Erlebtes und Erdachtes

Hans Seifert – bekanntlich ein bemerkenswerter Maler, aber auch ein Mann des Wortes, ob er Erlebtes oder Er-dachtes festhält. RS-Foto: Archiv

Hans Seiferts „Kostbare Schritte“ auf dem Jakobsweg

Der in Pfunds geborene und seit knapp einem Jahrzehnt in Absam lebende Maler Hans Seifert hat ein etwas anderes Buch über Erlebnisse und Gedanken auf dem Jakobsweg geschrieben: „Kostbare Schritte“ enthält Erlebtes, aber auch Erdachtes vom Jakobsweg.

Hans Seiferts Stil findet sich auch in den Bildern in „Kostbare Schritte“ wieder – Landschaften, vielfach mit wenigen Menschen oder Häusern bevölkert, bei genauer Betrachtung mehr abstrahiert als geglaubt, Brauntöne scheinen zu dominieren – der 69-Jährige greift oft zur Farbe des Herbstes. Wie oft bei Seifert, haben die „Kostbaren Schritte“-Bilder etwas an sich, das innehalten lässt – vielfach sind es die mit schwarzem Stift mehrfach locker nachgezogenen Silhouetten von Menschen oder Häusern (manchmal mehr durchgestrichen als umrandet), die das Prozesshafte des Lebens, anders gesagt: das unberechenbare Morgen, das Geworfensein selbst in einem Bild deutlich machen. Aber das ist nicht neu an Seiferts Werken – er war stets ein bemerkenswerter Maler.

 

GESCHICHTEN – BEDRÜCKEND BIS ERLÖSEND. Überraschender ist das geschriebene Wort in „Kostbare Schritte“, konzeptuell interessant, da Erlebtes und Er-dachtes gleichwertig verarbeitet werden. Auch wenn Seiferts Werk im Untertitel „Ein Bilder- und Geschichtenbuch für Jung und Alt“ heißt, ist es wohl in erster Linie ein Geschichtenbuch: Ein Mann mittleren Alters (zumindest bei seiner ersten Pilgerreise nach Santiago de Compostela) auf dem Weg zur Sammlung, auf dem Weg zum Abschied von einem seiner vier Söhne, der 2004 verstorben ist. Eine Schraube des Rucksacks, des ersten Utensils des Pilgers, ist es, die so wichtig ist, aber verloren scheint, und die Seifert schließlich doch in einer Falte des Pullovers findet. Anscheinend auf sich allein gestellt, im Regen Spaniens marschierend, kann er nur eines daraus schließen: „Hans, für dich wird gesorgt, hier am Weg und im weiteren Leben!“ Zwischendurch erreicht er Portomarin, das das Schicksal von Graun geteilt hat: Es wurde für einen Stausee teilweise überflutet. Traurig und inhaltsschwer die Geschichte der Frau am Jakobsbrunnen: Sechs Männer muss sie betrauern, darob hat sie sich blind geweint – aber sie hat als einzige echte Blumen am Grab, die sie täglich gießt, und keine Plastikblumen. Seifert geht weiter als bis Santiago, er geht bis finis terrae, das Ende der alten Welt, um schließlich in die neue Welt abzufahren und Gott zu treffen, „an den wir einfach glauben dürfen“. Und welche Bedeutung der Schlaf hat (gerade nach einem Pilgertag – aber wohl an jedem Tag, wenn man will), erfährt man wahrscheinlich von Hans Seifert selbst: „Kostbare Schritte – Erlebtes und Erdachtes vom Jakobsweg“ wird am Donnerstag, dem 17. November, um 19 Uhr, in der Tyrolia in Landeck vorgestellt. Nur mit Anmeldung unter landeck@tyrolia.at.