Fotoausstellung „Bittere Orangen“ …

Der Kurator der Ausstellung ist Gilles Reckinger, Professor am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck. In Kürze erscheint sein Buch mit dem Titel „Bittere Orangen“. RS-Foto: Claus

… erzählt Schicksale von Erntehelfern

Gilles Reckinger ist immer wieder nach Rosarno, einer kleinen Stadt in Italiens Stiefelspitze, gereist, um die Arbeits- und Lebensbedingungen der migrantischen Erntehelfer zu dokumentieren. In vielen Gesprächen ist er den Menschen nahegekommen, die festgesetzt sind in extrem misslichen „Arbeitsverhältnissen“, ohne jede Option. Nicht einmal die auf eine Rückkehr in ihr Herkunftsland.

Die im Rahmenprogramm zum Kabarett „Weltenbummeln“ dokumentierende Fotoausstellung „Bittere Orangen“ zeigt erschütternde Bilder über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Erntehelfern mit Migrationshintergrund auf den Zitrusplantagen in Italien.
Im Rahmen eines fotografischen und eth ie Männer kommen meist aus verschiedenen Ländern Afrikas. In der Zeltstadt haben sich mehrere Gemeinschaften gebildet, die sich nach Religionszugehörigkeit und Verständigungssprachen gliedern. Ziel der Ausstellung ist es, das Gesicht der Sklaverei in Europa, Migrationspolitik und Preisdruck in der Lebensmittelproduktion zu thematisieren. Zugleich sollen die Fotos dem Betrachter die Augen öffnen, sich für faire Handelsbedingungen einzusetzen und ihn für einen bewussten Konsum von Nahrungsmitteln sensibilisieren. Die Umstände auf den Orangenplantagen beschrieb Reckinger in kurzen Worten als „erschreckend”. Dass „Fair Trade” nicht immer das ist, was es verspricht, zeigt die Tatsache, dass die Arbeiter für einen 12 bis 14 Stundentag lediglich 25 Euro verdienen. Für eine Kiste von 25 Kilo bekommen sie, man mag es kaum glauben, 50 Cent! Es treibt einem die Schamesröte ins Gesicht, wenn man liest, dass die Männer ein Camp aus Zelten und Notbehausungen errichten – ohne Strom und fließendes Wasser. Die Migranten werden in der Früh abgeholt und in Lieferwagen zu den Plantagen „gekarrt” – wofür sie noch bis zu fünf Euro bezahlen müssen. Zusammenfassend – eine unerträgliche Situation, dargestellt in einer Fotoausstellung, die von möglichst vielen Besuchern angesehen werden sollte – auch wäre es von großem Vorteil, wenn möglichst viele Schulklassen dabei wären.

Information. Die Ausstellung ist bis Ende Februar im Veranstaltungszentrum Breitenwang zu besichtigen. Anfragen bzw. Anmeldung bei der Gemeinde Breitenwang unter 0043 (0) 5672 6251610.

Von Uwe Claus

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