Die inneren Werte

Liebe Freunde der unfallfreien Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht!

Das Jahr 2017 war in Sachen Liebesanbahnung bahnbrechend. Die weltweite Kampagne über den Hashtag #MeToo hat aufgedeckt und aufgeschreckt. Frauen prangerten in einer nie zuvor dagewesenen Dimension sexuelle Gewalt an. Das zog breite Kreise – von den Schönen und Reichen in Hollywood bis hin zu den Schulen und Trainingsstätten der hiesigen Skifahrerinnen. Erstmals wurden die sozialen Netzwerke nicht für voyeuristischen Schmutz, sondern für eine Schutzkampagne genutzt. Das heißt: Twitter, Facebook & Co. können auch nützlich eingesetzt werden.

So weit, so gut. Doch es blieb auch Unbehagen. Junge Männer, die sich künftig auf die Suche nach Partnerinnen begeben, müssen vorsichtig sein. Ein falsches Wort am falschen Ort. Ein Blick in die falsche Richtung. Und schon droht die Gefahr als Macho des alten Strickmusters abgestempelt zu werden. Umgekehrt ist auch Mädchen und Frauen anzuraten, mit optischen Reizen zu geizen. Die hohen Schuhe, die kurzen Röcke, die gewagten Ausschnitte – all das kann moralisch wie gesetzlich als Anstiftung zum zwischenmenschlichen Fehlverhalten führen.

Was also tun? Die Totalverhüllung ist ja mittlerweile hierzulande auch bereits gesetzlich verboten. Zipfelmütze statt Burka als Liebestöter? Das ist eher sinnlose Provokation. Doch ganz ernsthaft: Sollen Männer wieder Kavaliere werden? Den Mantel abnehmen, die Tür aufhalten und sich – vor allem – beim Sprechen zurückhalten? Den Versuch wäre es wert. Ich persönlich bin froh, dass ich nicht mehr suchen muss. Hätte aber eine Idee. Letztlich geht es doch nicht ums Äußere. Was zählt, sind die inneren Werte. Im Klartext ändern sich nur die Erstanreden beim Flirt. Statt einem frechen „Hallo Süße!“ hieße der Text: „Meine Liebe, darf ich dir mein Blutbild zeigen?“

Was uns Schreibern neue Chancen böte. Mein Buch „Leberwerte zum Verlieben“ könnte ein Bestseller werden.

Meinhard Eiter


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