Ein Kampf zwischen Hoffnung und Bangen

Auf der Bühne spielten sich erschütternde Szenen ab. RS-Fotos: Claus

Die „Schwabenkinder“ fesselten das Publikum bei der Premiere auf der Geierwallybühne

Wie müssen nur die Eltern, und da besonders die Mütter, gelitten haben, als sie ihre Kinder in die Fremde schicken mussten! Bettelarm war das Lechtal mit seinen vielen Kindern. Für sie fehlte es am Nötigsten: weder ausreichendes Essen und Kleidung, von der Schulbildung ganz zu schweigen, denn sie musste aus Kostengründen eingespart werden, waren die Kinder doch in das tägliche Arbeitsleben eingespannt.

Sehr nachdrücklich wurde die unvorstellbare Armut unter der bäuerlichen Bevölkerung Anfang des letzten Jahrhunderts bei der Premiere des diesjährigen Theaterstücks „Schwabenkinder“ auf der Geierwally-Freilichtbühne im Elbigenalp in Erinnerungen gerufen. „Es geht schon unter die Haut, was hier früher bei uns mit den Kindern geschehen ist“, sagte Bürgermeister Markus Gerber. „Die Nerven aller sind angespannt und wir sind froh, dass es heute abend los geht“, so Bernhard Singer als Obmann der Geierwally-Freilichtbühne. Nach rund 50 Proben war das nachvollziehbar, dass die 29 SchauspielerInnen, darunter 14 Kinder, diesem Abend entgegenfieberten. Nach der Uraufführung 1996/97 und der Wiederaufnahme 2003/04 hatten es Regisseur Thomas Gassner und der künstlerische Leiter Bernhard Wolf auch bei der dritten Aufführung wieder verstanden, die Thematik des Stückes von Autorin Claudia Lang-Forcher zu aktualisieren und die verschiedenen Charaktere nicht nur wirkungsvoll, sondern auch überzeugend dem Publikum zu vermitteln. Erschütternde Situationen, der vergebliche Kampf des Lehrers für den Schulbesuch, die aufopfernde Liebe – aber auch Verzweiflung von Mutter Agnes, die verunsicherten Kinder in Erwartung des Abenteuers „Schwabenland“ – es war ein Kampf zwischen Hoffnung und Bangen, und das Publikum honorierte die Szenen immer wieder mit Applaus. Beeindruckend, wie die Kinder ihre Rollen wirklichkeitsnah lebten – abgeklärt wie Profis. Dabei stand ein Großteil von ihnen zum ersten Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Alles in allem wieder eine beeindruckende Inszenierung, bei der die „arrivierten“ SchauspielerInnen, zusammen mit den „Neuen“, wie „ein Team aus einem Guss“ harmonierten. Den nicht endenwollenden Applaus zum Abschluss hatte sich das Ensemble mehr als verdient, denn es hatte die schwierige Herausforderung, die das Stück an alle Mitwirkenden stellte, hervorragend gemeistert.
Weitere Aufführungen folgen am 21./22. und 28./29. Juli, am 4./5./6. August, am 11./12./13. August sowie am 18./19. und 25./26. August. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Weitere Informationen unter www.geierwally.at

Von Uwe Claus

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