„FPÖ muss beweisen, dass sie‘s besser kann“

Jakob Wolf schaltet bald auf „Wahlkampfmodus“, will er doch „um jede Stimme laufen“. Der Termin für die Landtagswahl ist am 25. Februar. RS-Foto: Parth

Die RUNDSCHAU sprach mit Jakob Wolf über SPÖ, FPÖ und Grün sowie über bevorstehende Herausforderungen

Die Tage des Bürgermeisters und VP-Klubobmannes Jakob Wolf sind – Jahreswechsel, Feiertage hin oder her – schon „sehr ausgefüllt“. Trotzdem findet der leidenschaftliche Jäger Zeit für die Hege und Pflege des Wildes und nimmt mit Begeisterung die Rotwildfütterung im Winter selbst vor. Krafttanken ist angesagt, denn die Wahlen sind nicht mehr weit. „Bis zur Wahl werde ich um jede Stimme laufen. Eine Überheblichkeit von Seiten der ÖVP ist jedenfalls nicht angesagt! Mein Rückhalt ist die Familie“, so Wolf, der seine spärliche Freizeit gut zu nützen versucht, um mit seiner Frau oder Freunden Bergwanderungen zu unternehmen oder gemütlich beisammen zu sitzen.

Von Thomas Parth

RUNDSCHAU: Sind Sie ein Schwarzer oder ein Türkiser?

LA Bgm. Jakob Wolf: Ich bin ein Schwarzer. Türkis war die Wahlbewegung von Sebastian Kurz, auch als Zeichen dafür, dass man die Partei auf Bundesebene öffnet. Wir in der Tiroler Volkspartei haben uns schon lange geöffnet und haben immer wieder an prominenter Stelle Quereinsteiger und Parteifreie präsentiert.

 

RS: Ist für Sie Türkis-Blau auch in Tirol ein mögliches Erfolgsrezept?

Wolf: In Wahrheit blieb Sebastian Kurz nichts anderes übrig, als mit Blau zu koalieren, nachdem der scheidende Kanzler Kern sich einer Regierungsbildung verweigerte. Was sich die Österreicher sicher nicht gewünscht hätten, ist eine Situation wie in Deutschland, wo gewählt wird und nach einem halben Jahr noch immer keine Regierung steht. In Tirol werden am 25. Februar die Karten neu gemischt. Der Wähler entscheidet, wer welches Gewicht erhält, und danach richten sich auch mögliche Regierungskonstellationen. Ziel muss es sein, eine stabile Regierungskoalition von zwei Parteien zu erhalten. Alles andere ist nicht realistisch.

 

RS: Sie konnten sich als Klubobmann der Tiroler VP behaupten. Was waren Ihre Highlights?

Wolf: Es war eine sehr arbeitsintensive Periode, in der wir das Agrarthema gelöst haben. Als es wirtschaftlich enger war, haben wir unser Impulspaket geschnürt, um Arbeitsplätze zu erhalten und die Wirtschaft zu unterstützen. Ein modernes Jagdrecht, ein Mindestsicherungsgesetz oder im Oberland das Pitztaler Regionalentwicklungsprogramm sind sicherlich nur einige der positiv umgesetzten Projekte für unser Land. Auf Landesebene gehe ich jedenfalls davon aus, dass die Grünen, im Gegensatz zum Bund, fix vertreten sein werden.

RS: Gibt es Berührungsängste mit den Blauen?

Wolf: Ich bin Demokrat und seit fast 15 Jahren im Tiroler Landtag. Als Parlamentarier hat man mit allen zu reden und alle ernst zu nehmen. Nach der Wahl wird es sicher auch der Landeshauptmann so halten und mit allen im Landtag vertretenen Fraktionen Sondierungsgespräche führen.

 

RS: Wie lief’s in „Wolfs Revier“ (Anm.: Anspielung auf ein Wahlplakat, welches für Aufsehen sorgte)?

Wolf: Traditionell führt die Volkspartei Vorzugsstimmen-Wahlkämpfe durch, wo man von nachgereihten Kandidaten überholt werden kann. Auch dieses Mal wird es so sein, dass auch ich mich um Vorzugsstimmen bemühen werde, wobei mir das Ötztal immer sehr geholfen hat. Die Ötztaler wollen eine Vertretung auf Landesebene. Im Bezirk Imst können wir den Wählern eine attraktive Kandidatenliste präsentieren, wobei Amanda Raich und Marie-Theres Krabichler sehr junge Kandidatinnen sind und alle Regionen aus Roppen, Obsteig, dem Pitztal, Ötztal und aus Imst sowie etliche Berufsschichten gut vertreten sind.

