„Jeder ist gleich viel wert“

Eine Begegnungszone in der Imster Innenstadt – SP-Gemeinderat Vincenzo Diana glaubt nicht an eine Verkehrsberuhigung. RS-Foto: Matt

Imster Gemeinderat beschließt Innenstadt-Begegnungszone

Geraume Zeit wurde nicht nur am politischen Parkett diskutiert, ob es nun eine Begegnungs- oder doch gleich eine Fußgängerzone zwischen Sparkassenplatz und Pflegezentrum werden soll. In seiner letzten Sitzung beschloss der Gemeinderat nun die Verordnung zur Begegnungszone – mit 17 Ja-Stimmen, einer Enthaltung und einem Nein von SP-Gemeinderat Vincenzo Diana, dem das geplante Verkehrskonzept nicht weit genug geht.

Von Manuel Matt

Räder und Beine teilen sich in Harmonie und gegenseitiger Rücksicht den öffentlichen Raum – ohne Ampeln, ohne Schutzwege. Möglich machen soll diese Vision eine sogenannte Begegnungszone, die rund um den Sparkassenplatz beginnt, sich durch die Kramergasse schlängelt, Teile der Florian-, Schuchter- und Malchbachgasse miteinschließt und schließlich beim Pflegezentrum endet. Gefahren werde maximal mit 20 Stundenkilometern und „jeder ist gleich viel wert“, fasst Bürgermeister Stefan Weirather die Eckdaten zusammen.

Zu schmal?

Der Abstimmungsvorschlag zur Begegnungszone traf bei der abendlichen Imster Gemeinderatssitzung am Dienstag, dem 11. Juli, auf weitgehende Zustimmung. Neben einer Enthaltung verweigerte nur SP-Gemeinderat Vincenzo Diana dem Vorhaben seine Stimme, der lieber eine generelle Fußgängerzone sehen würde. Mit der Begegnungszone würde sich nicht viel ändern, existiere doch bereits jetzt eine Tempobeschränkung von 20 Studenkilometern in der Kramergasse. Zudem sei die Straße für eine Begegnungzone mit Gegenverkehr überhaupt zu schmal, urteilt der Gemeinderat – das sehe man jedes Mal, wenn sich die Wege zwischen Bus und Lastkraftwagen kreuzen.

Auf völlige Einstimmigkeit konnte hingegen der Beschluss zur Aufnahme eines Darlehens über vier Millionen Euro bauen. Verwendet wird das Geld für die Finanzierung momentaner und anstehender Großprojekte wie dem Bau des Sparkassenplatzes oder der Erweiterung der Volksschule Hermann Gmeiner. Eine wirkliche Überraschung sei die Einstimmigkeit aber freilich keine gewesen, lässt der Bürgermeister wissen, stand der Finanzierungsplan doch schon mit dem Beschluss der geplanten Projekte.

Zeichen.

Gleich einen Tag nach der Gemeinderatssitzung stand ein Gespräch mit einem Vertreter der Firma MPreis, die unter anderem in der Kramergasse eine Filiale betreibt, am Terminplan des Bürgermeisters. Konkretes könne er über das „offene Gespräch“ noch nicht verraten, meinte Weirather auf RS-Nachfrage, zuvor gelte es, den Stadtrat in seiner nächsten Besprechung zu informieren. Eventuelles Thema könnten aber finanzielle Zuwendungen aus Mitteln der Stadt für den Lebensmittelhändler sein, wie sich nach einem Gespräch mit Willi Grissemann, dem Vermieter der MPreis-Räumlichkeiten in der Kramergasse, vermuten lässt. Der Umsatz habe gerade in den vergangenen Monaten durch das unmittelbare Baugeschehen gelitten und der Betreiber würde womöglich gerne „ein Zeichen“ vonseiten der Stadt sehen, meint Grissemann. Ein etwaiges Vorgehen in Form eines Mietzuschusses sei dabei in einer solchen Angelegenheit „völlig normal“, so der ehemalige Stadt- und Gemeinderat – immerhin sei der Supermarkt mit etwa 2000 täglichen KundInnen der Frequenzbringer in der Kramergasse. Ein Verlassen des Standortes wäre eine „Katastrophe“ für die nahen Betriebe, ist Grissemann überzeugt – „dessen ist sich auch die Stadt bewusst“.

 

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