„Hidden Champion“ im Oberland „entdeckt“

Die Firma Sunkid in Imst ist weltweit erfolgreich. GF Emanuel Wohlfarter weiß um die Bedürfnisse seiner internationalen Klientel. RS-Foto: Parth

Sunkid darf sich, laut Universität Bern und deutschem Wirtschaftsblatt, guten Gewissens „Weltmarktführer“ nennen

Als die „klassische Schiene“ bezeichnet GF Mag. (FH) Emanuel Wohlfarter das Wintersport-Business von Sunkid. Das Unternehmen machte sich einen Namen durch seinen „Zauberteppich“. Der erste Zauberteppich kam vor 20 Jahren zur Welt. Im Tiroler Oberland verrichtete er seine ersten Dienste und wurde seither laufend weiterentwickelt. Einen ebensolchen Entwicklungsschub erfuhr Sunkid selbst durch den Kauf eines Freizeitpark-Herstellers. So taten sich neue Märkte und Synergien auf, von denen Sunkid in vielerlei Hinsicht profitiert.

„Heute liefern wir nicht nur ein Beförderungsmittel für Skifahrer und Schneesportler, sondern bieten Tourismusdestinationen und Bergbahnunternehmen ein Gesamtkonzept zur Attraktivierung ihrer Gebiete. Dies gilt sowohl für den Winter als auch für den Sommer“, informiert GF Wohlfarter. Mit dem Trend des „Sommertubings“, also das schneelose Talwärtsgleiten auf Kunststoffmatten, wurde ein wetterunabhängiger Markt erschlossen. „Anstatt ihren Zauberteppich nur im Winter laufen zu lassen, können unsere Kunden ein ganzjähriges Vergnügen anbieten“, so Wohlfarter. Die Internationalisierung von Sunkid und die Vielfalt der Produkte erfordert neben dem technischen Know-how großes kulturelles Fingerspitzengefühl. „In einem französischen Skigebiet wäre es sicherlich egal, wenn sich ein gelbes Plastikband übers sommerliche Gras spannt. – Bei uns setzen wir hingegen auf natürliche Materialien wie Holz, Stein oder den gezielten Einsatz von Wasserelementen. Das geht schon stark in den Bereich der Landschaftsgärtnerei“, weiß Wohlfarter. Zusammen mit der Firma Almholz, einem Holzspielgeräte-Bauer aus der Steiermark, können derartige naturnahe Projekte umgesetzt werden.

Ganzjahresattraktionen.

Als gelungene und bekannte Beispiele benennt Emanuel Wohlfarter das Widiversum in Hochoetz oder den Zirbenpark am Hochzeiger. Die Kundenliste erstreckt sich allerdings international von Österreich über Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz bis nach Nordamerika, den Irak und nach China. „Sunkid liefert Ganzjahresattraktionen für Kinder und Familien“, fasst Wohlfarter zusammen: „Wir von Sunkid kommen zwar aus dem Wintersport, doch durch den Kauf von Sunkid-Heege sind wir in den Bereich der Freizeitparks vorgedrungen. Daraus ergaben sich etliche Synergien.“ Sunkid hat sechs Tochterunternehmen, betreibt drei Produktionsstandorte und beschäftigt über 100 MitarbeiterInnen. Weltweit wurden mehr als 7000 Projekte in über 60 Ländern realisiert.

Keine Schablone passt für alle.

„Wir setzen Themen in Szene oder erfinden eine Geschichte um ein Thema und am Ende werden die Attraktionen dazu gebaut. Unsere Planungsabteilung entwickelt die Themen oder deren Umsetzung gemeinsam mit unseren Kunden, sodass einzigartige Erlebniswelten entstehen“, so Wohlfarter: „Bei uns gibt es nichts von der Stange. Von der Idee über die Produktion bis zum Aufbau vor Ort können wir alles anbieten.“ So entstand u.a. der Zirbenturm im Zirbenpark am Hochzeiger als echtes Unikat. „Jüngst haben uns die Skiresorts of Serbia, welche die drei größten Skigebiete in Serbien betreiben, gebeten, einen Masterplan zur Sommerattraktivierung zu erstellen“, zeigt Wohlfarter auf. Kunden können also neben dem Bau von Erlebniswelten auch das Know-how in der Planung von Sunkid einkaufen. „Man kann jedenfalls keine Schablone drüberziehen und glauben, was in Österreich gut funktioniert, gefällt auch in China. Dazu braucht es viel Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Verständnis für die Kundenwünsche“, spricht Wohlfarter aus Erfahrung.

