Ein weiterer Mosaikstein

Das Architektenteam: DI Christian Kerber vom Bauplanungsbüro Georg Pfenniger und DI Andreas Pfenniger (r). RS-Foto: Tiefenbacher

Landeck gewinnt durch Begegnungszone an Attraktivität

 

In der inneren Malser Straße in Landeck wurde vorige Woche mit dem ersten Bauabschnitt der Begegnungszone begonnen. Die Umgestaltung soll am 22. Juni abgeschlossen sein.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Die Umgestaltung der inneren Malser Straße ist ein weiterer Mosaikstein im „Projekt Malser Straße“. Erste Überlegungen wurden 2005 dazu angestellt – unter dem Motto „Platz da“. Einer der Ideenträger war der damalige Gemeinderat Architekt Andreas Pfenniger. Insgesamt zeigte sich über inzwischen dreizehn Jahren, dass die erdachten und auch umgesetzten Maßnahmen wesentlich zur Steigerung der Attraktivität der Stadt als Einkaufs-, Kultur- und Wohnort beigetragen haben. Zu nennen sind hier das Projekt „Stadtplatz-Kino“ (aus dem ehemaligen Schandfleck „Vereinshaus“ ist ein Stadtplatz entstanden und das ehemalige Stadt-Kino wurde als Veranstaltungszentrum adaptiert), der Bau des Innparkplatzes mit der Innpromenade und die Umdrehung der Einbahn mit Errichtung eines neuen Busterminals. Die Einbahnumdrehung führte zu einer spürbaren Reduktion des Durchzugsverkehrs.

 

WEITERES PUZZELTEIL. Ein weiteres Puzzelteil zum „Projekt Malser Straße“ ist nun der Umbau der Einkaufstraße zur Begegnungszone. Diese beginnt beim neuen Stadtplatz/Reschenscheideckhaus und erstreckt sich über eine Länge von cirka 350 Meter bis zum Geschäftshaus Jöchler. Die Kosten werden inklusive der Elektroarbeiten 1,5 Millionen Euro betragen. Der Planungsauftrag wurde an die Architektengemeinschaft Georg und Andreas Pfenniger vergeben. Nach den Auftragserteilungen an die Bau ausführenden Firmen stellten die beiden fest, dass es zu keiner Kostenerhöhung kommt. Man liegt im Bereich der Kostenschätzung. Dass die Malser Straße den schlauchartigen Charakter einer Fahrbahn verliert, war ein zentrales Element der Überlegungen der beiden Architekten. „Sichtbar gemachte Platzräume an den Kreuzungspunkten definieren den Straßenraum neu“, erklärte Andreas Pfenniger. Das heißt: An allen Kreuzungsbereichen zu anbindenen Verkehrsflächen und Gassen entstehen Platzbereiche in Granitpflaster. Der dazwischenliegende Straßenraum wird als Asphaltfläche mit partieller Oberflächenbeschichtung ausgeführt. Es gibt nur ein Niveau. Die Stufen verschwinden, da die Fahrbahn auf das Niveau der Gehsteige angehoben wird. Dadurch gewinnt man rund 2.000 Quadratmeter Nutzfläche für Fußgänger. Grundsätzlich können Zu-Fuß-Gehende, mit dem Rad-, Motorrad- oder mit dem Auto-Fahrende den Straßenraum bei gegenseitiger Rücksichtnahme gleichrangig nutzen. Es gibt keine Zebrastreifen mehr. Der Kfz-Verkehr wird auf ein Tempo von 20 km/h reduziert. Ziel ist es, dass dieser zurückgeht. Der Radweg wird integriert in die Begegnungszone. Der Fahrradverkehr ist wie bisher in beiden Fahrtrichtungen möglich und Teil des überörtlichen Radwegkonzeptes.

 

BARRIEREFREIHEIT. Großes Augenmerk bei der Neugestaltung wird auf die Barrierefreiheit gelegt. So wird die Malser Straße kinderwagenfreundlich und behindertengerecht, Letzteres vor allem auch im Sinne blinder und sehbehinderter Menschen. Dazu wurde im Vorfeld eine Vor-Ort-Begehung mit Michael Berger, Verkehrsreferent des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Tirol und DI Sandra Careccia von „regio L“ (Sachverständige für barrierefreies Bauen) durchgeführt. Der Einbau eines taktilen Bodenleitsystems für sehbehinderte Menschen ist eine der Maßnahmen.

 

VERBESSERUNGEN. Die Lage der Bäume (Baumkörbe) wird nicht verändert. Stadtmöbel (Bänke, Fahrradständer etc.) sind veranstaltungsbedingt flexibel auf- und abbaubar. Verbessert wird auch die Infrastruktur im Bereich Energieversorung. 14 Energiesäulen, E-Bike-Ladestationen, eine Neuverkabelung der bestehenden Straßenbeleuchtung und Leerverrohrungen sind Teil dieser Adaptierungen, die für diverse Veranstaltungen und Fixpunkte wie Frischemarkt, Stadtfest, Einkaufsnacht aber auch für die Weihnachtsbeleuchtung genutzt werden können.

 

 

Der Zeitplan

Die Bauarbeiten erfolgen in fünf Abschnitten zu je 70 Meter, welche nacheinander fertiggestellt werden. Die einzelnen Abschnitte sind mit vier Wochen bemessen. Erster Abschnitt: Umsetzung des Bereichs von der Ecke Speglergasse/Malser Straße bis zum Haus Philippitsch (Arbeiten sind im Gange). Zweiter Abschnitt: Vom Haus Philippitsch bis zur Volksbank. Dritter Abschnitt: Von der Volksbank bis zum Schuhaus Harrer. Vierter Abschnitt: Vom Schuhhaus Harrer bis zur Jöchlerkreuzung. Fünfter Abschnitt: Umsetzung im Bereich vom Alten Kino bis zur Ecke Speglergasse/Malser Straße. Am 22. Juni sollen die gesamten Umgestaltungsarbeiten abgeschlossen sein. Der Frischemarkt kann während der Zeit des Umbaus abgehalten werden, allerdings müssen die Fieranten kleine ausweichende Wanderungen in Kauf nehmen.

 

Regeln in der Begegnungszone

  • Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.
  • Es gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 km/h.
  • Das Halten von Kraftfahrzeugen ist nur an den dafür gekennzeichneten Stellen erlaubt.
  • Es ist die Durchfahrt für jeglichen Fahrzeugverkehr gestattet.
  • Das Nebeneinanderfahren von Radfahreren ist erlaubt, sie müssen sich aber rechts halten
  • Rollschuhfahren ist erlaubt
Die neue „Begegnungszone Malserstraße“ in Landeck – so könnte die Umgestaltung im Bereich Altes Kino/Reschenscheideckhaus aussehen. Visualisierung: Pfenniger
Visualisierung der Begegnungszone im Bereich Hotel Schrofenstein. Visualisierung: Pfenniger

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.