staggl: Vor allem auch konsensbetont. Solch eine Schule wie die Villa Blanka, die einen so umfassenden Bereich abdeckt, mit 40 Lehrern und um die 40 Mitarbeiter – das kannst du nur im Konsens machen. Das ist es, was es im Prinzip ausmacht.

 

RS: Herr Staggl, was hat sich an der Villa Blanka geändert, seitdem Sie im Jahr 1985 diese Schule abgeschlossen haben?

Staggl: Die gesamte demografische Entwicklung!

 

RS: Inwiefern?

Staggl: Dass immer weniger junge Leute im Moment hier sind, dass sich die Schulen irrsinnig um Schüler bewerben müssen und dass die Schule im Wandel ist. Wie in jedem Betrieb musst du mit der Zeit gehen. Auch jetzt stehen wieder Veränderungen an und die werden wir jetzt einfach gemeinsam angehen.

Wechselberger: Früher haben wir noch mehr Unternehmerkinder gehabt. Wir haben immer noch sehr viele, mehr als andere Schulen. Aber Deutsche oder Südtiroler früher, das war eher die Ausnahme. Jetzt haben wir im internationalen Bereich absolut eine Markterweiterung.

 

RS: Wie hoch ist eigentlich der Anteil von Schülern aus dem Oberland?

Staggl: Rund 20 bis 25 Prozent.

 

RS: Könnte es diesbezüglich noch mehr sein?

Wechselberger (lacht): Das hoffen wir immer!

 

RS: Stichwort „Standard der Schule“. Wodurch unterscheidet sich die Villa Blanka im Wesentlichen von anderen Tourismusschulen?

Wechselberger: Wir sind eine sehr unternehmerische Schule. Unsere Besonderheit ist, dass unsere Schüler ein Business-Behavior lernen, das sie woanders nicht haben. Dass sie sehr oft und viel über den Tellerrand schauen können und dadurch eine ganz andere Eloquenz im Reden und im Benehmen haben. Das schätzen sehr viele Branchen, nicht nur der Tourismus. Und dadurch, dass wir eine Wirtschaftskammerschule sind, können wir Synergien nutzen, wo andere Schulen nicht die Möglichkeit haben. Wir haben auch einen Gratis-Stützunterricht von Pädagogen, das heißt, bei uns braucht kein Elternteil Nachhilfe zu zahlen.

 

RS: Es soll demnächst Umbauarbeiten geben?

Staggl: Richtig. Heute Vormittag haben wir uns auf den Fahrplan geeinigt, in welcher Reihenfolge welche Bauabschnitte jetzt anstehen.

 

RS: Was steht dezidiert an?

Staggl: 2018 möchten wir in erster Linie das Heim, also den Campus umbauen, vielleicht auch teilweise zubauen.

Wechselberger: Wir wollen auch Begegnungsräume schaffen. Wo interne und externe Schüler auch ihre Freizeit und ihre Lernzeit verbringen können. Die Villa Blanka-Familie soll für mich nicht nur ein Begriff bleiben, sondern das wollen wir auch leben.

 

RS: Welche Akzente wollen Sie als neuer Obmann zusätzlich setzen?

Staggl: Dass man mehr praxisorientiert ist. Mehr adapiert, mehr modernisiert, dass man in diesem Bereich noch mehr tut. Internationaler, digitaler wird. Uns geht‘s darum, dass die Schüler gut ausgebildet werden.

 

RS: Herr Staggl, zu ihnen als Hotelier kommen sicherlich Leute und sagen: Das wäre super, wenn ihr das in der Villa Blanka umsetzen könntet?

Staggl: Ich bin nicht beratungs- oder informationsresistent und nehme gerne Informationen von Kollegen auf. Wie etwa: In dem und dem Bereich soll’s noch besser werden – das ist ganz normal. Das gebe ich dann auch weiter. Viele Dinge sind vielleicht aus der externen Sicht anders zu beurteilen, als aus interner Sicht. Dann schaut man einfach, dass man das Beste daraus macht. Wir kommen alle aus der Dienstleistungsbranche: Wenn wir alle resistent gegen die Ratschläge unserer Gäste wären, dann wären wir keine guten Gastgeber. Im Prinzip ist es hier an der Schule das Gleiche.

Wechselberger: Wir sehen uns hier auch als Dienstleistungsbetrieb!

 

RS: Es gibt Kritiker, die behaupten, dass in diversen Tourismusausbildungen zu wenig Wert auf Management-Skills gelegt wird. In der Villa Blanka ist das nicht der Fall, oder?

