„Erweiterte Fotografien“

Unschärfe kann auch ungläubiges Staunen verursachen: Gerhard Tiefenbrunn bei der Vernissage. RS-Foto: Unterpirker

Gerhard Tiefenbrunn präsentiert im Rathaus neue Werke

 

15 „erweiterte“ Fotografien präsentiert Gerhard Tiefenbrunn bei seiner Ausstellung „Formenkanon 2017 – de arte nihil credendi“ in der Rathausgalerie. Aus Raoul Schrotts Buch „Die Kunst an nichts zu glauben“ las Franz Handle.

 

Dem eigenen Nebel entfliehen, auf der Suche nach innerer Freiheit und womöglich eine verborgene Exis-tenz der Dinge entdecken. Jedenfalls den Glauben hinter sich lassen. So könnten die in der Rat-hausgalerie ausgestellten Werke von Gerhard Tiefenbrunn interpretiert werden. Oder wie es der Künstler selbst in seinem Begleittext meint: „Inmitten des wissenschaftlichen Zeitalters wird die Welt unübersichtlich und trotz der rapide wachsenden Informationen – unverständlich. Meine unscharfen Bilder reflektieren diese Unübersichtlichkeit.“ Es sind wohl die „innere Stärke“ und „expressive Artikulation“ (Franz Handle), die Tiefenbrunns Bilder so sehr auszeichnen – und das in seinen monumentalen wie auch filigraneren Werken. Quasi wegweisende Inspiration für seine neuen Bilder holte sich Tiefenbrunn aus Texten des Landecker Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Raoul Schrott, genaugenommen aus dessen Buch „De arte nihil credendi“ – Die Kunst an nichts zu glauben. Seine „erweiterten Fotografien“ sind auf Reisen im Mittelmeerraum entstanden, „wurden dann am PC überarbeitet und reduziert auf wenige Farben und schlussendlich auf Leinwand gedruckt“, sagt der Künstler. Per Tintenstrahldrucker – und das in Museumsqualität. Als Reiseliteratur habe er Raoul Schrotts Buch gelesen, wobei ihn jene Texte „faszinierten“ und er manche davon deshalb beim Malen der Werke – nach Rücksprache mit Schrott – eingebaut habe. Wie etwa: „Aus einem Grund zu kommen, um sich von den Ursachen zu befreien“, oder: „Vor den Zentralperspektiven des Schmerzes verharren“, aber auch: „Das Unglück des Einzelnen liegt in seiner Unwissenheit darüber was mit ihm geschieht und wie es ihm in Wahrheit geht.“ Gelesen wurden einige Texte in feiner Manier von Franz Handle. Und so schwebte ein Hauch von „Du holde Kunst“ (Ö1) durch den Raum, ein Bach, Haydn – oder auch Lou Reed wäre passend dazu gewesen. Die Ausstellung ist bis 6. Februar zu sehen.

 

Von Albert Unterpirker

Franz Handle las einige Texte von Raoul Schrott. RS-Foto: Unterpirker

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