Es ist fix: miese Ernte

Zwetschkenprofi Stefan Nothdurfter: „Sechs Nächte mit Minusgraden waren einfach zu viel.“ RS-Foto: Tiefenbacher

Heuer um 90 Prozent (!) weniger „Stanzer Zwetschken“

 

In der Genussregion „Stanzer Zwetschke“, mit den Orten Stanz, Grins und Pians, ist heuer die Zwetschkenernte mager: Die Bauern rechnen nur mit zehn Prozent des Ertrags, also mit 30 Tonnen.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

„Die heurige Zwetschkenernte fällt schlecht aus“, ist der Befund vom Zwetschkenprofi Stefan Nothdurfter nach der Begutachtung der Zwetschkenbäume in der Genussregion am Wochenende. Die miese Ernte ist bitter, insbesondere auch deshalb, weil die Genussregion „Stanzer Zwetschke“ im Vorjahr einen Ernteverlust von 80 Prozent zu verkraften hatte. Die Frostnächte Ende April diesen Jahres hatten es in sich. Das Ausmaß der Schäden wurde erst in diesen Tagen richtig sichtbar. „Jetzt gibt die Natur Gas, und alles was in den Frostnächten einen Zellschaden erlitten hat, wirft der Baum jetzt ab. Da kann keine Frucht mehr gerettet werden“, erklärt Nothdurfter. Fazit: Viele Bäume tragen deshalb fast gar nichts.

 

FINANZIELLER SCHADEN. In der Genussregion „Stanzer Zwetschke“ wird es heuer zu einem Ernteverlust von bis zu 90 Prozent gegenüber einem guten Normaljahr kommen. Sind es normalerweise rund 300 Tonnen Zwetschken, die von den 65 Obstbauern der Region geerntet werden können, rechnet Nothdurfter heuer nur mit rund 30 Tonnen. Das macht einen finanziellen Schaden von etwa 400.000 bis 500.000 Euro aus. Die Obstbauern bekommen für die Top-Ware um die 1,50 Euro pro Kilo von den Händlern. Werden Zwetschken zu Alkohol (Schnaps) verwertet, bleiben dem Obstbauer zwei Euro pro Kilo.

 

POSITIVE SEITEN. Stefan Nothdurfter sieht es mit optimistischen Augen: „Der Schaden könnte größer sein. Die Bäume selbst sind durch den Frost nicht beschädigt worden. So können wir im nächsten Jahr wieder mit einer normalen Ernte rechnen. Wären diese beschädigt, hätten wir mehrere Jahre einen Ernteausfall oder Minderertrag.“ Nothdurfter vermag dem Ganzen noch eine positive Seite abzugewinnen: „Die größeren Betriebe in der Region haben heuer erstmals eine Frostschutzversicherung abgeschlossen. Was für ein Glück, denn das Land zahlt keine Entschädigungen mehr für Ernteverluste. Und alle anderen Bemühungen wie Räuchern und Frostberegnung haben keinen Erfolg gezeigt. Sechs Nächte mit Minusgraden waren einfach zu viel“, meint der Bauer am Giggus-Hof in Stanz.

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