Geschlossene Reihen für ein offenes Weltbild

Voller Einsatz war beim Breakdance mit Bastian Mundl gefragt.

Premiere für zweitägigen Antirassismus-Jugendgipfel in Imst

Er habe einen Traum, offenbarte einst Bürgerrechtler Martin Luther King dem rassengetrennten Amerika – dass eines Tages, trotz aller Sünden der Vergangenheit und Herausforderungen der Zukunft, sich Menschen aller Hautfarben und Religionen die Hände reichen und zusammen in einer freien Welt leben können. Ein weiterer, kleiner Schritt zu dieser hoffnungsvollen Vision des friedlichen Miteinanders wurde vergangenen Donnerstag und Freitag mit dem ersten Imster Antirassismus-Jugendgipfel getan.

Von Manuel Matt

Der Auftakt zur gemeinsamen Veranstaltung des Imster Jugendzentrums (JZI), dem Gemeinwohlprojekt „Miteinand in Imst“ und dem Imster Integrations- und Jugendausschuss mit finanzieller Unterstützung des Bundesweiten Netzwerks Offene Jugendarbeit (BoJa) und der Abteilung Integration des Landes Tirol erfolgte mit der Vorführung der preisgekrönten österreichischen Schein-Dokumentation von Walter Wippersberg „Das Fest des Huhns“ im Jugendzentrum. Darin bahnt sich ein afrikanisches TV-Team seinen Weg durch das provinzielle Oberösterreich, um die Geheimnisse des kollektiven Vogerltanzes bei rotierenden Hendln am Spieß zu lüften.

Bildung hilft…

Der folgende Freitag stand als schulbezogene Veranstaltung ganz im Zeichen kindlicher Neugier. Dabei lockten zahlreiche Bildungs- und Kreativworkshops, die in der ganzen Stadt verteilt waren. Rund 120 Kinder aus den vierten Klassen der NMS-Oberstadt, NMS-Musik und NMS-Sport begaben sich am Vormittag beispielsweise auf einen Stadtrundgang zum Thema „Ethischer Konsum“ mit Nina Ertl von der Nichtregierungsorganisation „Südwind Tirol“, trennten zusammen mit Kirsten Mayr vom Integrationsbüro Fakt von Fiktion bei Asyl und Flucht oder diskutierten mit JZI-Leiter Philipp Scheiring über den Dokumentarfilm „Little Aliens“, der vom Schicksal unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge handelt.

…Kreativität aber auch.

Künstlerische Vielfalt wurde währenddessen am Nachmittag geboten. Ein Auszug: In die Welt des Improvisationstheaters tauchten die Kinder mit Victoria Giacomelle und Claudia Sager ein, die Geschichten hinter den Gerichten enthüllte Kirsten Mayr. Farbenfrohe Begegnungen herrschten beim intuitiven Malen in der NMS-Oberstadt mit Johanna Heumader-Schweigl („Miteinand in Imst“) und JZI-Mitarbeiterin Isabella Ochsenreiter vor, wo ebenfalls zu Rap und Breakdance mit Bastian Mundl geladen wurde. Skulpturenarbeiten mit „Bootschaften“ wurden mit Gaby Schatz gefertigt, während es beim Graffiti-Workshop von René Prüfer vor Ideen sprühte.

Gut angesetzt.

„Die Premiere war ein voller Erfolg“, meinte Johanna Heumader-Schweigl erschöpft, aber glücklich im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Auch wenn Rassismus eine komplexe Materie sei und sich so für die Kinder manchmal recht schwer greifbar gestalte, sei die Veranstaltung ausgezeichnet in dieser Altersgruppe angesiedelt.

Das habe sich bereits bei der Projektvorstellung vor den drei NMS-Direktoren und Pflichtschulinspektor Thomas Eiterer im Januar gezeigt, die alsbald Feuer und Flamme für das Projekt waren und die Klassen für den Besuch anmeldeten.

Fortsetzung?

Auch eines der obersten Ziele, eine Veranstaltung fern von Parteipolitik ins Leben zu rufen, sei geglückt. Politische Vertreter waren als Privatpersonen unterwegs – wie etwa Jugendgemeinderätin Johanna Böhm, die beiden freiheitlichen Gemeindemandatare Wolfgang Neururer und Markus Bernardi sowie Stadträtin Martina Frischmann, die einführende Worte zu „Das Fest des Huhns“ sprach und als Hauptverantwortliche der Essensausgabe fungierte. Besonderen Respekt und Dankbarkeit zollt Heumader-Schweigl den Referenten und helfenden Händen, die ehrenamtlich oder für eine minimale Aufwandsentschädigung ihre Zeit in den Dienst der guten Sache stellten. Eine Fortsetzung stehe noch in den Sternen, erklärt Heumader-Schweigl: „Das hängt von den politischen Entscheidungsträgern ab“. Er darf also im Herzen behalten werden – der Traum von einer Zukunft, in der sich die Menschen in Verständnis und Harmonie die Hände reichen.

Nahmen vor der frisch gestalteten Graffitiwand und den „Bootschaften“ Aufstellung für ein Abschlussfoto: Philipp Scheiring, Nadja Kienel, Kirsten Mayr, Johanna Böhm, Isabella Ochsenreiter, Bastian Mundl, Rafif Flür, Dragoslav Jankovic, Gaby Schatz, René Prüfer und Johanna Heumader-Schweigl (v.l.). RS-Fotos: Matt
Kein Entkommen gab es vom freundlichen Kamerateam von Jakob Pfaundler.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.