Grünes Licht für Laufhaus

In „Rodelhütte“ und „Hasenhütte“ ist beim Ansehen attraktiver Damen definitiv Schluss, Betreiber Andreas Brugger möchte nun mit einem Laufhaus das Angebot erotischer Erlebnisse weiter steigern. RS-Foto: Ploder

Sölden stimmt grundsätzlich für Sonderwidmung

In Tirol wurde die Bedarfserhebung, die größte Hürde auf dem Weg zur Errichtung eines Bordellbetriebes, gestrichen. Um externen Interessenten zuvorzukommen, beantragte Andreas Brugger aus Sölden eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderates über die Widmung eines Grundstückes für ein Laufhaus im Gewerbegebiet. Die Mandatare zweifeln zwar am entsprechenden Bedarf, wenn aber in Sölden solch ein Etablissement entsteht, dann vorzugsweise unter Führung eines Einheimischen.

Von Thomas Ploder

Gleich zwei Mal befasste sich der Söldener Gemeinderat in seiner letzten Sitzung mit kommerziellen erotischen Angeboten. Tabledance stellt derzeit das einzige offizielle und öffentliche Erotikangebot in Sölden dar, wobei die Mitglieder des Gemeinderates weitergehende, allerdings unbewiesene, illegale Aktivitäten nicht grundsätzlich ausschließen wollten. „Sölden hat 18000 Gästebetten“, erklärte dazu Bürgermeister Ernst Schöpf, „und es kann nicht unsere Aufgabe sein, Nachschau zu halten, wer mit wem im Bett liegt und warum.“ Weil der entsprechende Nachweis durch eine Bedarfserhebung wegfiel, kann niemand zweifelsfrei bestätigen, ob in Sölden prinzipieller Bedarf an einem offiziellen Bordell besteht. Die Gemeinderäte vertreten jedenfalls die Ansicht, dass ein zukünftiger Betreiber das unternehmerische Risiko selbst zu bewerten habe. Andreas Brugger, der Betreiber von „Rodelhütte“ und „Hasenhütte“, beantragte jedenfalls eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderates, ob dieser einer entsprechenden Widmung im Gewerbegebiet und der Errichtung eines Laufhauses zustimmen würde. „Ich sehe zwar keinen konkreten Bedarf“, betonte dazu Bürgermeister Ernst Schöpf, „nach Ansicht der Behörden sei ein Laufhaus allerdings die sauberste Sache, wenn man solche Geschäfte betreibt.“ Es werde Zuhälterei verhindert und die Damen mieten vom Betreiber lediglich die Wohnungen, um ihren Geschäften nachzugehen, lauteten zwei der wesentlichsten Argumente. Eine Ansiedlung sei allerdings nur im Kerngebiet und ausdrücklich Widmung als Sonderfläche möglich. Entscheidungsdruck spüre man seitens des Antragstellers nicht, im Gemeinderat wurde vermutet, dieser wolle mit seinem Vorstoß primär Aktivitäten externer Interessenten zuvorkommen. „Wenn wir so etwas wollen“, meinte dazu Schöpf, „appelliere ich daran, die Zustimmung einem Einheimischen zu geben.“

Im Zusammenhang mit der Festlegung von Abgaben und Gemeindesteuern wurde die Einhebung einer Kartensteuer auf die Eintritte der Table-Dance-Lokale „Mirage“, „Rodelhütte“ und „Hasenhütte“ nach eingehender Diskussion verworfen. Nicht zuletzt wegen zu geringen Steueraufkommens im Vergleich zum erforderlichen Aufwand, gleichzeitig wolle man eine weitere und auch einseitige Belastung den betroffenen Betrieben nicht zumuten. „Wir erheben derzeit auf Eintritte keine Vergnügungssteuer“, argumentierte Gemeinderat Lukas Scheiber, Obmann des Überprüfungsausschusses, „und werden wohl auch zukünftig keine brauchen.“ Gemeindevorstand Stefan Brugger stellte sich gegen einen grundsätzlichen Verzicht auf die Kartensteuer. „2015 hat Innsbruck rund 900.000 Euro, Kitzbühel 680.000 und Erl 144.000 Euro aus der Kartensteuer von Großveranstaltungen eingenommen“, so Brugger, „Kitzbühel einen großen Teil davon aus den Eintritten des Hahnenkammrennens.“ Weil die Kartensteuer von max. 25 Prozent auf die Nettokartenpreise als direkte Einnahmequelle der Gemeinden im Finanzausgleichsgesetz ausdrücklich angeführt wird, erheben tirolweit bereits zahlreiche Kommunen diese Abgabe. Verzichtet Sölden angesichts seiner vielen Großveranstaltungen auf diese direkten Steuern, könnte sich dies als Bumerang erweisen. Der Gemeinderat unterstützt nämlich eine Resolution des Gemeindeverbandes, Zusatzkosten durch den Wegfall des Pflegeregresses vom Bund ersetzt zu erhalten, wogegen nun argumentiert werden könnte, vor weiteren Forderungen an Land und Bund eigene Quellen auszuschöpfen.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.