„Das ist einmalig“

Engelbert Stenico im Herbst 2007 in der noch zu sanierenden Wohnung, die seit März 2008 Frauen mit Kindern als Notfallwohnung zur Verfügung steht. RS-Foto: Archiv

Landecker Notfallwohnung besteht seit neun Jahren – Überlegungen über deren Zukunft

 

Die Notfallwohnung in Landeck besteht seit mehr als neun Jahren – sie ist immer wieder belegt und daher auch notwendig. Da sie sich in einem Haus befindet, das veräußert werden dürfte, sind nun Überlegungen anzustellen.

 

Von Daniel Haueis

 

Laut Bezirkspolizeikommando ist die Zahl der Wegweisungen in Landeck recht konstant: Im Jahr 2015 z.B. waren es 20, 2016 dann 18 – also stets so um die 20 Mal pro Jahr wird ein Mann im Bezirk von der Polizei aus der Wohnung weggewiesen (und meist auch mit einem Betretungsverbot belegt), um Partnerin und, wenn vorhanden, auch Kinder zu schützen. Zieht die Frau die Konsequenzen, muss sie schauen, wo sie bleibt. „Seit Jahren fordern wir den Neubau des autonomen Frauenhauses, der laut Versprechungen der LandespolitikerInnen längst umgesetzt sein sollte“, stellen etwa Selma Yildirim, Landesfrauenvorsitzende der SPÖ, und Gisela Wurm, Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin der SPÖ. Das Land sei bei Frauenhausplätzen säumig, Schutzeinrichtungen fehlten insbesondere im Oberland, sagen die beiden Politikerinnen.

 

NOTFALLWOHNUNG. In Landeck aber gibt es seit 14. März 2008 eine sogenannte Notfallwohnung – Projektpartner sind die Stadtgemeinde, die Bezirkshauptmannschaft und die Caritas. Es sind rund 60 Quadratmeter, die zur Verfügung stehen, wenn – wie es in Landeck bereits der Fall war – z.B. die eigene Wohnung ein Raub der Flammen wird. Aber meist sind es männlicher Gewalt ausgesetzte Frauen mit Kindern, die eine Unterkunft benötigen. Es ist Miete zu bezahlen, wobei diese mitunter über die Mindestsicherung beglichen wird. Vergeben wird die Wohnung, für die die BH und die Stadtgemeinde einen Schlüssel besitzen, von der BH-Abteilung Kinder- und Jugendhilfe oder eben dem Stadtamt. Die Frauen und ihre Kinder werden auch betreut: Caritas, Heilpädagogische Familien oder Ambulante Familienarbeit beraten die Mama-Kind-Familien, die bis zu einem halben Jahr in der Wohnung bleiben können, zukunftsgerichtet, weiß Cornelia Weinseisen, Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe der BH Landeck. Nachgefragt wird die Wohnung meist von Landeckerinnen, ab und zu auch von Frauen aus Umlandgemeinden oder den Tälern. „Diese eine Wohnung genügt derzeit“, sagt Weinseisen, und sie ist auch nötig: Sie ist rund zwei Drittel des Jahres belegt. Weinseisen: „Ich muss die Gemeinde fest loben, das ist einmalig. Die Wohnung bleibt wirklich frei und wird nicht von der Stadt anderweitig vergeben.“ Das vom damaligen Bürgermeister Engelbert Stenico initiierte Projekt (es war ein Ergebnis des Sozialleitbild-Prozesses) wird also auch unter Bgm. Wolfgang Jörg fortgeführt. „Da werden wir schon beneidet“, sagt Cornelia Weinseisen und verweist auf Anfragen sogar aus anderen Tiroler Bezirken.

 

ÜBERLEGUNGEN NÖTIG. Die Caritas hat zum Start der Notfallwohnung einiges an (Geld-)Leistungen erbracht, etwa einen Investitionskostenbeitrag von 6.000 Euro und Startkapital in Höhe von 4.000 Euro. „Für die Gewährung dieser Leistungen gilt eine Bestandsdauer der Notfallwohnung von 10 Jahren als vereinbart“, heißt es in der im März 2008 abgeschlossenen Vereinbarung – die Notfallwohnung sollte demnach also mindestens bis März 2018 zu bestehen. Und sie befindet sich tatsächlich in einem Haus, das veräußert werden soll. Bgm. Wolfgang Jörg (er lobt die Kooperation mit der Bezirkshauptmannschaft als „hervorragend“) will sich angesichts der nunmehrigen Situation einbringen und eine „vernünftige Lösung“ finden. Die Stadtgemeinde und speziell der Wohnungsausschuss müssten Überlegungen anstellen – denn der Stadtchef bestätigt Nachfrage und Nutzen: „Die Notfallwohnung wird immer wieder in Anspruch genommen … Sie ‚funktioniert‘ gut.“

Cornelia Weinseisen: „Da werden wir schon beneidet.“ RS-Foto: Archiv
Bgm. Wolfgang Jörg: eine „vernünftige Lösung“ finden RS-Foto: Archiv