Das Herz muss Hände haben, die Hände ein Herz

Thomas Möbius, Herbert Wachter, Marion Möbius freuen sich mit Deepak (v.l.), dass sie schon bei ihrer ersten Nepalreise vieles bewegen konnten. Ein Herzensanliegen ist es, sich um die Kinder von Nepal zu kümmern. Foto: Wachter

Mutige Außerferner helfen Kindern in Nepal

Nepal, im Süden Asiens, ist bekannt als beliebtes Reiseziel für Trekkingtouristen und Bergsteiger. Das dünn besiedelte Land  fasziniert durch einzigartige Naturlandschaften. Schlechte Regierungsführung, Korruption und eine isolierte geographische Lage machen aus Nepal aber eines der ärmsten Länder Asiens. 

Die Kinder in krisengeschüttelten Regionen triff es immer besonders hart. Die Grundversorgung ist mangelhaft, der Zugang zu Bildung oft nur unter schwierigen Bedingungen möglich. Vier mutige Außerferner haben sich zum Ziel gesetzt, zu helfen und mitanzupacken. Die Gesellschaft Nepals ist auch heute noch durch das brahmanische Kastensystem und dessen Sozialkodex beeinflusst. Kinder haben – ebenso wie Frauen – eine untergeordnete Stellung. Kinderarbeit stellt ein Problem dar und vor allem Mädchen wird die wichtige Schulbildung oft vorenthalten.

Einsatz vor Ort. Herbert und Daniel Wachter sowie Marion und Thomas Möbius haben sich die tibetische Weisheit „Das Herz muss Hände habe, die Hände ein Herz“ zum Programm gemacht. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU erzählt Herbert Wachter: „Uns ist es besonders wichtig, dass die Gelder eins zu eins dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden.“ Marion und Thomas Möbius bewirtschaften die Ehenbichler Alm. Deepak, ein Freund aus Nepal, hilft seit geraumer Zeit auf der Hütte mit. Durch ihn konnten Marion und Thomas vieles über Nepal und die Probleme der Bevölkerung erfahren.  Der Gedanke, hier Hilfe zu leisten, war geboren. Gemeinsam mit Herbert Wachter und dessen Familie wurde mit dem Spenden sammeln begonnen.
Wasser und Schulen. Seit zwei Jahren gibt es nun die Privatinitiative „Vergessene Kinder Nepal“, die beim Ausbau der Wasserversorgung mithilft und Schulen restauriert und mit dem Wichtigsten ausstattet.
Am 21. November geht die Reise  wieder los. Die vier Außerferner haben jede Menge Spenden und Hilfsgüter lukriert und fliegen bereits zum zweiten Mal nach Nepal, um damit während drei Wochen vor Ort Hilfe zu leisten.
Herbert Wachter erklärt dazu: „Mit den Spendengeldern besorgen wir das notwendige Material hier in Reutte. Dank der Großzügigkeit der Firma Bouvier, die uns Tanks, Schläuche und vieles mehr für den Wasserleitungsbau zur Verfügung stellte, konnten wir vieles schon vorab nach Nepal schicken. Kleinmaterial besorgen wir dann drüben vor Ort. Auch viele Sachspenden konnten wir schon nach Nepal liefern. Damit können wir vor allem den Schulkindern und Lehrpersonen helfen. Hier gilt mein Dank ebenfalls den Spendern, auch den vielen Privatpersonen, ohne die wir unsere Anliegen nicht so gut umsetzen könnten.“
Nepal zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Jedes zweite Kind leidet an Mangelernährung. Die hygienischen Bedingungen sind unzureichend, Kinder – auch Erwachsene – leiden an Durchfallerkrankungen.  Sauberes Trinkwasser und Toiletten stehen nicht überall und ausreichend zur Verfügung. Nicht nur die Abwässer aus Industrie und Haushalten, die sehr oft ungereinigt in die Flüsse geleitet werden und die Mülldeponien an den Ufern setzen der Wasserqualität zu. Auch der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln beeinträchtigt die Wasserqualität. Oft kommt es zu ernsthaften Engpässen in der Wasserversorgung.
Daniel und Herbert Wachter führt der Weg nun gemeinsam mit Marion und Thomas Möbius nach Gulmi Tamghas. Der Distrikt Gulmi ist einer der 75 Distrikte Nepals und die Reise dorthin ist nicht gerade einfach. „Wir fliegen von München nach Kathmandu und fahren von dort aus ca. 15 Stunden bis Gulmi. Weitere drei Stunden brauchen wir dann noch, bis wir in Gulmi Tamghas angelangt sind. Gulmi Tamghas liegt auf 1800m Seehöhe. Die Akklimatisierung ist relativ einfach. Wir können also recht zügig mit unseren Arbeiten beginnen und hoffen, dass wir in den drei Wochen gut vorwärts kommen.“
Neben dem Bau von Wasserleitungen kümmern sich die Außerferner auch um den Ausbau bzw. die Renovierung von Schulen. Die Schulen sind veraltet und in desolatem Zustand, Unterrichtsmaterial  nicht ausreichend. Die Kinder Nepals haben gelernt, das Beste daraus zu machen. „Wir kümmern uns nicht nur um Schulen, wir bemühen uns auch, für Waisenkinder eine geeignete Unterkunft zu finden. Wir suchen immer auch Gebäude, in denen eine Einrichtung dieser Art untergebracht werden kann. Daneben kümmern wir uns auch um die vergessenen Waldkinder von Nepal”, so Herbert Wachter dazu.
Die Grundschulausbildung wurde zwar ab 1975 zur Pflicht und ist kostenlos. Dennoch sind heute nur rund 89 Prozent der Kinder an einer Grundschule angemeldet und die Alphabetisierungsquote liegt bei etwa 57 Prozent. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist ebenfalls von Bedeutung. Kathmandu und die unmittelbare Umgebung haben im Bildungsbereich einen enormen Vorsprung gegenüber dem Landesdurchschnitt. Umso wichtiger ist es, in den Bergdörfern und Landregionen anzusetzen und dort an einer Verbesserung der Bedingungen mitzuhelfen.

20 Jacken. „Wir haben noch einen ganz besonderen ,Spendenschatz’ mit im Gepäck“, erzählt Herbert Wachter abschließend. „Meine 96-jährige Mutter hat 20 Kinderjacken gestrickt, die wir mit nach Nepal nehmen und die dort bestimmt große Freude bereiten werden“, freut er sich ganz besonders darüber.
Im Namen seines Sohnes Daniel und seiner Gleichgesinnten, Marion und Thomas Möbius, bedankt sich Herbert Wachter an dieser Stelle bei den Firmen Linzgieseder, Speckbacher, Tyrolia, Sport Paulweber, Bouvier und allen, die mit Geld- oder Sachspenden die Initiative „Vergessene Kinder Nepal“ unterstützen.

Die etwas andere Spendenbox. Im Büro der RUNDSCHAU in Reutte ist eine „Woll-Sammelbox“ aufgestellt. Hier können Wollreste oder übrig gebliebene Wollknäuel abgegeben werden, mit denen die Mutter von Herbert Wachter dann wieder für die Kinder von Nepal stricken möchte.

Wo. RUNDSCHAU-Büro, FMZ Lechpark, Lindenstraße 35.