Das Außerfern unter den Schlusslichtern

Nur in den Bezirken Landeck und Lienz war die Resonanz auf das Frauen-Volksbegehren noch schlechter

Sind die Außerfernerinnen weniger engagiert als die Frauen in anderen Bezirken Tirols? Diese Frage drängt sich auf, wenn man die bisherige Beteiligung am Frauen-Volksbegehren analysiert. Heute, Mittwoch, besteht noch Gelegenheit, diese eher schlechte Bilanz zu ändern.

„Wir kämpfen bis zur letzten Minute”: Tiroler Frauenrechtlerinnen rufen dazu auf, das Frauen-Volksbegehren zu unterstützen. Im Außerfern sind bisher eher wenige diesem Aufruf gefolgt. Foto: Niewo 2018

Österreichweit waren bis zum 25. März 232 199 Unterschriften in den Gemeindeämtern registriert. Das entspricht einer Quote von 3,64 Prozent. 17 555 zählte man in Tirol, so dass man mit 3,64 Prozent genau in der Mitte aller Bundesländer liegt.
Über einen Ausreißer nach oben darf man sich in Innsbruck freuen: 5138 Signaturen bedeuten einen Wert von 5,85 Prozent – und damit den besten aller Landeshauptstädte.
Mit einer solchen Bestmarke kann das Außerfern nicht aufwarten. 457 Menschen (auch Männer dürfen unterschreiben) gingen dort zu ihrem Gemeindeamt. Was gerade mal 2,02 Prozent von denen bedeutet, die es hätten tun können. Die Marktgemeinde Reutte lag mit 103 von 4177 oder 2,46 Prozent auch weit unter dem Durchschnitt. Landesweit verzeichneten nur Landeck (1,84 Prozent) und Lienz (1,97) ein noch schlechteres Bezirks-Zwischenergebnis.
Doch woran liegt das? Elisabeth Grabner-Niel, die das Volksbegehren in Tirol koordiniert, erklärt es sich so: „In Regionen mit vielen Tälern, wo die Vernetzung eben nicht so gut ist, ist es halt schwieriger, Partnerinnen für frauenpolitische Themen zu finden.”
Ähnlich denkt auch Evelyn Mages, die Geschäftsführerin der BASIS (Frauenservice und Familienberatung im Außerfern): „Vielleicht hat es auch mit dem Unterschied zwischen ländlicher und urbaner Struktur zu tun.” Die Frauen im Außerfern hätten eben viel mit Kinderbetreuung, (Haus-)Arbeit und Pflege zu tun und hätten vielleicht nicht so viel Zeit, um sich um gesellschaftspolitische Themen zu kümmern.
Dennoch finde sie es natürlich sehr bedauerlich, dass bislang so wenige im Außerfern unterschrieben hätten. Schließlich gehe es ja um Zukunftsvisionen für bessere Lebensbedingungen für Frauen und  Männer und Weichenstellungen für ein besseres Miteinander. Daher betrachte es BASIS auch als Aufgabe, die politische Ebene immer wieder auf die Ziele dieses Volksbegehrens aufmerksam zu machen.
Übrigens: Das Haupt-Ziel der Initiative ist schon erreicht. Ab 100 000 Unterschriften österreichweit muss sich der Nationalrat mit den Forderungen befassen. Jede Unterschrift, die jetzt noch dazu kommt, bedeutet laut Elisabeth Grabner-Niel dennoch eine wertvolle moralische Unterstützung.

Von Jürgen Gerrmann

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.