Die blauen Reiter

Liebe Freunde von Zucht und Ordnung!

Unsere neue Mitte-Rechts-Regierung setzt jetzt zackigen Schrittes um, was sie dem Volk versprochen hat. Während die Türkisen in erster Linie ihren jungen Kanzler weltweit zur Schau stellen, machen die Blauen im Staat den Kehraus. Härtere Gesetze und schärfere Bestimmungen sollen für mehr Sicherheit sorgen. Dabei geht es um staatstragende Probleme wie den Voyeurismus bei Unfällen. Gaffer sollen in Zukunft bestraft werden. Wer Ersthelfern bei Unfällen im Wege steht, dem droht Ungemach. Der neue Innenminister will jetzt eine berittene Polizei. Hoch zu Ross sollen Uniformierte demnächst die Bevölkerung einschüchtern und die Kriminalität schon im Keim ersticken. Das Projekt ist interessant und schafft Arbeitsplätze. Es wird Stallknechte brauchen. Auch der fast ausgestorbene Beruf des Sattlers wird eine viel beachtete Renaissance feiern. So wie die Produktionsstätten von Reiterstiefeln. Und die Getreidebauern können ihre Äcker noch fruchtbringender bestellen – denn wir werden Hafer brauchen! Unsere schmissigen Burschen, ausgebildet in den Kaderschmieden strammer Verbindungen, wissen, was die Bürger gerne hören und sehen. Die Raucher sollen weiter in den Lokalen paffen dürfen. Und den Autofahrern wird verheißen, dass sie wieder schneller fahren dürfen. Überhaupt scheinen die Pferdestärken die Freiheitlichen regelrecht zu erotisieren. Die zugkräftigen Lokomotiven der ÖBB haben es ihnen besonders angetan. Die dortigen Spitzenpositionen in den Aufsichtsräten und Vorständen sind jetzt blau. Der Verdacht, es handle sich hier um Freunderlwirtschaft, wird mit einem einleuchtenden Argument widerlegt. Der Hofer schart sich halt Vertraute um sich – weil Vertrauen fast so gut ist wie Kontrolle!

Auch in der Bildung ist jetzt Schluss mit lustig. Schulschwänzer werden beinhart bestraft. Mit bis zu 400 Euro Bußgeld. Wer das in Zukunft exekutiert? Vielleicht der berittene Schulwart!

Meinhard Eiter


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