Drastische Einbußen

Die Marillenbäume von Gerhard Maass in Prutz sind von den Frostschäden arg betroffen. RS-Foto: Tiefenbacher

Rundruf unter den maßgeblichen Obstbauern der Region

 

Auch die Obstbauern im Bezirk Landeck erwarten heuer aufgrund der Frostnächte von vorvergangener Woche dras-tische Ernteeinbußen, wie ein Rundruf unter den maßgeblichen Obstbauern der Region zeigt.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Das Fazit von Marillenbauer Gerhard Maass in Prutz zeigt die Schäden in ihrem Ausmaß auf: „Der Ernteausfall wird heuer insgesamt bis zu 90 Prozent betragen. Mehr wird nicht übrig bleiben“, schätzt Maass. In seiner Erwerbsanlage stehen 1000 Apfelbäume, 300 Kirschbäume, 200 Spenlingbäume sowie einige Birnen- und Zwetschkenbäume. 12000 Marillenbäume prägen seit 15 Jahren als Hauptsorte die Anlage von Maass. Sie wurden mittlerweile so etwas wie ein Markenzeichen des „Turabauern“. In einem „normalen“ Jahr beträgt die Erntemenge 70 bis 80 Tonnen Marillen. Maass versuchte seine Obstbäume durch Beregnung vor Frost zu schützen und dadurch spätere Ernteausfälle zu reduzieren. Die Maßnahme brachte nicht ganz den erhofften Nutzen. Ein besonderes Problem stellte in der Nacht vom 20. auf 21. April neben den in Prutz gemessenen 6,6 Kältegraden der Nordwind dar, der das Wasser irgendwohin trieb. Dadurch kam der Schutzeffekt nicht im gewünschten Ausmaß zustande. Versichert gegen Frostschäden ist Maass nicht. Er ist ein Wagnis eingegangen, da eine Frostschutzversicherung eine kos-tenintensive Maßnahme darstellt. „Wer rechnet schon zwei Jahre hintereinander mit solchen Wetterkapriolen“, so der Turabauer. Aufgeben ist nicht seine Natur. Maass: „Ich werde weitermachen. Es wird schon wieder ein besseres Jahr kommen. Ich kann zufrieden sein, dass nur die Ernteerträge stark dezimiert werden. Die Bäume selbst haben ja diesen Frost schadenfrei überstanden.“

 

KOSTENDECKUNG UNMÖGLICH. Auch die Anlage des Obstproduzenten Heinz Kofler, Nachbar von Gerhard Maass, hat es erwischt. Seine erste Schadensmeldung würde so lauten: Der Frost schädigte die Blüten des Steinobstes und die des Kernobstes, die bereits ganz offen oder im Ballon-Stadium waren, massiv. Beim Steinobst ist mit einer Minderernte von 90 bis 100 Prozent zu rechnen. Beim Kernobst ist zu hoffen, dass ein gewisser Teil der Birnen- und Apfelernte gerettet werden konnte. Das Ausmaß des Schadens ist aber noch nicht abschätzbar. Eines lässt sich aber jetzt schon sagen: Die Obstbauern werden die Ernteausfälle auf jeden Fall zu spüren bekommen. Kofler: „Sie werden so groß sein, dass sie für die Obstbauern eine mittlere bis größere Katastrophe bedeuten. Das geht an die Substanz der Betriebe, die davon leben müssen. Und mit den landwirtschaftlichen Nebeneinkommen ist es vorbei. Unterm Strich wird nur hineingebuttert. Eine Kos-tendeckung ist unmöglich.“

 

80 PROZENT AUSFALL. Ähnlich wie in Prutz sieht es in Stanz aus. Der Bauer am Giggus-Hof Stefan Nothdurfter schätzt, dass der Ernteausfall bis zu 80 Prozent sein wird. Das genaue Schadensausmaß werde erst in zwei bis drei Wochen bei der Nachblüte zu ermessen sein. „Dann wird man sehen, wie viel überlebt hat. Jetzt ist das mit freiem Auge nicht zu erkennen“, erklärt Nothdurfter. In Stanz versuchte man mit Räuchern die Blüten zu schützen. Eine Frostberegnung ist nicht möglich. Nothdurfter: „Uns steht zu wenig Wasser dafür zur Verfügung.“ Beim Räuchern war der Nordwind ein Problem. Positiv anzumerken ist, dass die Bevölkerung beim Räuchern sehr eifrig mithalf. Die Ernte liegt in Stanz in einem „normalen“ Jahr bei 300 Tonnen Zwetschken. „Falls es eine Ernte gibt, werden zuerst unsere wichtigsten Partner versorgt“, betont Nothdurfter. Man kann in Stanz wohl von Glück im Unglück sprechen. „Die größeren Betriebe schlossen heuer erstmals eine Frostschutzversicherung ab“, weiß Stefan Nothdurfter. In Stanz gibt es 42 produzierende Betriebe.

 

HAUS- UND KLEINGARTENBESITZER. Der Bezirksobmann des Obst- und Gartenbauvereins Peter Stemmer führte an, dass nicht nur der Erwerbsobstbau, sondern auch die vielen Obstkulturen der Haus- und Kleingartenbesitzer im Bezirk Landeck vom Frost zum Teil schwer beschädigt wurden. „Da ist die ganze Arbeit und Mühe der Haus- und Kleingartenbesitzer mit einem Schlag zunichte gemacht worden“, so der Bezirksobmann. Laut Stemmer liegen beim Steinobst die Ernteausfälle zwischen 90 und 100 Prozent. So massiv sind die Schäden beim Kernobst nicht. Da ist mit Ausfällen von mindestens fünfzig Prozent zu rechnen. „Das genaue Ausmaß der Schäden wird sich erst bei der Nachblüte zeigen“, sagt Peter Stemmer.

Giggus-Bauer Stefan Nothdurfter zeigt, wie schlimm die empfindlichen Blüten auf den Zwetschkenbäumen in Stanz vom Kälteeinbruch erwischt worden sind. RS-Foto: Tiefenbacher
Auswirkungen des Frosts in Heinz Koflers Erwerbsobstanlage in Prutz: erfrorene Blätter, Blüten und auch Triebe RS-Foto: Tiefenbacher

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