Ein Bürgermeister kommt selten allein

Die „Alten“ Josef Frank und Walter Gitterle (v.l) beim Ahnenbeschwören.

Theaterbühne Arzl spielt Komödie

Ex-Bürgermeister Herbert Premstaller ist frustriert: Ausgerechnet seine Frau Lotte hat ihn vom Amtssessel gestoßen und die Wahl gegen ihn gewonnen. Seitdem sitzt der Abgewählte unterm Küchentisch und protestiert gegen die „Weiberherrschaft“. Und auch die Alten sind nicht glücklich über die Pläne von Frau Bürgermeister, denn diese will ein Altersheim errichten und die Alten dahinein abschieben. Das Stück zum Lachen mit einer Prise Gesellschaftskritik aus der Feder von Gernot Jäger wird noch drei Mal im Arzler Turnsaal gezeigt.

von Agnes Dorn

Das passt der neuen Bürgermeisterin (Ingeborg Trenker) so gar nicht, dass ihr Mann (Mario Lang) ausgerechnet jetzt seinen Protest unter dem Küchentisch ausleben muss. Denn bald wird Frau Schnüffel (Rebecca Trenkwalder) von der Behörde erwartet, um über die Förderung des geplanten Altersheims zu entscheiden. Doch nicht nur ihr Mann und ihre Tochter Veronika (Miriam Neururer) sind ihr in ihrem Bestreben keine Unterstützung, auch von ihren Schwiegereltern und den Eltern der Dorftratsche Dora ist nichts Gutes zu erwarten. Denn die Alten sehen nicht ein, dass sie einfach so „abgeschoben“ werden sollen und entwickeln einen Plan, um den Bau des Altersheims zu verhindern. Mit der Dorfchefin im Bunde sind dagegen die Sprengelärztin und Vizebürgermeisterin Alma Fuchshofer (Sabrina Stoll) und das Tratschweib Dora (Barbara Köll), die Lotte helfen, alle Hindernisse auf dem Weg zur Genehmigung der Förderung aus dem Weg zu räumen und dabei keineswegs zimperlich vorgehen. Da werden nicht nur medizinische Diagnosen gefälscht, sondern auch Identitäten. Denn als der angesagte Stargast Benni Raich zur geplanten Veranstaltung zu spät kommt, wird kurzerhand ein „Ausländer“ (Kewan Vali Paur) in den Skianzug gesteckt, der die Rolle des Skistars übernehmen soll.

Sachen zum Lachen.

Als „Komödie zum Totlachen“ wird das Stück aus der Feder von Gernot Jäger angepriesen und wirklich sind einige Szenen einfach zum Schießen: Wenn die beiden Alten (großartig: Walter Gitterle und Josef Frank) den Geist der Ahnen beschwören, um von ihm Beistand zu erbeten, kommen die Freunde des guten Humors allemal auf ihre Kosten. Vor allem als auch noch ihre beiden besseren Hälften (Ulrike Schwarz und Karin Neurauter überzeugen beide zutiefst in ihren Rollen) mitmischen wollen und Tratschweib Dora (Barbara Köll als eine, die man wirklich nicht im eigenen Dorf haben möchte) mit dem Herrn Ex-Bürgermeister anfängt zu debattieren, macht sich im Publikum eine gesunde Prise Schadenfreude breit. Die Theaterbühne Arzl, die im Frühjahr 2016 gegründet wurde, trifft mit dem heuer aufgeführten Stück beim Publikum voll ins Schwarze. Jäger wollte nach eigenen Angaben mit dem Bühnenwerk zwar die Botschaft transportieren, dass er gegen ein Abschieben der Alten sei, aber gegen Altersheime generell wollte er nicht auftreten, vielmehr auf einen achtsameren Umgang mit der älteren Generation hinweisen. Das ist ihm mit dem Stück allemal gelungen, auch dank der tollen schauspielerischen Leistung des gesamten Ensembles. Vorstellungen gibt es noch am Freitag, dem 19. Mai, am Samstag, dem 20. Mai, jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, dem 28. Mai, um 15 Uhr.

Aus Protest gegen die Weiberherrschaft von Dora, Lotte und Alma (v.l.) geht Herbert untern Küchentisch. RS-Fotos: Dorn
Regisseur Gernot Jäger bedankt sich speziell bei Kewan Vali Paur (l.) für die Mitarbeit.