Apfelmeile Haiming.

Neben kompletten Destinations-Entwicklungen realisiert Sunkid auch kleinere Projekte für Gemeinden oder TVBs. Momentan setzt Sunkid die „Apfelmeile Haiming“, gemeinsam mit dem Ötztal Tourismus, um. Direkt neben dem Radweg befinden sich acht Erlebnisstationen, welche den Lebenszyklus von der Apfelblüte bis zu den Endprodukten erzählen. Acht Geräte lassen Kinder diese Phasen spielerisch erleben. Daneben können sich die Eltern an Info-Tafeln umfassend informieren. „Als gefördertes Leader-Projekt muss ein Wissensteil integriert sein. Denn kein ,herkömmlicher‘ Spielplatz wird gefördert“, weiß Wohlfarter und erkennt ähnliche Spezialisierungstrends auch im Wintersport: „Gerade Kleinskigebiete können auf unsere Hilfe bauen, zumal wir auch unser Equipment vermieten.“

Idealer Standort Imst.

„Als Nischenplayer haben wir eine relativ klar definierte Kundenstruktur. Die Liste der Wintersportgebiete z.B. in China, die auf europäische Qualitätsprodukte setzen, ist überschaubar“, gibt Emanuel Wohlfarter gern preis: „Über Fachpublikationen und -messen sind wir als Hersteller laufend präsent. Unser Netzwerk an Kundenbetreuern ist ein sehr dichtes, ohne die Repräsentanten in den jeweiligen Ländern wäre es unmöglich, Fuß zu fassen.“ China sei diesbezüglich ein gutes Beispiel. Sprachliche und kulturelle Grenzen oder allein die Distanz zum Kunden wäre für eine Vertragsanbahnung z.B. via Internet kaum überwindbar, attestiert der Sunkid-Geschäftsführer: „Im Umfeld von Imst haben wir die größten und modernsten Skigebiete der Welt. Unser Standort hier ist ideal, um z.B. unseren Kunden den ,Showcase‘, den Schaukasten des Wintersports, hautnah zu präsentieren.“ So finden hier Besichtigungen, Produkt- oder Händlerschulungen statt, um die Philosphie der Produkte besser zu verstehen. „Ich war jüngst in China, um u.a. Mitarbeiter zu schulen“, so Wohlfarter.

Zukunftsmarkt China.

„In China gibt es sechs, sieben Hersteller, die die Funktion unseres Zauberteppichs kopiert haben“, hat auch Sunkid mit einem copy-paste-Problem der Produktpiraterie zu kämpfen: „Allerdings werden Kies- bzw. Materialförderbänder ins Gelände gelegt, ohne dabei auf Sicherheit zu achten oder behördliche Qualitäts-Standards einhalten zu müssen. – Wir heben uns sowohl technologisch als auch preislich von der Konkurrenz ab und sprechen damit die Top-5-Skigebiete klar an.“ Das Sunkid-Engagement zielt auf Olympia 2022 ab. „Umso populärer der Skisport, umso mehr Nachfrage an unseren Produkten. In China fehlt eine Ski-Kultur.“ Bei den Endkunden zählen „coolness“ und „Individualität“, die durch den Skisport vermittelt werden. „Allerdings gibt es Statistiken, dass sich 80 Prozent der Skianfänger kein zweites Mal mehr auf Skier stellen. Die Gründe dafür kann sich jeder selbst ausmalen“, so Wohlfarter. Sunkid ist selbst Mitglied des Skipools Tirol sowie der Schneesportförderung Imst (SFI), wo für den Tiroler Schneesportnachwuchs die Schienen neu gelegt werden.