„Funkesunntig“

Die Bareibuben ziehen in Musau von Haus zu Haus und bitten um milde Gaben. Foto: Gemeinde Musau

Hexenverbrennen, Scheibenschlagen und Bareigang

Der Fasching geht langsam in die Endphase und vielerorts rüs-ten sich die Faschingsgilden und Vereine für ihre Umzüge und Auftritte. In einigen Außerferner Gemeinden haben sich bis heute Bräuche erhalten, die auch während der Fastenzeit noch einmal ausgelassenes Treiben zulassen.

So wird am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch, dem „Funkensonntag“ noch einmal ordentlich gefeiert, obwohl die Fastenzeit eigentlich schon begonnen hat.
Ursprünglich endete die „Alte Fasnacht“ nicht am Faschingsdienstag, sondern eben am darauffolgenden Sonntag. 1091 beschloss dann die kirchliche Synode von Benevent, dass die Sonntage während der Fastenzeit künftig fastenfrei sein sollten. Damit sich aber das vierzigtägige Fasten trotzdem ausgeht, wurde der erste Fastentag im Kalender einfach auf den heutigen Aschermittwoch nach vorn verlegt.

Außerferner Ausnahmen. Auch damals gab es solche, die sich an Beschlüsse nicht hielten. Denn während die Sonntage wohl fastenfrei, Musik und Tanz anderswo verboten waren, ließen es so manche Außerferner am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch – dem „Funkesunntig“ – so richtig krachen. Weil diese Tradition nicht zu brechen war, erhielten Orte wie Pinswang, Musau, Weißenbach, Ehrwald und Jungholz Ausnahmegenehmigungen und pflegen bis heute ihr Brauchtum.
Josef Knitel berichtete 1926 in den Tiroler Heimatblättern: „In der Gemeinde Pinswang in Ausfern hat sich ein alter Volksbrauch bis auf den heutigen Tag erhalten. Der erste Sonntag in der Fastenzeit heißt bei der dortigen Bevölkerung der „Funkensonntag“. An demselben geht es nach Eintritt der Abenddämmerung, zirka sieben Uhr, alljährlich höchst lebhaft zu, indem das „Hexenverbrennen“ verbunden mit „Scheibenschlagen“ stattfindet. Die Burschen des Ortes tragen auf einer Stange eine große Strohpuppe, welche mit alten, weiblichen Kleidern angetan ist, durch das Dorf, dabei singend: „Vivat hoch, die Hex hat Durst — sie will auch eine lange Wurst!“ Mehrere Begleiter tragen an Drahtringen oder Schnüren eine Menge in der Mitte durchbohrter Scheibchen um die Brust. Bei den Gasthäusern des Ortes wird „Halt“ gemacht, wo dann die Puppen- und Scheibenträger mit „leichtem“ Weine bewirtet werden.
Nach der Runde im Dorfe bewegt sich der Zug auf einen benachbarten Hügel, der von allen Seiten des Dorfes sichtbar ist. Dort ist bereits ein mächtiger Holzstoß bereit, auf welchem die Stange mit der „Hexe“ befestiget wird. Unter Jubel und Gesang der Burschen wird nun das Holz in Brand gesetzt und lodern alsbald die Flammen hoch empor. In der Nähe hört man auch Musik und Böllerknall. Nachdem die Hexe verbrannt ist, beginnt das „Scheibenschlagen“. Die mitgebrachten kleinen Scheiben aus Buchenholz werden an Stecken befestigt, im Feuer glühend gemacht und dann einzeln mit Hilfe des Steckens mit großer Wucht von den Burschen unter allerlei Sprüchen zu Tal geschleudert. Die glühenden, durch die Luft schwirrenden Scheibchen sehen Sternschnuppen sehr ähnlich.“
Auch in Weißenbach und Ehrwald kennt man den Brauch des Scheibenschlagens, der dort bis heute hochgehalten wird.
Das Feuer symbolisiert die Sehnsucht der Menschen nach dem Frühjahr, der Wärme und der Sonne in den langen, kalten Wintern und ist Zeichen für Wachstum und Fruchtbarkeit auf Äckern und Wiesen.
Bei Einbruch der Dunkelheit ziehen die Kinder der Dörfer lautstark mit dem Spruch „Vivat hoch, d’Hex hat Durscht, will a lange, lange Wurscht, Vivat hoch …“ – angeführt von ihren Hauptmännern – los und lassen die Hexe, die an einer Stange angebracht ist, vor jedem Haus tanzen. In den Wirtshäusern werden sie verköstigt, während die Hauptmänner mit der Hexe in der Wirtsstube eine Ehrenrunde drehen.
Dann, am Scheibenbichl angekommen wird die Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In diesem Feuer werden dann die Scheiben, die während des Winter in Handarbeit gefertigt wurden, angezündet und in glühendem Bogen ins Tal geschlagen.

Nur in Musau. Ein Brauch ist nur in der kleinen Gemeinde Musau bekannt. Der sogenannte „Bareigang“ am Fasnachtssonntag ist einzigartig. Die Musauer Buben gehen mit spitzen Hüten, Hörnern und Säbeln von Haus zu Haus, um die finsteren Mächte,  die Perchten,  auszutreiben und um eine kleine Gabe (die Barei) zu bitten.  Bleibt zu hoffen, dass es auch in diesem Jahr wieder gelingt, mit den Feuerbräuchen und dem Einsatz der Bareibuben den Winter zu vertreiben und den Frühling bald ins Land zu locken.