Deutliches Ja für Kurz, leises Nein für Olympia

Ein illustres Trio: Wahlsieger Sebastian Kurz, RUNDSCHAU-Herausgeber und -Chefredakteur Kurt Egger und Landeshauptmann Günther Platter. RS-Foto: Archiv

Volkspartei unter Sebastian Kurz wird stimmenstärkste Partei – knappes Ergebnis bei Olympia-Volksbefragung

In Windeseile wurden am Sonntagabend nach dem Schließen der Wahllokale die ersten Kreuzchen der Österreicher ausgezählt. Mit dem endgültigen Ergebnis inklusive Wahlkarten darf zwar erst am Donnerstag (nach Redaktionsschluss) gerechnet werden, in den ersten Hochrechnungen geht aber die Volkspartei mit Spitzenkandidat Sebastian Kurz als klarer Wahlsieger hervor. Denkbar knapp gestaltete sich währenddessen die Volksbefragung über eine mögliche Tiroler Bewerbung als Austragungsort der Olympischen Winterspiele und Paralympics im Jahr 2026.

Von Manuel Matt

„Haben wir offenbar ganz gut gemacht“, meinte der Tiroler ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf recht unaufgeregt im Gespräch mit der RUNDSCHAU nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen. Tirol bleibe mit diesem Ergebnis zugleich das stärkste ÖVP-Bundesland. Die beachtlichen Zugewinne in Österreich (+7,6 Prozent), Tirol (+6,28 Prozent) und auch im Bezirk Imst (+4,87 Prozent) führt Wolf zum größten Teil auf Spitzenkandidat und ÖVP-Chef Sebastian Kurz und dessen „Wunsch nach Veränderung“ zurück, der scheinbar auch in den Herzen der Wähler Anklang zu finden wusste. Einen „kleinen Wermutstropfen“ sieht Wolf im starken Abschneiden der Freiheitlichen – „Der Wähler hat aber natürlich immer recht. Wir haben die FPÖ einfach nicht so stark eingeschätzt“, gibt der Klub-
obmann zu Protokoll. Auch wenn bei den Ergebnissen eine Koalition zwischen ÖVP und FPÖ naheliegend scheint, sei noch abzuwarten: „Wer mit wem eine Koalition bildet, ist noch völlig offen“, betont Wolf.

Des einen Freud’…

Auch in den anderen Lagern darf man sich über Zugewinne freuen. Das größte Plus im Bezirk verbuchen die Freiheitlichen mit 8,27 Prozent, wenngleich es auch auf Landes- (+6,83 Prozent) und Bundesebene (+5,5 Prozent) ähnlich rosig aussieht. Die Sozialdemokraten steigern sich im Bezirk um 0,63 Prozent, bleiben aber wie auch 2013 hinter der FPÖ auf dem dritten Platz. Das Ergebnis auf Tirol-Ebene ist ein gesundes Plus von 2,38 Prozent, während das bundesweite Ergebnis beinahe wie bei der letzten Nationalratswahl ausfiel. Erste Hochrechnungen am Sonntag platzierten die Sozialdemokraten auch auf Bundesebene hinter den Freiheitlichen, während montags ein hauchdünner Vorsprung von 0,9 Prozent aufschien. Auch die Neos steigern sich in Imst von 3,94 (2013) auf 5,42 Prozent – dieses Plus von 1,48 Prozent darf angesichts der Ergebnisse in Tirol (+0,49 Prozent) und in ganz Österreich (+0,1 Prozent) wohl durchaus als überdurchschnittlich angesehen werden.

 

…ist des anderen Leid.

