Kilian Walch ist heiß auf Eis

Kilian Walch hat in der Wintersaison 2017/2018 bereits drei Weltcuprennen in Amerika absolviert. Mit guten Platzierungen konnte das Bobteam Maier das Olympialimit für Pyeongchang 2018 erreichen. Im Bild v.l. Markus Sammer, Danut Moldovan, Kilian Walch und Benjamin Maier. Fotos: Walch

Reuttener Bobsportler in seiner zweiten Saison bei den Olymischen Winterspielen in Pyeongchang

Er wurde im Oktober 2016 bei einem Leistungstest entdeckt, hatte drei Tage Bedenkzeit, dann nahm ihn Bobtrainer Manfred Maier ohne Referenzen mit zu den Weltcuprennen nach Amerika. 

Diese unglaubliche Erfolgsgeschichte findet 2018 ihre Fortsetzung. Kilian Walch steht unmittelbar vor seiner ersten Teilnahme bei Olympischen Winterspielen und wird im Februar 2018 mit dem österreichischen Bobteam nach Südkorea reisen.
An einem seiner wenigen freien Tage  – nach den ersten Weltcuprennen in Übersee – besuchte Kilian vergangenen Woche die RUNDSCHAU.
„Die vergangene Saison war  sehr speziell für mich, alles ging von null auf hundert. Ich habe sehr viel erlebt und konnte mich sportlich und persönlich weiterentwickeln. Ich bin gerade aus Amerika zurückgekommen, wo wir schon drei Weltcuprennen gefahren sind“, vermittelte er schon bei den ersten Sätzen den Eindruck, dass es so richtig rund für ihn läuft.
In Amerika fuhr Kilian Rennen in  Park City und Whistler. „Für mich und den Piloten waren die Bahnen neu. Der Start hat aber schon sehr gut gepasst“, so Kilians Einschätzung. Mit einem 14. und einem 15. Platz in Lake Placid konnte das Bobteam Maier das Limit für Olympia erreichen. „Wenn mir nichts passiert – kein Leistungsabfall oder eine Verletzung, darf ich hoffentlich auch starten“, strahlt Kilian Sicherheit und Optimismus aus.
Seine Vorbereitungen laufen im Hinblick auf die Winterspiele nicht wesentlich anders, als bei seiner ersten Bob-Saison. „Ich habe ja noch nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten, ich versuche aber immer, alles zu geben und trainiere eigentlich wie letztes Jahr auch. Ich merke aber schon, dass mehr und intensiver am Material gearbeitet wird.“
Die Bobbewerbe sind bei Olympischen Winterspielen immer zum Ende hin angesetzt. Den Bobsportlern bleiben also knapp drei Wochen ohne Wettbewerbe in Pyeongchang. Diese Zeit wird für effizientes Trainig auf der Olympiabobbahn, Materialabstimmung und Akklimatisierung genutzt. „Vor den Spielen haben wir eine kurze Pause zum Regenerieren und die drei Wochen vor Ort tun auch gut”, gibt sich Kilian entspannt.

Beim Bundesheer. Als Kilian im Frühling schon einmal die RUNDSCHAU besuchte, gab er an, sich auf die Suche nach einem Sponsor zu begeben. Seit Sommer ist er nun aber beim Bundesheer angestellt und somit finanziell abgesichert. Beim Sportheer hat er beste Trainigsbedingungen, Trainingslager und Wettkämpfe gelten als Dienstzeiten. „Meine Grundausbildung habe ich in Gratkorn in der Steiermark gemacht. Jetzt bin ich in Innsbruck stationiert und kann dort im Sportleistungszentrum tranieren“, ist Kilian froh über diese Situation.
Bei den Weltcupeinsätzen in Amerika fuhr Kilian Walch auch Zweierbobrennen – für ihn eine neue Erfahrung. „Zweierbob zu fahren, ist etwas sehr Besonderes. Mir hat das großen Spaß gemacht und ich mag es fast lieber als Viererbob. Beim Viererbob ist der Einstieg einfach schwieriger.“

