„Er malt sich aus seinen Krisen“

Kunsttherapeut Daniel Praxmarer, die Künstler Wolfgang Wolf und Johannes Biber lassen das Bild „Energie“ aus Wolfs Hand das Foyer der Bezirkshauptmannschaft schmücken. RS-Fotos: Schretter

Wolfgang Wolf stellt seine Bilder in der Bezirkshauptmannschaft aus

Wolfgang Wolf ist Klient bei pro mente in Reutte und nimmt dort regelmäßig am Kreativprogramm teil. Er hat sich dem Malen verschrieben, zwölf seiner Acrylbilder sind noch bis Oktober im Foyer und den Gängen der Bezirkshauptmannschaft zu sehen.

„Pro mente“ – „für den Geist“ betreut Menschen in psychischen Krisen. Die Klienten lernen mit ihren Erkrankungen, Beeinträchtigungen oder schwierigen Lebenssituationen umzugehen und eine neue Lebensperspektive zu entwickeln.
Daniel Praxmarer ist gelernter Bildhauer, Kunsttherapeut und sozio-therapeutischer Mitarbeiter bei pro mente in Reutte. „Unsere Klienten sind aufgrund ihrer Lebensumstände meist nicht mehr in der Lage, einer geregelten Arbeit oder einem Beruf nachzugehen. Bei uns erhalten sie eine Tagesstruktur, lernen, trotz der Krise wieder einen systematischen Tagesablauf zu entwickeln. An den Nachmittagen bieten wir Kreativprogramme, wie Musik, Malen und Bildhauerei und Mosaikan“, umreißt Daniel Praxmarer seine Arbeit bei Pro Mente.

Wolfgang malt. Wolfgang Wolf ist Klient bei pro mente und hat sich für die Malerei entschieden. „Ich habe immer schon gerne gemalt, allerdings nicht so intensiv, wie ich es heute mache“, erzählt er der RUNDSCHAU.
Wolfs bevorzugte Technik ist, mit Acrylfarbe auf Leinwand zu malen. Seine Bilder sind großflächig und farbintensiv. „Malen ist für mich mehr als Therapie, es wurde zum Lebensinhalt. Es hilft mir sehr und ich spüre, dass mir das Malen einfach gut tut“, erklärt der Künstler. „Die Ideen zu meinen Bildern kommen mir meistens während der Nacht. Das ist immer sehr spannend und beschäftigt mich dann sehr. Wenn die Idee dann „gereift“ ist, tauche ich ins Malen ein“, schildert Wolfgang Wolf die ersten Schritte für ein neues Bild.
Einige Bilder malt er an einem Nachmittag, andere Bilder beanspruchen zwei bis drei Monate. „Ich male fast ausschließlich mit Acryl auf Leinwand, wende aber unterschiedliche Techniken an. Die Farben trage ich mit Pinsel, Spachtel oder Schwamm auf. Eine spezielle Technik, die mir auch einmal während der Nacht eingefallen ist, ist, die Farbe mit einer Stoffspirale auf die Leinwand zu bringen“, gibt Wolf Einblick in sein Schaffen.

Zu jedem Bild eine Geschichte. „Zu jedem meiner Bilder gibt es eine Geschichte. Bei dieser Ausstellung liegt mir unter anderem das Eingangsbild im Foyer besonders am Herzen. Ich nenne es ,Energie’, da mich die Ausstrahlung, die es beim Malen auf mich gehabt hat, sehr fasziniert. Dieses Bild zeigt fast alle Farben, in Form von Flammen.“ Im zweiten Stock ist ein zweiteiliges Bild in grünen Farben zu sehen. „Die Ausländer- bzw. Flüchtlingsproblematik hat mich betroffen gemacht. Auf den beiden Bildhälften ist ein goldener Halbmond zu sehen, der auch bei uns akzeptiert werden sollte“, lautet die Geschichte, die hinter diesem Bild steht.
Wolfgang Wolf ist sehr genau in der  Wahl der Farben. Ein Bild zu malen, ist für ihn manchmal auch ein Kraftakt. Er verausgabt sich, lässt sich vom Malvorgang gefangennehmen. Man könne vieles über die Farben lernen, über die verschiedenen Zustände. „Farben sind ganz anders, wenn sie trocken oder nass sind. Mit der Farbe macht dann auch das Bild  eine Veränderung durch“, sinniert Wolfgang Wolf. Nach der Ausstellung in der Bezirkshauptmannschaft sind Wolfs Kunstwerke bis November in der Alpentherme Ehrenberg zu sehen. „Die Ausstellungen geben mir sehr viel. Es macht mich stolz, etwas zu schaffen, das anderen Menschen gefällt“, resümiert Wolfgang Wolf.

Es gehört viel Mut dazu. Johannes Biber hat den Aussteller unterstützt und ihm geholfen, die Bilder ins rechte Licht zu rücken. „Ich bin selbst Künstler und Grafiker. Ich helfe gerne, motiviere und lobe andere Kunstschaffende. Ich bin immer wieder fasziniert, welch großer Mut aufgebracht wird, mit der Kunst an die Öffentlichkeit zu gehen“, erzählt Johannes Biber. Auch er ist bei pro mente und dort in der „Bildhauer-Gruppe“. „Ich schnitze, stelle aber nicht aus“, lässt er die RUNDSCHAU wissen. Johannes Biber, der seine Bilder auch schon in etlichen Ausstellungen gezeigt hat, bringt viel Galerieerfahrung mit und weiß, wie Bilder gehängt werden müssen, damit sie die optimale Wirkung erzielen.Die Gelegenheit ist günstig, einen Behördengang mit Kunstgenuss zu verbinden und sich von den Bildern Wolfgang Wolfs Geschichten erzählen zu lassen.