Gepatschferner hält Österreich-Negativrekord

Der Gepatschferner im Jahr 2010 und … Foto: Noggler

Alpenvereins-Gletscherbericht weist größte Längenverluste seit 1960 aus

 

Die Gletscher im Oberland haben sich im vergangenen Jahr stärker zurückgezogen als in den Jahren zuvor. Der -Gepatschferner mit –125 Meter ist der Gletscher mit dem größten Minus in ganz Österreich.

 

Von Daniel Haueis

 

Dr. Gerhard Karl Lieb und Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer, im Brotberuf am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz tätig, sind die neuen Leiter des ÖAV-Gletschermessdienstes. Und sie haben gleich schlechte Nachrichten: 83 Gletscher in ganz Österreich wurden im vergangenen Jahr vermessen – das Resultat: mit durchschnittlich 25,2 Metern die größten Längenverluste seit 1960, nur ein einziger Gletscher wies im Beobachtungszeitraum keinen Längenverlust auf. Als Hauptgrund für den beträchtlichen Rückgang nennen die Forscher den außergewöhnlich warmen Sommer im letzten Jahr, auch der außergewöhnlich warme und schneearme Winter 2016/17 war den Gletschern nicht förderlich. „Seit den 1990er-Jahren sind die Bedingungen für unsere Gletscher sehr ungünstig – das aktuelle Gletscherhaushaltsjahr fügt sich hier nahtlos ein“, erklären Lieb und Kellerer-Pirklbauer.

 

ÖTZTALER ALPEN, SILVRETTAGRUPPE. Der höchste Rückzug in ganz Österreich wurde am Gepatschferner (Ötztaler Alpen) mit 125 Metern gemessen. Im Pitz- und Kaunertal betrugen die Längenverluste an fünf von sechs Gletschern mindestens das Doppelte des Vorjahres, berichten die Gletscherknechte Mag. Bernd Noggler und Markus Strudl. Der Weißseeferner büßte 41,3 Meter an Länge ein. In der Silvrettagruppe (Berichterstatter Mag. Günther Groß) wiesen alle Gletscher zweistellige Längenabnahmen auf. Der Jamtalferner etwa verlor 13,4 Meter. Der größte Rückgang in diesem Gebiet war am Vermunt Gletscher zu verzeichnen: 32,7 Meter weniger sind der höchste Wert, der seit 1924 registriert wurde.

 

INTERNATIONALE NUTZUNG. Seit 127 Jahren bilanziert der Gletscherbericht des Alpenvereins die Bewegungen der heimischen Gletscher und gilt als eine der am längsten und bestdokumentierten Messungen weltweit. Heute finden die Messungen in allen relevanten Datennetzwerken Berücksichtigung und werden von der Klimaforschung für Rückschlüsse auf klimatische Veränderungen international genutzt. Für den aktuellen Bericht waren 22 Beobachter mit 70 Begleitern von August bis Oktober 2017 ehrenamtlich im Einsatz. Neben Längenmessungen wurden Fließgeschwindigkeiten und Oberflächenhöhen erfasst.

… sieben Jahre später Foto: Noggler