Wechselberger (schmunzelt): Nein, ganz im Gegenteil. Es ist eher so, dass unsere Schüler dann sehr gut ausgebildet sind, dass sie dann auch ins Ausland gehen. Aber viele von ihnen kommen auch wieder zurück und haben dann einen anderen Blickwinkel. Man muss den jungen Leuten zugestehen, dass sie mal hinaus in die Welt gehen und dann bringen sie auch wieder tollen Input für die heimische Wirtschaft zurück.

 

RS: Nicht unbedingt als Führungskraft oder auf jeden Fall als Führungskraft?

Staggl: Hoffentlich! Dass sie dann die Betriebe der Eltern daheim übernehmen, das ist ja eine allgemeine Problematik, die ansteht. Es gibt Statistiken, bei denen man weiß, wie viele zig tausend Betriebe in den nächsten Jahren übernommen werden sollen. Wir hoffen schon, dass die Schüler, die hier ausgebildet werden, Tiroler Tourismusbetriebe weiterführen. Das ist wohl auch das Ansinnen vom Land Tirol. Das Land investiert ja auch viel Geld in die Schulen, nicht nur bei uns. Man will ja, dass die nächste Generation bestmöglich ausgebildet wird, dass das dann auch wieder auf den Staat, das Land, die Schule zurückkehrt.

 

RS: In der Wirtschaft heißt es nun immer öfter, wir brauchen weniger Häuptlinge, mehr Indianer. Trifft einen dieser Vorwurf manchmal aus der eigenen Fraktion? Wie geht man damit um?

Staggl: Wir brauchen beides!

Wechselberger: Auf jeden Fall. Wir haben jetzt auch einen neuen Zweig geschaffen, die dreijährige Praxisfachschule „Kulinarische Meisterklasse“. Wenn man so will: eine Köcheschule, in Zusammenarbeit mit den Haubenköchen. Diese Schule zielt eigentlich darauf ab, dass die Wirtschaft wieder Mitarbeiter bekommt. Handwerker sozusagen, die auch eine super Ausbildung haben und in den einzelnen Bereichen flexibel sind. Das ist unser Beitrag für die Wirtschaft, dass wir diese Ausbildung heuer neu starten.

Staggl: Wir haben jetzt ein komplett neues Konzept, unter anderem mit neuen Lehrplänen.

 

RS: Herausragende Erfolgsgeschichten von Absolventen der Villa Blanka gibt es viele. Aber was freut einen persönlich ganz besonders? Wenn man am Ende des Tages die Türen schließt und sagt: Also, das hat mir jetzt schon Berge gegeben!

Wechselberger: Mir hat jetzt ein Schüler gesagt – ich habe ihn bei einem Projekt begleitet und dann zum Bahnhof gebracht – „Frau Direktorin, ich will jetzt nicht schleimen, aber ich glaube, es gibt keinen einzigen Schüler, der sie nicht mag an der Schule.“ Es ist für mich das Allerwichtigste: Die Schüler müssen sich wohlfühlen.

Staggl: Ich zitiere einen Schulkollegen aus Lech, er ist kürzlich zu mir gekommen und hat gesagt: „Es war einfach eine super Zeit!“

 

RS: Wie schaut’s bei Ihnen aus? Kochen im eigenen Hotel?

Staggl: Jeden Tag servieren in unserem Betrieb. Ich mache jeden Tag das Marketing, bin jeden Tag in der Rezeption. Aufräumen genauso und Müll wegfahren.

Wechselberger: Wenn ich zu Hause bin, koche ich natürlich.

 

RS: Gibt’s ein Lieblingsgericht, das Sie gerne kochen?

Wechselberger: Ich mag sehr gerne gekochtes Rindfleisch – aber nicht den Tafelspitz! Ich mag’s gern, wenn’s ein bisschen fett ist.

 

RS: Lieblingsspeise von Herrn Staggl?

Staggl: Das Gleiche! Ich hab’ nach der Villa Blanka von 1986 bis 1992 Jus studiert, und habe da eine Wohnung in Innsbruck gehabt. Ich habe jeden Tag selber gekocht und jede Woche mindestens einmal eine Suppe aufgestellt. Ich war in sechs Jahren vielleicht fünf Mal in der Mensa.

Franz Staggl: „Hoffe, dass die elterlichen Betriebe übernommen werden.“ RS-Foto: Unterpirker

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