Humiste lädt Nobelpreisträger zur Party

Zunächst kommt das Stück von Literatur-Nobelpreisträger Harry Pinter recht unscheinbar und locker daher. Am Ende gleicht es einem Thriller. Foto: Abber

„Die Geburtstagsfeier“ von Harold Pinter auf der BIM

Die BIM, Bühne Imst Mitte, wird diesen Samstag zum Schauplatz einer humorvollen, skurrilen und äußerst spannenden Geburtstagsfeier. Wenn nämlich das gleichnamige Stück des Literaturnobelpreisträgers Harold Pinter am Programmzettel steht. Die Auswahl fiel nicht zufällig auf gerade diese Kombination aus Komödie und Thriller, wie Regisseur Christian Reiter im RS-Gespräch verrät.

Von Thomas Parth

Bereits vier Jahre am Puls der Zeit auf der BIM: Christian Reiter. RS-Foto: Parth

Im Prinzip ist die ganze Aktion ein wahres „Husarenstück“, weniger der Inhalt des Stückes als vielmehr die kurze Probenzeit von nur fünf Wochen. „Unser Stammensemble mit den Darstellern Stefanie Bauer, Gottfried Hecher, Peter Mair, Roswitha Matt, Andre Steger und Mathias Wilhelm hat viel geleistet und an sechs Tagen in der Woche intensiv geprobt“, streut Regisseur Christian Reiter seinen Schauspielern Rosen.

Geburtstagsgeschenk.

Die Premiere findet am Samstag, dem 28. April, um 20 Uhr auf der Bühne Imst Mitte statt. „Genau 60 Jahre nach der Uraufführung in Cambridge bringt das Theaterforum Humiste Harold Pinters ,Die Geburtstagsfeier‘ auf die Bühne“, verkündet Reiter nicht ganz ohne Stolz, war es doch kein Leichtes, die Rechte dafür zu ergattern. Insgeheim beschenkt sich der Theatermacher selbst damit und gibt der RUNDSCHAU ein kleines Geheimnis preis: „Am 28. April feiere ich meinen 28. Geburtstag. Das Stück wurde ebenfalls an einem Samstag, dem 28. April, uraufgeführt und auch ich bin an einem Samstag zur Welt gekommen.“ Dass das Ganze dann auch noch in das 20. Jubiläumsjahr des Theaterforums Humiste fällt, ist quasi „the topping on the cake“, wie die Engländer zu sagen pflegen…

Wunschbesetzung.
Mit Andre Steger als Stanley wurde die Wunschbesetzung gefunden. Foto: Abber

„Ich wollte ein etwas anderes Genre ausprobieren. Dafür ist Humiste ja auch bekannt. Anfänglich kommt bei Pinter alles locker und humorvoll daher, doch dann mausert sich das Teil zu einem echten Thriller“, lässt das Geburtstagskind in spe durchblicken. „Während eines 24-Stunden-Rahmens dreht sich das Szenario völlig. Die Zuschauer erahnen durch wiederkehrende Textpassagen mögliche Zusammenhänge und Hintergründe, aber das Warum bleibt stets verborgen“, weiß Reiter, dem es besonders die Hauptfigur angetan hat: „Stanley ist ein sensibel geschnitzter, spannender Charakter, dargestellt von Andre Steger, welcher auch meine Wunschbesetzung dafür war.“ Um den Fokus auf die Darsteller zu lenken, übt sich das Bühnenbild in englischer Zurückhaltung.

Zeitgeist.

„Trotz des Zeitdrucks hat das Ensemble großartig zusammengearbeitet, obwohl ich zugeben muss, diesmal das Stück wenig demokratisch entwickelt zu haben“, gesteht Reiter. Normalerweise würden die Figuren gemeinsam erarbeitet, wofür diesmal binnen der fünf Wochen keine Zeit blieb. „Ich denke dennoch, dass man mit mir angenehm zusammenarbeiten kann“, lacht Reiter: „Wir stellen an uns den Anspruch einer semi-professionellen Bühne. Mit ,Faust‘, ,Nonsense‘ oder ,Der Vorname‘ kam unsere Stückauswahl vor das Tiroler Landestheater. Mit der ,Glasmenagerie‘ und ,Liebesg’schichten und Heiratssachen‘ waren wir sogar vor dem Burgtheater. Diesmal war die Burg schneller und hatte ,Die Geburtstagsfeier‘ zu Jahresbeginn am Spielplan. Uns freut es, mit der ambitionierten Auswahl am Puls der Zeit zu sein.“ Und die Eigenheit der Bühne Imst Mitte, ein kleines Theater zu sein, wird zum Vorteil verkehrt. „Anfangs dachte ich, die Bühne ist zu klein für das Stück. Doch am Ende kann man dies zur Überzeichnung verwenden. Die extreme Nähe von Publikum und Bühne ist einzigartig!

Zum Inhalt.

Vor einem Jahr hat sich Stanley in der abgelegenen Strandpension von Meg und Petey eingenistet, wobei er es vermeidet, mit der Außenwelt in Kontakt zu geraten. Zwei Fremde stören den Alltagstrott. Die Herren Goldberg und McCann mieten sich ebenfalls in der Pension ein. Mit einer großen Portion Charme gelingt es Goldberg rasch, die Sympathien der Gastgeber zu gewinnen und er übernimmt sogar unvermittelt die Organisation für die anstehende Geburtstagsfeier von Stanley, für den er nachhaltig Interesse zeigt. Noch vor der Party manövrieren Goldberg und McCann den wehrlosen Stanley in ein wirres Kreuzverhör, von dem er sich nicht mehr zu erholen scheint.

Zu Beginn des Stückes beschreibt Pinter noch humorvoll im britischen Stil den Alltag in Megs und Peteys Strandpension. Spätestens mit dem Erscheinen der beiden Herren mutiert das Stück zu einem rasanten Thriller! Die Spannung entsteht, da die Motive der Protagonisten nie offengelegt werden und der Zuseher laufend auf der Suche nach dem „Warum?“ ist.

Zum Autor.

Harold Pinter war nach seiner Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art bis 1957 Schauspieler an diversen Provinzbühnen. Die Uraufführung seines ersten abendfüllenden Stücks „Die Geburtstagsfeier“ stieß 1958 bei der englischen Kritik auf Unverständnis. 1960 etablierte ihn schließlich „Der Hausmeister“ als einen der meistgespielten und einflussreichsten britischen Dramatiker. In den 80er-Jahren begann außerdem sein anhaltendes politisches Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen. Pinter wurde für sein Schaffen vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1973), dem Laurence Olivier Award (1996), und dem Franz-Kafka-Preis (2005). 2005 wurde ihm zudem der Nobelpreis für Literatur verliehen. Harold Pinter starb im Dezember 2008 in London.

Spieltermine

Das Theaterforum Humiste spielt „Die Geburtstagsfeier“ von Harold Pinter unter der Regie von Christian Reiter mit den Darstellern Stefanie Bauer, Gottfried Hecher, Peter Mair, Roswitha Matt, Andre Steger und Mathias Wilhelm. Premiere: 28. April. Folgeaufführungen: 4./5./12./13./18./19./26./27. Mai sowie 9./10./15./16./17. Juni auf der Bühne Imst Mitte, Pfarrgasse 7, 6460 Imst. An Freitagen und Samstagen jeweils um 20 Uhr, an Sonntagen jeweils um 18 Uhr. Reservierungen unter www.humiste.at oder 06646360646.