Doch getrennte Wege

Das Ringen um eine Genehmigung für ein Kraftwerk an der Trisanna im Paznaun geht weiter. RS-Foto: Tiefenbacher

Es gibt kein „gemeinsames“ Kraftwerk an der Trisanna, somit wird der Widerstreit wohl weiter fortgesetzt werden

 

Die Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH, die aus den vier Paznauner Gemeinden und den Gebrüdern Kofler besteht, und das Kraftwerksgespann Donau Chemie-Gebrüder Haider gehen beim Kraftwerk an der Trisanna nun doch getrennte Wege.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Seit fast sechs Jahren geht nun das Ringen um eine Genehmigung für ein Kraftwerk an der Trisanna im Paznaun. Es kam zu einem Widerstreitverfahren, bei dem das Landesverwaltungsgericht in Innsbruck (2. Instanz) zu entscheiden hat, welches Projekt zum Zug kommt. Insbesondere die Unternehmensgruppe Gebrüder Haider aus Oberöster-reich nutzte die rechtlichen Möglichkeiten und zögerte das Verfahren mit der Einreichung von modifizierten Projekten hinaus. Mittlerweile sind fast ein Dutzend Projekte im Rennen. Das letzte wurde im Frühjahr 2016 eingereicht: Es ist dies ein gemeinsames Projekt von der Unternehmensgruppe Haider und der Donau Chemie. Um dem Ganzen ein Ende zu setzen, versuchte der Geschäftsführer der Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH Bgm. Anton Mattle im Verhandlungsweg mit den Gebrüdern Haider und der Donau Chemie eine gemeinsame Lösung zustande zu bringen, die so aussehen sollte: den Widerstreit beilegen und ein gemeinsames Kraftwerk bauen.

 

GROSSE VARIAnTE IST WIRTSCHAFTLICHER. Die Verhandlungen begannen sehr erfolgversprechend, aber es gibt nun doch keinen gemeinsamen Weg, und das deshalb: In der Generalversammlung der Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH wurde eine Abstimmung über die Varianten abgehalten, die eine 100-prozentige Zustimmung für die große Variante ergab. „Mittel- und langfristig ist die große Variante aus wirtschaftlicher Sicht interessanter als die kleine“, so Mattle. Es gebe noch einen Grund, der für die große Variante spreche. Mattle: „Wird die kleine Variante realisiert, ist die große nicht mehr machbar.“ Die Gebrüder Haider und die Donau Chemie sind allerdings nur an der kleinen Variante interessiert. Die kleine Variante würde das Gebiet von der Seeberbrücke (Wasserfassung) bis zur Sperre der Donau Chemie (Kraftwerk) umfassen. Bei der großen Variante wäre die Wasserfassung zwischen den Seer Weilern Platz und Habigen. Das Krafthaus solle ebenfalls vor der Sperre der Donau Chemie errichtet werden. Die Auswahl einer Variante war für die Paznauner Gemeinderäte keine leichte Entscheidung, das zeigten die durchaus kontrover-siellen Diskussionen in den einzelnen Gemeindestuben. Der Ischgler Gemeinderat z.B. sprach sich für die „kleine Variante“ aus.

 

GUTE CHANCEN. Die Entscheidung der Generalversammlung bedeutet nun praktisch, dass es nicht zur Beendigung des Widerstreits kommt, somit wird das Landesverwaltungsgericht das Verfahren fortführen und entscheiden, welches Projekt realisiert werden kann. „Man kann natürlich nicht sagen, wie diese Entscheidung ausfallen wird. Aber wir rechnen uns gute Chancen aus“, erklärte Mattle und führte die Gründe näher aus: „Unser Projekt, die große Variante, ist nicht UVP-pflichtig und ist bei den energiewirtschaftlichen Kriterien im Vergleich zur kleinen Variante besser. Mit dem vorhandenen Wasser kann eine größere Menge Strom erzeugt werden.“

 

KLEINE VARIANTE WIRTSCHAFTLICHER. Ing. Reinhard Haider, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Gebrüder Haider, zeigte sich einigermaßen erstaunt: „Jetzt haben wir uns ein paar Monate um einen Kompromiss bemüht. Leider ist die Mühe umsonst gewesen. Aber das müssen die Gemeinden selber wissen, wie sie weiter vorgehen möchten. Jedenfalls riskieren sie einiges. Im Widerstreit gibt es 100 Prozent oder gar nichts, denn nur eine Partei gewinnt“, meinte Haider und fügte hinzu, dass die kleine Variante wesentlich wirtschaftlicher ist als die große. Wie die Unternehmensgruppe Gebrüder Haider weiter vorgehen werde, wisse er noch nicht. Kurt Pachinger, Werksleiter der Donau Chemie, findet es schade, dass die Generalversammlung des Gemeinschaftskraftswerks Paznaun das so entschieden hat. Die Donau Chemie werde sich an der großen Variante nicht beteiligen, weil sie weder wirtschaftlich noch umsetzbar (bewohntes Gebiet) sei. „Für uns kommt nur die kleine Variante in Frage und diese werden wir versuchen mit der Unternehmensgruppe Gebrüder Haider weiter zu verfolgen“, sagte Pachinger.

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