Hoher Besuch in Reutte

Bundesministerin Sonja Hammerschmid ließ sich von den Schülern der VS Reutte die Unterrichtsmethoden erklären. Die Ministerin zeigte sich beeindruckt vom vorbildlichen inklusiven Unterricht. RS-Fotos: Schretter

Bundesministerin Sonja Hammerschmid zeigt sich
beeindruckt von der inklusiven Arbeit an der VS Reutte

Bei ihrem Besuch im Bezirk Reutte vergangenen Mittwoch konnte sich die Bildungsministerin ein Bild davon machen, wie Inklusion an Schulen funktionieren kann. Tirol ist neben Kärnten und der Steiermark eine der drei Modellregionen, die das Ziel verfolgen, in ihrem Einflussbereich den Artikel 24 ‚Bildung‘, der UN-Behindertenrechtskonvention, vollständig umzusetzen. Für den Aufbau dieser Modellregionen hat das Bundesministerium eine genaue Richtlinie erlassen. Sonja Hammerschmid zeigte sich sehr beeindruckt vom Unterricht an der Volksschule Reutte, die seit 20 Jahren bereits inklusive Bildung betreibt.

Im Jahr 2012 wurde der Nationale Aktionsplan Behinderung 2012 bis 2020 beschlossen. Dieser Plan sieht im Bereich Bildung die Entwicklung  eines inklusiven Schulsystems vor. Bis 2020 sind in Österreich drei inklusive Modellregionen (Tirol, Kärnten, Steiermark) eingerichtet, was einen strukturellen Wandel im Bildungssystem bedingt.

Wertschätzung und  Diversität. Inklusive Pädagogik folgt dem Ansatz, dass Wertschätzung und Anerkennung von Diversität wesentliche Prinzipien sind. Bei allen Maßnahmen sollen die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen und die Qualität der schulischen bzw. pädagogischen Förderung und Betreuung kontinuierlich verbessert werden. In Zusammenwirkung von Bund, Ländern und Gemeinden soll schrittweise zum Lernen in gemeinsamen schulischen Einrichtungen übergegangen werden.

Reutte als Vorbild. Im Bezirk Reutte werden bereits 53 Prozent der Schüler inklusiv beschult. „Das ist eine sehr erfreuliche Zahl“, findet die Bundesministerin lobende Worte. Dass in Reutte auch die Präventivarbeit sehr gut funktioniert, zeigt die Quote von vier Prozent bei sonderpädagogischem Förderbedarf. „Es ist zentral, dass neutrale Stellen beurteilen, ob sonderpädagogischer Förderbedarf gegeben ist. Transparenz ist in diesem Bereich unerlässlich“, fügt Sonja Hammerschmid ihren Worten hinzu.
Die Ministerin unterstreicht die Vorreiterrolle des Bezirkes Reutte: „Der Weg führt in diese Richtung.“
In drei Klassen der Volksschule Reutte konnte sich die Ministerin davon überzeugen, was mit inklusiver Pädagogik alles möglich ist und von den Lehrerinnen täglich umgesetzt wird. Für die Kinder waren es aufregende Minuten. Nicht oft können sie so hohe Gäste begrüßen. Bereitwillig erklärten die SchülerInnen der Politikerin, was gerade auf dem Stundenplan steht und gemacht werden soll. Es zeigt am Beispiel von Reutte deutlich, dass inklusiver Unterricht nicht von der Größe einer Schule abhängt.

Erfolgreich seit 20 Jahren. In Reutte gibt es seit 20 Jahren keine Sonderschule mehr. Schulleiterin Katrin Santer konnte berichten, „dass: es viele Rückmeldungen der Eltern und LehrerInnen gibt, die bestätigen, dass wir hier schon lange den richtigen Weg eingeschlagen haben.“

Lehrerbildung. „Die pädagogische Qualität hat unbedingt Vorrang, die sonderpädagogische Kompetenz muss nicht nur erhalten, sondern ausgebaut werden. Das letztere wird auch in der PädagogInnenbildung ,neu’ mit dem verpflichtenden Schwerpunkt zur inklusiven Pädagogik im Bakkalaureatsstudium und den Spezialisierungen im Masterstudium angestrebt“, erklärt Sonja Hammerschmid in einem abschließenden Statement. Ihr Wunsch ist es, dass in Österreich flächendeckend die abgegrenzten Sonderschulen abgeschafft werden.

Beispiel Südtirol. Als nachahmenswertes Beispiel sei Südtirol zu nennen, wo Sonderschulen bereits seit 1977 vollständig abgeschaft sind, ergänzt die Ministerin bei ihrem Abschied von der Volksschule. Bei ihrer Visite in Reutte  stand  noch die Einrichtung Via Nova – ein Verein zur Integration von Menschen mit Behinderung – als nächste Station auf dem Programm.