Ein Landesrat fürs Glück

Liebe Freunde der Zufriedenheit!

Ausgerechnet an meinem Geburtstag beschenkte mich der Radiosender Ö3 mit einem einzigartigen Präsent. Als ich mit meinem Hund Richtung Wald fuhr, interviewte Claudia Stöckl in ihrer Sendung „Frühstück bei mir“ Ha Vinh Tho. Der Mann bekleidet ein außergewöhnliches Amt. Er ist Minister im Mönchsstaat Bhutan. Und sein Resort ist das Glück. Der 65-jährige gebürtige Vietnamese, der mit einer Österreicherin verheiratet ist und perfekt Deutsch spricht, ist Glücksminister!

Im Gegensatz zu anderen Nationen wird in Bhutan das Bruttonationalglück und nicht das Bruttoinlandsprodukt gemessen. Ha Vinh Tho bewirtschaftet quasi die Lebensqualität der zirka 800000 Bewohner des Kleinstaates. Das zwischen den zwei bevölkerungsstärksten Ländern China und Indien liegende Königreich misst den Erfolg nicht in Währungen und Realitäten. Der Frohsinn wird in den Mittelpunkt gestellt. Es zählen Faktoren wie die Frequenz des Lächelns im Vergleich zu traurigen Tagen. Oder die Anzahl der Freunde und Weggefährten.

Bhutan ist wie Tirol ein gebirgiges Land. Wir messen und beklagen täglich Probleme. Natur und Umwelt nehmen wir nicht als Segen, sondern als Sorgenzone war. Auch den Verkehr. Selbst die soziale Absicherung im Wohlfahrtsstaat sehen bei uns viele als Bedrohung. Und die Meldung, dass es wirtschaftlich aufwärts geht und sich der Arbeitsmarkt verbessert, nehmen wir zur Kenntnis. Statt Freude kommt Undank – verbunden mit dem Wunsch, das muss alles noch viel besser werden.

Nach dem 25. Februar wird es in Tirol eine neue Regierung geben. Egal ob Schwarz, Blau, Rot oder Grün – ich wünsche mir einen Landesrat fürs Glück. Gerne würde ich dort eine Fachabteilung leiten. Vielleicht das Ressort zur Bekämpfung von Seuchen wie Sumsen, Jammern und Nörgeln. Oder das Referat für Optimismus. Ich würde sparsam arbeiten. Bis auf die Reisekosten für die Auftakt-Exkursion nach Bhutan wäre ich billig zu haben.

Meinhard Eiter


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