Die Therapie der Worte

Dorle Zobl RS-Foto: Pircher

Lyrikerin Dorle Zobl aus Landeck

 

Eine schwere Erkrankung war der Grund dafür, dass die Landeckerin Dorle Zobl mit ihren lyrischen Werken an die -Öffentlichkeit ging.

 

Von Luis Pircher

 

Zobl ist in Landeck mit ihren beiden Brüdern aufgewachsen, beschäftigt war die alleinerziehende Mutter eines erwachsenen Sohnes zuletzt beim Magistrat der Stadt Innsbruck. Schon seit ihrer Schulzeit drückte Zobl ihre Empfindungen und Gefühle in geschriebenen Worten aus. Sie verfasste Kurzgeschichten, Gedichte oder aber auch Tagebucheintragungen, die jedoch im Verborgenen blieben. Nach überstandener Krankheit im Jahr 2007 wurde ihr Wunsch immer größer, ihre Werke einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen.

 

ERMUTIGUNG. Ihre Tante Gertrude Schrott ermutigte sie auf ihrem Weg und stellte auch den Kontakt zu Annemarie Regensburger und dem „Wortraum Imst“ her. Schreibwerkstätten halfen ihr einen ganz besonderen Schreibstil zu entwickeln. Die Lyrik ist jene literarische Gattung, die ihr erlaubt, sich den Mitmenschen mitzuteilen. Lesungen bei der „Kunststraße Imst“ oder bei Vernissagen im „Kårrnerwaldele“ sind gute Gelegenheiten mit ihren Gedanken an die Öffentlichkeit zu treten. Ihre Texte schreibt Zobl nur selten in Mundart, sie drücke sich leichter und exakter in Hochdeutsch aus, meint sie. Ein großer Wunsch ist, einen historischen Roman zu schreiben. Verschiedene historische Frauenfiguren schweben ihr vor. Sie habe sich jedoch noch nicht auf eine bestimmte festlegen mögen. Als nächstes Projekt will sie jedoch über ihre Großmutter väterlicherseits forschen, die in den Kriegsjahren in Oberösterreich tragisch ums Leben kam.

 

„REIFES KORN KEIMT AUFS NEUE“. Bernd Fetzer, vielen Landeckern vom wöchentlichen Frischemarkt bekannt, trat an den „Wortraum Imst“ heran und bat die neun Schriftstellerinnen neun ausgewählte Psalmen neu zu interpretieren und in ihre persönliche Sprache zu übersetzen. Fetzer fand, die poetische Sprache der Bibel bliebe vielen Menschen verschlossen, er wollte die Psalmen jedoch vielen Menschen zugänglich machen. Auch Zobl nahm sich jener neun Psalmen, aber auch je eines Texts aus den Büchern Hiob und Jeremias an. Es galt, die biblischen Texte mit den Erfahrungen, aber auch den Bedürfnissen der eigenen Lebenswelt in Übereinstimmung zu bringen. Ihre Interpretation, wie auch jene ihrer Schriftstellerkolleginnen, lassen sich nun in dem Buch „Reifes Korn keimt aufs Neue“ nachlesen. Das Buch ist im Buchhandel um 14,90 Euro erhältlich. Für Zobl war es eine wunderbare Erfahrung, bei diesem Buch mitarbeiten zu dürfen. Sie fühlt sich durch die Zusammenarbeit mit ihren Schriftstellerkolleginnen gestärkt und ermutigt.

 

 

Letzte Chance

Du sagst du willst eine letzte Chance

dich zu ändern

mir zu beweisen

dass du es könntest

wenn du es wolltest

kann ich dir glauben?

Wie viele letzte Chancen

willst du denn noch haben

am Ende bin es ich

die sich verändern müsste

um dir zu beweisen

dass ich es könnte

wenn ich es wollte

doch will ich das überhaupt?

ich glaube

ich werde mir diese letzte Chance ersparen

 

Dorle Zobl

 

 

Du hast dich verändert – sagt er,

hoffentlich zum besseren – antworte ich

nicht unbedingt – meint er

Ich lächle

früher war es einfacher mit dir – sagt er

ich lächle immer noch

doch das lächeln wird mühsamer

du warst so voll leben – sagt er

heute hat mich das leben eingeholt

das lächeln ist aufgesetzt

 

Dorle Zobl

 

 

Nie hätte sie erwartet

dass IHR das passiert

eigentlich geschieht das

immer nur den anderen

der Nachbarin die auch im Sommer

in Langarm geht und abends Sonnenbrille trägt

der Freundin des Prolos im Haus gegenüber

der sie immer niederbrüllt

und anscheinend nur den Hund liebt

oder den Kindern aus der Nebenstrasse

die schon zusammenzucken

wenn nur ein Auto hupt

Aber IHR?

Der Frau des Professors?

Morgen wird SIE auch die Sonnenbrille tragen …

 

Dorle Zobl

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.