Finanzierung wird auf neue Beine gestellt

Geschäftsführer Jakob Klimmer ist unbesorgt was die Zukunft des Kraftswerks Stanzertal angeht. RS-Foto: Tiefenbacher

Kraftwerk Stanzertal soll 10-Mio.-Finanzspritze erhalten

 

Mit einer Eigenkapitalerhöhung von 10 Millionen Euro soll das Kraftwerk Stanzertal zukunftsfit gestaltet werden.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Bgm. Siegmund Geiger aus Zams fasste die Situation beim Kraftwerk im Stanzertal so zusammen: Für die Projektumsetzung verdiene man sich eine römische Eins: Baukosten und Bauzeit wurden unterschritten. Ebenso super ist die Stromproduktion. Sie übertrifft alle Erwartungen. Allerdings verschaffen einige Faktoren einen Veränderungsbedarf bei der Finanzierung: Es veränderten sich die Rahmenbedingungen (anfangs Bauphase und jetzt Betriebsphase), das Swap-Geschäft (Zinsabsicherung) stellt sich als Verlustgeschäft heraus und auch der niedrige Strompreis hatte einen negativen Effekt auf der Einnahmenseite – und deshalb ist die Finanzierung auf neue Beine zu stellen.

 

GESELLSCHAFTER. Eine Maßnahme war, dass die beteiligten Gemeinden St. Anton, Pettneu, Flirsch und Strengen (sie halten jeweils 6,5 Prozent an der Anlage) sowie die Gemeinde Zams (5 Prozent) bis ins Jahr 2020 auf die Zinsen verzichten. Zudem gab es seitens der Generalversammlung den Beschluss, dass die Gesellschafter – dazu gehören neben den fünf Gemeinden die Elektrizitätswerken Reutte (34 Prozent), die Stadtwerke Imst (15 Prozent), die Energie- & Wirtschaftsbetrieben St. Anton (11 Prozent) und die ILF Business Consult Austria GmbH (10 Prozent) – nun entsprechend ihren Anteilen die Eigenkapitalquote um 10 Millionen Euro erhöhen. Unterm Strich heißt das: Die Stanzertaler Gemeinden sollen jeweils 625.000 Euro nachschießen, und für die Gemeinde Zams macht es 512.900 Euro aus.

 

GESPRÄCHE LAUFEN. Außerdem wurde die Geschäftsführung beauftragt, die notwendigen Gespräche und Verhandlungen zu führen, um die Finanzierung auf gute Beine zu stellen. Kraftwerksgeschäftsführer Jakob Klimmer ist sehr zuversichtlich, dass das gelingen wird. Klimmer: „Wir haben diesbezüglich bereits gute Gespräche mit dem Bankenkonsortium gehabt. Es könnte bereits im ersten Quartal 2018 zu einer Änderung der Konditionen kommen.“ Das Kreditvolumen beträgt derzeit 40 Millionen Euro. Es soll laut Klimmer durch die Eigenkapitalerhöhung um 10 Millionen auf 30 Millionen Euro reduziert werden – und das aus folgenden Gründen. Erstens: Die Gemeinden bekommen das Geld günstiger als die Kraftwerksgesellschaft. Zweitens: Je mehr Eigenkapital, desto besser ist die Bilanz. Und das hat zusätzlich noch den Effekt, dass die Ausschüttung an die Gesellschafter schneller erfolgen kann. Klimmer stellte im Übrigen ausdrücklich fest, dass die Liquiditätssituation des Kraftwerks Stanzertal als gut bezeichnet werden könne und man keineswegs in Geldnöten sei.

 

SWAP-GESCHÄFTE. Die RUNDSCHAU sprach Klimmer auch auf die Swap-Geschäfte an. Laut Klimmer wollte man sich mit diesen gegen einen Anstieg der Zinsen absichern. Pech gehabt. Die Zinsen sind weiter gefallen. Das kostet die Gesellschaft jährlich einige 100.000 Euro. „Wir werden zum gegebene Zeitpunkt, das heißt, wenn es für uns Vorteile bringt, entsprechende Maßnahmen setzen“, sagte Klimmer und verteidigte die Vorgangsweise hinsichtlich der Swap-Geschäfte: „Wären die Zinsen gestiegen, hätte man das Swap-Geschäft zum Wundermittel hochgejubelt, so sorgt es für Kritik. Das ist halt so. Mit Spekulation hat das nichts zu tun. Wir sind damit dem Wunsch der Behörde, die Gesellschaft gegen steigende Zinsen abzusichern, nachgekommen“, erklärte GF Klimmer. Er zeigte sich grundsätzlich unbesorgt, was die Zukunft des Kraftswerks Stanzertal angeht. Klimmer verweist auf zwei wichtige Faktoren: Die Energieerzeugung ist optimal. „Wir produzieren heuer anstatt der geplanten 52 über 57 GWh Strom“, so Klimmer. Zudem hat der Strompreis wieder eine Tendenz nach oben. „2018 bekommen wir für die Megawattstunde 38,70 Euro, 2017 waren es noch 32 Euro“, erklärte Klimmer.

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