Alles andere als in Feierlaune dürften am Sonntag die Grünen gewesen sein, die mit mageren 3,32 Prozent (-9,1 Prozent) auf Bundesebene um den Wiedereinzug in das Parlament bangen müssen. Eine leichte Hoffnung mag zwar bestehen, ist die grüne Fraktion doch traditionell der Platzhirsch bei den erst später ausgezählten Briefwählern, unter Experten gilt ein grünes Wunder aber als recht unwahrscheinlich. Die Ohrfeige hallte auch im Bezirk mit einem Minus von 9,29 Prozent ähnlich desaströs wider, während auf Tiroler Ebene ein Rückgang von 11,34 Prozent auch in Hinblick auf die nahende Landtagswahl am 25. Februar 2018 wohl wie ein Stein im Magen liegt. Mit einem Teil der verlorenen Stimmen dürfte vermutlich die abtrünnige Liste Pilz durchgebrannt sein, die sich nach ihrer Wahl-Premiere mit bundesweiten 4,1 Prozent auf einige Plätzchen im Parlament freuen dürfen. Auch in Tirol (3,59 Prozent) und Imst (2,88 Prozent) ist das Abschneiden beachtlich. Wenig Anklang fand die Liste des Aufdeckers hingegen in Sankt Leonhard, wo lediglich 0,85 Prozent eingefahren werden konnten.

Lieber doch nicht.

Außerordentlich spannend gestalteten sich auch die Ergebnisse der Volksbefragung für eine mögliche Tiroler Bewerbung als Olympia-Austragungsort. Sagten erste Hochrechnungen noch eine knappe Mehrheit für die Bewerbung voraus, drehte sich nur wenige Stunden danach das Ergebnis. Die Antwort auf die Frage „Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?“ wurde im Tirol-Schnitt zu 53,35 Prozent mit Nein beantwortet. Besonders deutlich zeigte sich die Abneigung in der Landeshauptstadt mit 67,41 Prozent, aber erstaunlicherweise auch in Rietz (61,32 Prozent). Bejahende Gegenpole finden sich in Sölden mit 69,76 Prozent an Ja-Stimmen, was im Bezirk lediglich Sankt Leonhard (74,12 Prozent) übertrifft. Recht unentschlossen wirkte Tarrenz mit 50,16 Prozent an Ja-Stimmen.

Kleines Detail am Rande:

Wie es zwar inoffiziell, jedoch aus gut informierten Kreisen heißt, konnte der Oberländer VP-Kandidat Dominik Schrott rund 4600 Vorzugsstimmen erzielen und wird somit voraussichtlich in den Nationalrat einziehen. Mehr dazu lesen Sie in der nächsten Ausgabe der RUNDSCHAU.

Wer mit wem eine Koalition bilde, sei noch völlig offen, erklärt der Tiroler VP-Klubobmann Jakob Wolf. Foto: ÖVP
Kommentar

Schöne Statisten, schöne Schauräume, schöne Sager – die Lektionen der Werbewirtschaft scheinen in der österreichischen Politik angekommen zu sein. Statt öden Wahlprogrammen informieren zumeist bildreiche Hochglanz-Broschüren über das politische Angebot, während starke Ansagen mit unseren Gefühlen spielen, Lobeshymnen unserem kollektiven Selbstbild schmeicheln und Skandale unseren Zorn anfachen. Ein Wahlkampf, wie wir ihn in seinem spektakulären Wesen verabscheuen und doch insgeheim lieben. Ein Wahlkampf, der wie eine Werbung für Damenhygieneprodukte daherkommt – erstaunlich saugstark, aber doch blutleer. Verkauft wird ein neues Lebensgefühl, eine neue Ära, denn mit den ohnehin grauslichen Details lässt sich kein Staat machen. Das zeigt sich etwa beim Thema Migration, wo auf allen Seiten Klischees und Strohmänner Hochkonjunktur feiern und die betroffenen Menschen in den Hintergrund treten. Beliebt bleiben überhaupt die altbekannten Häfen in den Weiten unserer urzeitlichen Seele – der drohende Verlust des gewohnten Komforts, die Furcht vor den einfallenden Horden und die Sehnsucht nach einem Schutzwall gegen die hereinbrechende Nacht. Die Heilsversprechungen wirken, setzen uns in Bewegung, lassen uns Farbe bekennen, für Tampon oder Damenbinde – denn es braucht Veränderung, wohin die Reise auch gehen mag,  denkt Manuel Matt

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.