Ein deutliches Minus

Alexander von der Thannen: „Auch der Blick auf die zweite Saisonhälfte stimmt nicht unbedingt euphorisch.“ Foto: Die Fotografen

Zahl der Nächtigungen auch im Bezirk gesunken

 

Ein knapp 5-prozentiges Nächtigungsminus muss der Bezirk Landeck in der ersten Winterhälfte hinnehmen. Die Aussichten auf die zweite sind auch nicht viel besser.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Wintersaison 2016/17 ist touristisch keine einfache: Zur Halbzeit gibt es in Tirol im Vergleich zum Vorjahr Rückgänge bei den Übernachtungen um rund 400000 (–3,7%) auf 10,7 Millionen. Das Bezirksergebnis für November bis Jänner: knapp 2,3 Millionen Nächtigungen, das ist ein Minus von 4,7 Prozentpunkten oder 110000 Nächtigungen weniger. Der Saisonstart (November) war mit +5,3% für den Bezirk Landeck sehr gut. Der Dezember bescherte hingegen ein Minus von 11,1%. Im Jänner konnte das hohe Nächtigungsniveau des Vorjahres nahezu gehalten werden (1,4 Mio. Nächtigungen; –0,3%). Die Zahl der Ankünfte haben in diesem Zeitraum um 5,4% auf 500000 abgenommen, 30000 Gäste fehlen auf die Halbzeit-Bilanz des Vorjahres. Weniger Gäste kamen aus Deutschland (6,5%), den Niederlanden (2,3%), Großbritannien (8,3%) sowie Österreich (6,2%); Nächtigungszuwächse wurden aus der Schweiz (1,5%), Polen (14%), Dänemark (4,6%), den USA (20,6%) und Israel (23,8%) verzeichnet. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt konstant bei 4,8 Tagen. Im Bezirk muss Ischgl mit 545000 Nächtigungen bisher ein Minus von 2,6 Prozentpunkten hinnehmen, St. Anton mit 381000 Übernachtungen erreicht mit minus 1,6% ein relativ gutes Ergebnis, Serfaus (274000 Nächtigungen) wiederum verzeichnet einen Rückgang von 7,7%. Fiss (227000; –10,1%) und Kappl (152000; –9,3%) sind vom Vorjahresergebnis noch weiter entfernt. Steigerungen gab es nur vereinzelt.

 

LAGE DER FEIERTAGE. „Mit einem Minus war insgesamt zu rechnen“, analysiert Alexander von der Thannen, Hotelier in Ischgl und Tourismussprecher für den Bezirk Landeck in der Wirtschaftskammer. Das Weihnachtsgeschäft war durch die Feiertagslage sehr verhalten. „Zum Saisonstart fehlten fünf Tage. Die Weihnachtsferien haben später begonnen. Fallen der Heilige Abend und Silvester auf einen Samstag, reisen viele Gäste natürlich nicht an. In der Nächtigungsbilanz schlägt sich das massiv zu Buche. Ein Tag weniger macht am Sonnenplateau ca. 15000 Nächtigungen weniger aus“, erklärt Josef Schirgi, Geschäftsführer des TVB Serfaus-Fiss-Ladis. Auch die Personalbeschaffung zu Saisonbeginn stellte sich als große Hürde heraus, fügt von der Thannen an: „Fehlende Köche zwangen einige Betriebe später aufzusperren.“ Auch die gestiegenen Preise seien ein möglicher Grund für die Gästeeinbußen, teilt die Wirtschaftskammer mit – bürokratische Aufwände, Lohnnebenkosten- und Mehrwertsteuererhöhung seien enorme Belastungen für die Betriebe. „Das wälzt sich auf die Zimmerpreise um“, so von der Thannen.

 

HOFFEN. „Auch der Blick auf die zweite Saisonhälfte stimmt nicht unbedingt euphorisch. Die Semesterferien sind gut gebucht und sorgen für volle Betten. Die Buchungslage für März und Ostern schaut jedoch alles andere als rosig aus. Wir hoffen auf Spontan-Bucher, Sonnenskifahrer und einen positiven Gäste-Endspurt“, sagt Alexander von der Thannen. Laut Josef Schirgi ist die Ferienkonstellation in Europa sehr ungünstig: Die bayerischen Winterferien überschneiden sich in der zweiten Februarhälfte mit den Krokusferien in Teilen der Niederlande sowie in Belgien: „Am Sonnenplateau würden wir in dieser Zeit 30000 Betten benötigen. Nicht jeder wird daher das gewünschte Zimmer bei uns bekommen.“ Der fehlende Schalttag am 29. Februar werde sich ebenso zu Buche schlagen, ein direkter Vergleich mit der Vorjahressaison sei somit nicht anzustellen. Und grundsätzlich meint der Tourismusexperte: „Der Wintertourismus steht insgesamt vor großen Herausforderungen. Es muss uns gelingen, Menschen in den Kernmärkten, aber auch in Österreich, wieder mehr für den Wintersport zu begeistern, insbesondere Kinder und Jugendliche.“ Mag. Otmar Ladner, WK-Bezirksstellenleiter und selbst begeisterter Skifahrer, ergänzt: „Urlaub ist immer ein Wettbewerb von Emotionen, Sehnsüchten und besonderen Erlebnissen. Der alpine Wintersport, speziell der Schneesport, hat hier unglaublich viel zu bieten. Bewegung in verschneiter Landschaft, frische Luft, Glücksgefühle durch das Schweben oder Carven auf perfekt präparierten Pisten und Hängen und Sonnenstunden am Berg – das ist eine unschlagbare Kombination, die es gilt zu verkaufen.“

Otmar Ladner: „Unschlagbare Kombination, die es gilt zu verkaufen.“ RS-Foto: Archiv

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