„Im Finale ist mir bitter der Fuß gegangen“

Da geht’s richtig ab, wenn Louis die überhängende Vertikale hochjagt! RS-Foto: Unterpirker

Louis Gundolf zählt zu den Oberländer Nachwuchshoffnungen im Klettern

Wenn es mal nicht so läuft, kann er ziemlich hantig zu sich selbst werden. So geschehen beim Jugend-Europacup in Imst, als er wegen einer groben Unkonzentriertheit die Chancen auf einen Stockerlplatz vergab. Louis Gundolf zeichnet neben starker Technik aber vor allem noch eines aus: Sein unbedingter Wille, immer das Beste zu geben.

Von Albert Unterpirker

Für den Erfolg lässt der Pitztaler so manche Freizeitstunde sausen und wenn andere bereits wieder ihren Rucksack schnüren, legt er noch ein paar Einheiten nach. „Ich bin ein ehrgeiziger Typ und bleibe viel länger als andere in der Halle“, sagt Louis Gundolf und fügt an: „Es gefällt mir, mich selbst zu pushen – mir taugt das Klettern einfach!“ Das Gefühl per Hände und Beine nach oben zu gelangen hat der Pitztaler schon seit seiner frühesten Kindheit. Mit zwei Jahren war er quasi bereits das erste Mal im Fels unterwegs – und viel hat er wohl von seinem Vater, einem Bergführer, geerbt, der „früher selbst ein guter Kletterer war“, erzählt Louis. Dabei war es gar nicht immer klar, ob er sich diesem Sport mit Leib und Seele verschreiben will. Zwischen sieben und neun Jahren war er im TSV-Bezirkskader und erst danach habe er sich entschieden, beim Klettern „Vollgas“ zu geben. Beinhartes Training und fokussierte Marschrouten brachten ihn über die Jahre dorthin, wo er heute steht: im österreichischen Jugendkader. Mit 15 Jahren stehen auf der Visitenkarte des Stillebachers schon einige bemerkenswerte Erfolge. Etwa mehrere Top-Ten-Ergebnisse im Jugend-Europacup oder der sechste Rang im Vorstieg bei der diesjährigen Jugend-WM in Innsbruck, wo er als Dritter ins Finale eingezogen war.

Mentaltrainer.

Zum Garnieren gibt’s noch zahlreiche Stockerl-Plätze bei österreichischen Meisterschaften (A-Cups) oder den Sieg in der rot-weiß-roten Kombinationswertung (Speed, Bouldern, Lead). Nicht nur in Innsbruck hätte er noch weiter zu den Sternen greifen können – „im Finale ist mir bitter der Fuß gegangen, bin ich bei einem Tritt abgerutscht“ –, sondern auch beim Jugend-Europacup in Imst stand ihm das Glück nicht zur Seite. „Da war ich ziemlich angeschleimt!“ Warum? „Ich habe wegen einer Blödheit eine Schlinge ausgelassen. Da habe ich mich noch lange geärgert, weil ich mir gute Chancen ausgerechnet hatte.“ Vielleicht hängen solche Dinge mit seinem Charakter zusammen. „Ich bin ziemlich ein Nervösler und bin mir sicher, dass ich bei vielen Wettkämpfen nicht alles abgerufen habe“, betreibt der Oberländer knallhart Ursachenforschung in eigener Person. Seit einem Dreivierteljahr habe er nun einen Mentaltrainer (Walter Minatti, war schon Mentaltrainer von Angy Eiter). Dieser zeige ihm viele Übungen, „damit ich ruhiger werde. Und ich bin ihm sehr dankbar, weil er einen großen Teil dazu beigetragen hat, dass es mir nun besser geht!“ Ein gefestigteres Nervenkostüm wird Louis brauchen.

Vom Heim zur WG.

Demnächst steht in Frankreich die Qualifikation für die Jugend-Olympiade 2018 in Buenos Aires am Programm. Sein Schwerpunkt liegt aber im Vorstieg. Welches Gefühl hat er für die Quali? „Sicher schwer, aber nicht unmöglich!“ Aufgeregt? „Auf jeden Fall“, schmunzelt er. Argentinien ist freilich nicht das einzige Ziel in der kommenden Zeit. Da gibt es 2018 noch die Heim-WM in Innsbruck (Erwachsene), wo er auf einen Startplatz hofft – und den großen Traum: die Olympiade 2020 in Tokio. Louis weiß: Die Trainingspuste darf ihm bei diesen Vorhaben nicht ausgehen – und wie als Beweis dafür hatte sich knapp vor dem RUNDSCHAU-Gespräch in Innsbruck ein neuer Sponsor (friction labs) bei ihm vorstellig gemacht: ein Magnesium-Hersteller aus den USA. Unterstützung erhält der Pitztaler, der das Innsbrucker Sport-Borg besucht, seit über einem Jahr ebenfalls von Starkenberger Bier und Silo Melmer. Tja, und wenn er dann die 6. Klasse im Sport-Borg hinter sich gebracht hat, wird er seinen Heimplatz gegen ein WG-Zimmer austauschen – vorzugsweise mit seinen Kletterkollegen.

Klettertempel.

Trainiert wird zumeist im neuen Klettertempel in der Landeshauptstadt. Was ist so Besonderes an dieser Halle? „Ihre Größe! Und die Leute, die da schrauben – außerdem kann man sich mit vielen starken Kletterern messen“, sagt Louis. In seinen Augen leuchtet jenes Feuer, das nur bei Spitzen-Athleten deutlich zu sehen ist. Er liebt die Herausforderung und darf sich dabei auf einen starken Willen verlassen. „Schwächen sehe ich in der Koordination und Beweglichkeit“, nickt der Tiroler, der gerne mit Freunden und seiner Familie alpine Touren unternimmt. „Ich bin mehr der Naturtyp und am liebsten bin ich daheim bei uns im Pitztal.“ Ob er noch Geschwister hat? „Nein, ich bin ein Einzelkind.“ Lachender Nachsatz: „Aber ich habe eine große Familie und meine Cousins und Cousinen sind wie Geschwister für mich – und dafür bin ich dankbar!“

In der Innsbrucker Halle legt sich Louis richtig ins Zeug. RS-Fotos: Unterpirker
Louis Gundolf: „Da war ich ziemlich angeschleimt!“
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