Heimat großer Töchter

Liebe Freunde des Frauenfußballs! Was für eine Genugtuung – und was für eine Freude. Unsere Damen haben bei der Europameisterschaft in Holland das geschafft, was unsere hoch gehandelten Kicker bei der Männer-EM in Frankreich peinlich verbockt haben. Das zarte Geschlecht in rot-weiß-rot kämpft, rackert, zeigt Teamgeist und phasenweise auch brillanten, technisch guten Fußball. Auch taktisch ist das vom Feinsten. Selbst die Hu-Hu-Hu-Rufe der Wickinger haben unsere Ladies im Gegensatz zu unseren Herren nicht aus der Ruhe gebracht. Dafür ein dreifaches isländisches Hu. Und ein einfaches Zicke Zacke hoi hoi hoi!

Ich gönne uns leidgeplagten Österreicherinnen und Österreichern kollektiv diesen emotionalen Adrenalinschub hoch patriotischer Gefühle. Ich vergönne diese Siege aber auch all jenen Machos, die mich am Stammtisch stets ausgelacht haben, als ich den Frauenfußball für gut befand. Sie nannten mich einen voyeuristischen Möchtegern-Frauen-Versteher, der sich diesen Sport nicht wegen der Ästhetik der Ballbehandlung ansieht. Und ein alter Trainer aus unserer Kartenrunde betonte immer wieder verächtlich, das sei kein Sport. Er werde so etwas nie anschauen. Fußball, das bleibt eine Sache für Männer.

Unser blutiger Amateur hat die Rechnung freilich ohne die wahren Profis gemacht. Kein geringerer als Julian Nagelsmann, der junge deutsche Trainer des Jahres 2017, äußerte sich jüngst in höchsten Tönen. Die Frauen akzeptieren den Pfiff der Schiedsrichterinnen. Sie bleiben nicht liegen. Spielen nicht den sterbenden Schwan. Auch taktisch lobte der Star-Coach die Mädels.

Das Übelste kommt zum Schluss. Wenn es stimmt, dass dieser Rüpel Marco Arnautovic, der kein schlechter Kicker ist, aber gute Manieren erst noch lernen muss, in der Woche (!) mehr als 100.000 Euro bezahlt bekommt, dann müsste unsere Katharina Schiechtl, die Imsterberger Verteidigerin mit dem großen Kämpferherzen, ja mindestens das Doppelte bekommen.

Meinhard Eiter


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