 

RS: Vom Ausbau Autohaus Kapferer über diverse Supermärkte und Diskonter oder ein weiteres 200-Betten-Hotel: In Umhausen geht was weiter. Kann man „den Wolf“ überhaupt ersetzen?

Wolf: Hofer baut, Lidl ist in Diskussion. Das Erfolgskonzept meiner Gemeindeführung liegt im Teamwork. Wir haben seit mehreren Perioden eine stabile Zusammensetzung im Gemeinderat, die versucht gemeinsam etwas weiter zu bringen. Das Rückgrat bilden sehr gute hauptamtliche Gemeindemitarbeiter. Als Teammensch bereite ich die Projekte mit den Ausschüssen vor, weshalb die Ergebnisse nicht dem Bürgermeister, sondern seiner Mannschaft in der Gemeinde zuzurechnen sind. Ohne die Not einer Nachfolgediskussion: Wir hätten mehrere fähige Frauen und Männer im Gemeinderat, die für eine Führungsposition in Frage kämen, das ist kein Geheimnis. Persönlich denke ich nicht ans Aufhören. Die Arbeit in Umhausen macht mir nach wie vor viel Spaß.

 

RS: Mit dem Ende dieser Periode läuft auch die Funktion eines weiteren Klubobmannes aus: Wie stehen Sie zu Gerhard Reheis von der SPÖ?

Wolf: Ich kenne Gerhard Reheis lange Jahre als Bürgermeister, Nationalrat, Landesrat und Landeshauptmann-Stellvertreter sowie als Klubobmann der SPÖ und komme mit ihm und mit seiner Frau Doris persönlich sehr gut aus. Als Außenstehender denke ich, dass man in der Tiroler SP zu spät an eine Erneuerung gedacht hat. Mit Ingo Mayr einen Bürgermeisterkollegen ohne ein Landtagsmandat an die Parteispitze zu setzen, kann nicht funktionieren. Wie es geht, haben die Freiheitlichen gezeigt, wo Markus Abwerzger vom 18. Platz in den Landtag aufgerückt ist.

 

RS: Fix ist, dass mit dem Ausscheiden von LT-Präsidenten Herwig van Staa eine Personalrochade an prominenter Stelle nötig wird. Gibt es schon einen Nachfolger?

Wolf: Vor der Wahlentscheidung wird die Tiroler Volkspartei keine Diskussion über Köpfe führen. Ich würde mir wünschen, dass Herwig van Staa, der für Innsbruck und Tirol viel geleistet hat, auch in seiner Politpension für Funktionen in der Landesgedächtnisstiftung sowie im AdR (Ausschuss der Regionen) Zeit findet.

 

RS: Worin liegt die Herausforderung für die ÖVP?

Wolf: Die große Frage wird sein, ob es der Tiroler Volkspartei auf Landesebene gelingt, ihre eigenen Unterstützer zu mobilisieren. Man darf nicht mit Überheblichkeit in eine Wahl hinein gehen, denn eine Garantie für den Auftrag zur Regierungsbildung gibt es nicht. Die ÖVP muss rennen um jede Stimme.

 

RS: Die Wahl in Innsbruck steht im April bevor: Wird die Landtagswahl dadurch beeinflusst?

Wolf: Das glaube ich nicht, weil die Tiroler bzw. Innsbrucker Wähler genau zwischen Bundes-, Landes- und Stadtwahl unterscheiden.

 

RS: Wie beurteilen Sie die Parteienstellung von Naturschutz-NGOs in Wasserrechtsverfahren? Macht dies einen LUA (Landesumweltanwalt) überflüssig?

Wolf: Die Entscheidung des europäischen Gerichtshofs muss man sich genau anschauen. Wie wird diese Entscheidung vom Bund ins Wasserrecht und vom Land ins Naturschutzrecht übertragen? Gilt die Parteienstellung überall und für alle Naturschutzinitiativen oder nur für anerkannte NGOs (non-governmental-organization). Die Rolle sowie die Aufgaben eines Landesumweltanwaltes sind dann neu zu bewerten.

 

RS: Orten Sie einen „Rechtsruck“ in Tirol?

Wolf: Die Zunahme der Ego-Gesellschaft, die sich in Neid-Diskussionen auswächst, erschreckt mich schon manchmal. Einen Rechtsruck in der österreichischen Bevölkerung oder in Tirol nehme ich allerdings überhaupt nicht wahr. Parteien wie die FPÖ haben den Finger in die Wunden der Großen Koalition gelegt, wo auch die Bevölkerung der Meinung war, so kann’s nicht weiter gehen. Eine der größten Sorgen war ein unkontrollierter Zustrom nach Österreich im Zuge der Flüchtlingsbewegungen. Jetzt muss die FPÖ beweisen, dass sie es besser kann.