Halali gegen Wildverbiss

Liebe FreundInnen eines ausgewogenen Öko-Systems!

Unsere Natur braucht ein gesundes Gleichgewicht zwischen Flora und Fauna. Eben dieses scheint im Moment aus den Fugen zu geraten. Wie wir allseits hören und lesen herrscht derzeit wenig Harmonie zwischen Waidmännern und Jagdaufsichtsbehörde. Die Geweihzähler in den Amtsstuben werfen den Jägern schlichtweg Faulheit vor. Weil zu wenig Tiere erlegt werden leiden die Bäume. Wildverbiss nennt sich dieser Kollateralschaden, der die heimische Forstwirtschaft in Weltuntergangsstimmung versetzt.

Diese behördliche Treibjagd auf die bewaffneten Gamsbartträger erscheint als unlösbares Problem. Irgendwie sind die Jäger mit ihrem Latein am Ende. Einen Silberstreif am Horizont bringen in solchen Situationen nicht selten Diskussionen am Stammtisch. Unlängst sprach mich ein ehemaliger Schuldirektor und Schachkollege an. Er bat mich, das leidige Thema ins Glanzlicht zu stellen. Der pensionierte Pädagoge, selbst offensichtlich kein Büchsenträger, machte einen Vorschlag zur Lösung der wild verbissenen Misere.

Der gute Mann geht das Problem mathematisch an. Wenn es stimmt, dass es zurzeit ganz einfach zu wenig Jäger gibt, dann müsse man die Sache demokratisch angehen. Laut Statistik gebe es jede Menge Inhaber von Jagdscheinen, die rein theoretisch Schweiß von Blut und Blume von Schwanz unterscheiden können. Schließlich haben sie ja erfolgreich eine Prüfung abgelegt. Ganz konkret würde mein Kollege vorschlagen, man solle im Ernstfall zum Halali blasen und alle diese Jäger aus dem Reservestand in den Wald schicken, um dort endlich der Zahlen wegen alles raus zu ballern, was den Amtsvorschriften zuwider herumläuft.

Die Idee ist umwerfend. Nur ich als Hundespaziergänger möchte vor solchen Tagen gewarnt sein. Denn mein Mischling steht nicht auf der Abschussliste. Er hat noch nie in einen Baum gebissen. Und auch ich selbst möchte nicht mit einem Bär verwechselt werden!

Meinhard Eiter


E-Mail an den Verfasser? Ihre Meinung ist gefragt!