„Es ist schwer, mich zu stressen!“

Nahm sich vor der Trainingseinheit mit dem österreichischen Nationalteam in Telfs für ein RUNDSCHAU-Interview Zeit und dresste sich in rot-weiß-roten Farben: Theri Hornich. RS-Fotos: Unterpirker

Silzbulls engagieren Damen-Nationalteam-Torhüterin

Mit einem geradezu sensationellen Coup ließen kürzlich die Silzbulls aufhorchen: Der Oberländer Eliteliga-Traditionsverein engagierte mit Theri Hornich die aktuelle Stammtorhüterin des österreichischen Damen-Eishockey-Nationalteams. Dabei wird die gebürtige Wienerin, die heuer schon in der Olympia-Qualifikation fightete, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre Einsätze in der Eliteliga-Mannschaft haben. Die RUNDSCHAU traf Hornich bei einem Trainingslager in Telfs.

Von Albert Unterpirker

Das ist wahrlich eine Granate, die von den Silzbulls abgefeuert wurde! Denn in der kommenden Meisterschaft darf man gespannt auf die Leistungen einer Torhüterin im Bullen-Dress sein. Theri Hornich erhielt – vorerst für eine Spielsaison – von den Kitzbüheler Adlern (Anm.: Alps Hockey League, zweithöchste österreichische Spielklasse) eine Leihgenehmigung für die Silzbulls, hauptgemeldet bleibt sie bei den Gamsstädtern. Eine Frau in der Eliteliga, ja geht denn das? Ja, es geht! Zwar ist die gebürtige Wienerin erst seit drei Jahren in Tirol, vor kurzem kam aber grünes Licht seitens des Tiroler Verbandes, der die heimischen Vereine um eine Stellungnahme gebeten hatte. Denn eigentlich hätte es vier Jahre gebraucht, um nicht einem Inländer einen Platz im Team wegzunehmen. Also scheint der Weg für eine historische sportliche Duftnote geebnet – wenn Hornich in der reschen männlichen Eliteliga zum Einsatz kommt. Von der Qualität her dürfte es jedenfalls passen. Schon in Kitzbühel absolvierte Hornich Matches bei den Männern und stand im dortigen Farmteam oftmals im Gehäuse. Die Eliteliga kennt Theri bereits. „In der vergangenen Saison habe ich schon etliche Partien gesehen und kenne einige Spieler“, sagt die 26-jährige Wienerin, die einen A-Lizenz-Trainerschein besitzt. Eine, die schon in der zweithöchsten rot-weiß-roten Spielklasse bei den Männern ran durfte, braucht man normalerweise nicht zu fragen, ob es für die Eliteliga reicht. Dennoch, wie sieht sie die Sache? „Im technischen Bereich ist der Unterschied zur höchsten Damen-Liga und der Eliteliga nicht groß, aber natürlich geht es hier mehr zur Sache“, schmunzelt Theri. Bei den Damen ist Körperkontakt nicht erlaubt (maximal dosierter), „dafür steht bei uns mehr die Taktik im Vordergrund“, so die österreichische Teamtorhüterin, die schelmisch anfügt: „Von platzierten Schüssen her gesehen können sich die Männer ein Beispiel nehmen!“

BODENSTÄNDIG.

Fixes Stammleiberl gibt es bei den Silzbulls für sie indessen keines. „Ich denke, dass ich meine Einsätze in der Eliteliga bekomme, könnte zudem in der Landesliga spielen.“ Wie sagen nebenbei ihre männlichen Kollegen zu ihr – Torfrau oder Tormann? Theri lacht: Torfrau sagen die meisten, ich höre aber auch auf Tormann!“ Was macht ihr Spiel aus? „Ich bin mental stark und ich glaube, dass ich relativ schnell bin.“ Dafür sei sie mit 1,68 Meter Körpergröße eher klein. Kennengelernt hat sie Silz schon bei einem Kinderturnier – und das habe ihr sehr gut gefallen. „Die Stimmung in Silz ist super und in Freiluft zu spielen ist etwas ganz anderes als in der Halle – hat was von Old School Hockey, das taugt mir!“ Ob sie den Spruch kenne: Bei den Unterländern ist ein Begräbnis lustiger als bei den Oberländern eine Hochzeit? „Nein, den kenne ich nicht“, grinst sie, „generell aber scheinen die Leute im Oberland ein bisschen bodenständiger zu sein als in Kitzbühel und wenn die Leute so sind, wie sie sind – das gefällt mir.“ Hornich, mehrfache WM-Torhüterin, betreut seit heuer bei den Adlern den gesamten Nachwuchs. Im Raum steht nächstes Jahr eine längere Verpflichtung bei den Silzbulls – und was man so hört, könnte sie sich dort dann ebenfalls um die Youngsters kümmern. Zu den Meisterschaftsspielen reist sie per Auto an „und ich schaue, dass sich zusätzlich ein Training pro Woche in Silz ausgeht“.

ERFOLGREICH.

Mit fünf Jahren begann Theri mit dem Eislaufen und stieg alsbald beim WEV bei den Burschen ein. Dort blieb sie bis zum 18. Lebensjahr – dem ein baldiger erster Einsatz in der Wiener Liga (vergleichbar mit Eliteliga) folgte. Nebenbei ist die passionierte Seglerin bezüglich Bildung ziemlich umtriebig, gleichzeitig erfolgreich. Ihren Magister in Sportwissenschaft hat sie in der Tasche, in Psychologie gab sie gerade ihre Masterarbeit ab. Außerdem ist sie ausgebildete Trainings- und Physiotherapeutin sowie Mentaltrainerin. Wie charakterisiert sie sich in sportlichen Belangen? „Ich brauche Druck, damit ich gut spiele“, sagt sie. In solchen Situationen laufe sie zur Höchstform auf. Emotionsstau kennt Theri offenbar nicht. „Es ist schwer, mich zu stressen“, strahlt sie über das ganze Gesicht – und man glaubt ihr. Gibt es etwas, das ihr nicht so liegt? „Verlieren! Das kann ich nicht gut. Und was ich nicht mag, sind Leute, die glauben, dass sie besser sind als andere.“

Die österreichische Damen-Nationalteam-Torhüterin freut sich auf Eliteliga-Einsätze mit den Silzbulls und für die RUNDSCHAU warf sich Theri schon mal in technisch perfektes Posing.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.