Fruchtende Kooperation

Der Landecker LWL-Experte und Projektpartner Ing. Walter Handle RS-Foto: Tiefenbacher

Dreiländereck: Der grenzüberschreitende Ausbau des schnellen Internets wird durch Interreg-Projekt forciert

 

Seit 2016 wird in der Region „Terra Raetica“ (Bezirk Landeck, Vinschgau, Engadin) der grenzüberschreitende Ausbau des schnellen Internets im Rahmen eines Interreg-Kleinprojektes koordiniert vorangetrieben. Hier ein Zwischenbericht.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Was früher die Anbindung an die Autobahn und die Nähe zum Flughafen waren, ist jetzt die Verfügbarkeit von sicherem, schnellem und leistbaren Internet. Die Möglichkeit zur Übertragung großer Daten wurde deshalb für die Regionen ein entscheidender Standortfaktor. Dies war denn auch Ansporn über ein Interreg-Kleinprojekt (Schirmherrschaft Lantech Innovationszentrum in Landeck) eine Möglichkeit zu schaffen, die Lichtwellenleiter (LWL)-Netzwerktechnologie in der „Terra Raetica“-Region zu optimieren. Das hat noch einen weiteren Effekt: Es kann die Abhängigkeit vom Preisdiktat der großen internationalen Telekommunikationsanbieter verringert werden. In der Projektregion gibt es auf Gemeindeebene einzelne lokale Bemühungen LWL-Netze aufzubauen. Diese Netze benötigen Verbindungen zu den Internet-Hotspots Wien, Mailand, Frankfurt und Zürich. Daher sollen in diesem Projekt die technische Machbarkeit und die Kosten für die LWL-Verbindungen an diese Hotspots geplant und berechnet werden.

 

ERSTER SCHRITT. Im ersten Schritt wurden alle bestehenden LWL-Rohre (Kabel) im Grenzgebiet Italien, Schweiz und Öster-reich erfasst und in das Konzept eingearbeitet. Es besteht eine Lücke zwischen Pfunds und Graun, die es zu schließen gilt. Dafür wurde eine Variante ausgearbeitet. Diese LWL-Strecke soll von der Ortszentrale Pfunds über den Weiler Schalkl und Hochfinstermünz zur Ortszentrale Nauders und weiter zur italienisch-österreichischen Staatsgrenze verlaufen. Für einen Teilabschnitt kann die Infrastruktur der Tinetz – Tiroler Netze GmbH, eine Tochterfirma der Tiwag, benützt werden. „Die Bereitschaft seitens dieses Unternehmens ist da. Dies hätten wir uns vor wenigen Jahren nicht einmal erträumt“, meinte der Landecker LWL-Experte und Projektpartner Ing. Walter Handle. Außerdem wurde mit allen Anbietern in den drei beteiligten Länderregionen Kontakt aufgenommen und es wurde abgesprochen, wer was wohin macht.

 

ZUR FÖRDERUNG EINGEREICHT. Der Lückenschluss wurde bei der Bundesförderung Breitband in zwei Teilen eingereicht. Der Antrag für den Streckenabschnitt vom Ortsteil Schalkl bis zur Staatsgrenze am Reschenpass wurde genehmigt. Beim Antrag auf Förderung für den Streckenabschnitt von der Ortszentrale Pfunds bis zum Ortsteil Schalkl spießt es sich an den Kriterien. Es gibt einen Mitbewerber (A1 Telekom Austria AG) und für ein und dieselbe Projektstrecke kann nur eine Förderung ausgeschüttet werden. Wer den Vorzug bekommt, ist noch nicht entschieden. Das ist aber nicht das große Problem: Denn gibt es die Förderung vom Bund nicht, stehen die Chancen gut, dafür Fördergeld aus dem Landestopf zu bekommen.

 

KOSTEN UND ZEITPLAN. Die Gesamtkosten für diesen Lückenschluss werden auf 637.540 Euro geschätzt. Davon entfallen auf den Projektteil „Gemeinde Pfunds“ (Ortszentrale bis Schalkl) 168.474 Euro. Für den zweiten Projektteil „Gemeinde Nauders“ (Schalkl über Nauders zur Staatsgrenze am Reschen) wurden 469.066 Euro veranschlagt. Geplant ist, dass der gesamte Lückenschluss bis Ende 2018 durch Verlegung von LWL-Kabeln geschlossen wird.

 

GEMEINDE SPISS. Festgelegt wurden auch die LWL-Übergabepunkte. Der Übergabepunkt zum Netz der Südtiroler ist am Reschen und jener zum Netz des Engadins befindet sich beim Kraftwerk Stillebach (Inn-Überspannung Richtung Deponie Vinadi). Als zusätzliche Variante für die regionale Anbindung des Oberen Gerichts und dem Engadin wird eine LWL-Verbindung über Ischgl nach Samnaun (über die Bergbahnen) geprüft. Gute Nachricht gibt es für die Gemeinde Spiss. Das abgelegene Dorf wird auch in den Genuss von schnellem Internet kommen. Es gibt eine mündliche Zusage der E-Werke Samnaun für eine LWL-Anbindung. Das könnte aber schon bis 2019 dauern. „Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit erweist sich hier als super Sache. Jeder engagiert sich und bringt sein Know-how ein. Oft wird mehr Geld für etwas ausgegeben, das nicht so effiziente Synergien erzeugt“, sagte regioL-GF Gerald Jochum.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.