Gespanntes Warten

Paul Jakomet: „Von uns konnten sämtliche Punkte widerlegt werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unseren Einwänden überzeugen und die offenen Fragen klären konnten.“ RS-Foto: Tiefenbacher

Projekt Langtaufers-Kaunertal: In Bälde Entscheidung

 

In Langtaufers wartet man gespannt auf die Entscheidung der Südtiroler Landesregierung in Sachen Skiverbindungsprojekt Langtaufers (Südtirol) und Kaunertal.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Die Verantwortlichen der Oberländer Gletscherbahn AG hoffen, dass noch im September 2017 die Entscheidung über das Vorhaben getroffen wird. „Es sind nun alle Unterlagen vollständig“, erklärte Geschäftsführer Paul Jakomet. Vorliegen hat die Südtiroler Landesregierung auch die als Entscheidungshilfen dienenden Gutachten (Umweltgutachten und Vorgutachten der Raumordnung): Beide sind wie berichtet negativ ausgefallen. Die Spitze der Oberländer Gletscherbahn AG hatte am 28. Juli Gelegenheit im Rahmen einer von ihr beantragten Anhörung zu den negativ bewerteten Punkten Stellung zu nehmen. Sie konnte dabei den zuständigen Landesstellen (Amt für Landesplanung, Landesumweltagentur, Funktionsbereich Tourismus) ihre Argumente für das Zusammenschlussprojekt unterbreiten. „Von uns konnten sämtliche Punkte widerlegt werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unseren Einwänden überzeugen und die offenen Fragen klären konnten“, sagte Jakomet.

 

DREI THEMENBEREICHE. Zusammengefasst geht es bei den in den Gutachten negativen Bewertungen um drei Themenbereiche: Umwelt, Landesplanung und Wertschöpfung. „Beim Thema Umwelt konnten wir zum Beispiel belegen, dass keine schützenswerten Güter wie Biotope etc. und kein als Natura-2000-Gebiet ausgewiesenes Schutzgebiet betroffen sind“, berichtete GF Paul Jakomet. Zudem, so Jakomet weiter, konnte aufgezeigt werden, dass der Verkehr kein Problem ist. Hinsichtlich der Wertschöpfung und direkten Konkurrenzierung mit den anderen Skigebieten im Obervinschgau hat man ein neues Gutachten vom Seilbahnexperten Dr. Roland Zegg von Grischconsulta in der Schweiz in die Argumentationsschlacht werfen können. Dieses Gutachten kommt zum Schluss, dass das angestrebte Projekt sinnvoll wäre, weil mit dem Anschluss an den Kaunertaler Gletscher die Skiregion Obervinschgau als Ganzes attraktiver würde und die Glaubwürdigkeit erhielte, dass sicher Ski gefahren werden kann. „Ein Faktor, der immer wesentlicher wird“, heißt es im Zegg-Gutachten. Der Seilbahnexperte merkte in diesem Zusammenhang auch an: „Es handelt sich vielmehr um ein ergänzendes als ein konkurrenzierendes Angebot.“

 

NOCH KEINE ENTSCHEIDUNG. Die zuständigen Landesstellen werden der Südtiroler Landesregierung ihre Bewertung des Projekts unterbreiten, die dann über das Projekt entscheiden wird. In der Landesregierung wurde die Thematik bis dato noch nicht behandelt. „Leider kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, wann dies genau stattfinden wird“, so die Auskunft vom Büro von Landeshauptmann Arno Kompatscher.

 

GRAUNER GEMEINDERAT DAFÜR. Für das Projekt spricht sich auch die „Mehrheit der Gemeinderäte der Gemeinde Graun“ aus, wie Tourismusreferent Josef Thöni mitteilt. In einem Schreiben an Südtirols Landeshauptmann und Landesräte heißt es: „Es geht hierbei nicht nur um die Umsetzung eines Seilbahnprojektes, sondern auch um die wirtschaftliche Zukunft unserer Gemeinde … Die Gemeinde Graun im Vinschgau zählt zu den strukturschwächsten Regionen Südtirols. Der Tourismus ist der einzige nennenswerte Wirtschaftszweig, der den Menschen in unserer Region Perspektiven bietet. Somit liegt es auf der Hand, dass wir in der Gemeinde alles Notwendige tun wollen, um diese unsere wirtschaftliche Lebensader nachhaltig zu sichern.“ Und für eine nachhaltige Sicherung des Tourismus müssten alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um sich als attraktive Skiregion zu positionieren. Man brauche einerseits die Verbindung der Skigebiete Haideralm und Schöneben, andererseits aber auch die Realisierung der Verbindung „Langtaufers-Kaunertal“. „Langtaufers-Kaunertal“ bringe aufgrund der Höhenlage Schneesicherheit und eine Verlängerung der Wintersaison, wodurch die Auslastung der Betriebe steigen werde. „Die Ergänzung beider Angebote macht uns zu einer attraktiven neuen Skiregion und schafft neue Perspektiven für die Menschen in unserer Gemeinde“, heißt es in dem Schreiben, unterzeichnet von acht Gemeinderäten. Die Finanzierung der Verbindung Langtaufers-Kaunertal (gut 26 Millionen) sei gesichert. Der Großteil der Arbeiten wird an heimische Betriebe vergeben. Man wolle und könne es sich nicht leisten, als strukturschwache Gemeinde auf solche Investitionen zu verzichten. Mit dem vorliegenden Schreiben wollen die Mitglieder des Gemeinderates „unsere politische Unterstützung für das Projekt Langtaufers-Kaunertal noch einmal klar zum Ausdruck bringen.

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