Wanderleben. Die Frage, ob denn auch noch Zeit für Hobbies, Familie und Privatleben bleibt,  beantwortet er kurz und knapp: „Nein. Im Winter nicht“, und holt dann doch weiter aus, „klar ist das Wanderleben spannend, aber es ist keine Urlaubsreise. Wir haben keine Zeit, uns im jeweiligen Land etwas anzuschauen, eigentlich kennen wir nur unser Hotelzimmer und die Bobbahn. Seit ich aber auch Zweierbobrennen fahre, lerne ich einige Athleten aus anderen Nationen besser kennen. Ich lebe im Winter aus dem Koffer, meine Freundin und meine Familie sehe ich immer nur kurz. Aber ich versuche, die wenige Zeit, die ich frei habe, bestmöglich zu nutzen“, räumt Kilian mit der Illusion auf, sich stets an den schönsten Plätzen der Welt aufzuhalten.
Seine Hobbies, die durchwegs alle mit Sport zu tun haben, musste er auf Eis legen. „Das muss leider sein, da die Verletzungsgefahr zu groß ist. Am meisten vermisse ich das Parkour Training, das ich mit Kindern gemacht habe, und dass ich keine Salti mehr schlagen darf. Ich bin auch immer gerne zum Polai-Ball gegangen, ich tanze nämlich gern. Aber, da die Bälle immer im Winter sind und ich da Rennen fahre, geht das leider auch nicht mehr“, erklärt er mit ein wenig Wehmut, „aber, der Sport bedeutet mir einfach viel. Ich bringe also keine Opfer, ich muss mich lediglich an ein paar notwendige Vorgaben halten.”

Mit Musik. Kilian ist ein sehr junger Spitzensportler, gerade einmal 20 Jahre alt ist und bis jetzt schon erreicht hat, was manchem anderen Sportler versagt bleibt. So kurz vor seinem ersten Olympiaeinsatz zu stehen, macht ihn nicht sonderlich nervös. „Ich bin vor den Weltcuprennen schon auch nervös. Ich höre dann gern meine Musik.  Wenn ich am Start stehe, bin ich ruhig und fokussiert. Ich bin ein Wettkampftyp. Ich hab’ das schon ganz gut im Griff und ein bisschen Anspannung gehört schon mit dazu“, so Kilian Walch.
Was er sich im Moment wünscht, ist, bis Olympia, während Olympia und danach verletzungsfrei zu bleiben, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. „Einen Wunsch habe ich dann doch noch – ich sollte fünf Kilogramm Gewicht verlieren, damit ich mein ideales Wettkampfgewicht von 105 kg wieder erreiche.”

Manfred Maier. Manfred Maier, Bob-Nationaltrainer des ÖBSV (Österreichischer Bob- und Skeletonverband), bezeichnet Kilian Walch beim Telefonat mit der RUNDSCHAU als Rohdiamanten. „Ich hab Kilian im Oktober 2016 gesehen und war vom ersten Moment an überzeugt, dass hier ein ganz besonderes Talent vor mit steht. Ich habe ihn sozusagen vom Fleck weg mit nach Amerika genommen. Kilian war dort dann Ersatzmann bei den Weltcuprennen.“
Manfred Maier sieht eine enorme Weiterentwicklung bei Kilian Walch. „Bei seiner ersten Saison vergangenes Jahr war Kilian noch sehr jung. Er war 19 Jahre alt und zeigte großen Respekt, manchmal war schon noch etwas Angst mit im Gepäck. Jetzt ist er selbstbewusst, gereift und hat seinen Platz im Team gefunden. Er gehört fix in unsere Stammmannschaft“, so der Trainer.
Kilian  müsse hin und wieder vor seinem jugendlichen Leichtsinn geschützt werden. „Er trainiert sehr fleißig und will oft einfach zu viel. Kilian ist muskulär noch nicht fertig ausgebildet, wir gehen hier behutsam bei ihm vor. Beim Schieben bringt er nach einem Jahr schon die volle Leistung, bei den Zubringerdiensten ist er noch nicht ganz so weit. Dafür sind im Allgemeinen fünf bis sechs Jahre Training nötig. Kilians Trainingseinheiten werden wir langsam steigern, bis er seinen Leistungshöhepunkt erreicht“, erklärt Manfred Maier.
Bei den Winterspielen sei alles möglich. „Wir fahren in der Weltspitze mit. Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben und unsere Leistung abrufen können, ist vieles – auch eine Medaille – möglich”, wagt der Nationaltrainer einen Blick in die Zukunft.

Weitere Qualifikation erreicht. Nach Redaktionsschluss erreichte die RUNDSCHAU die Nachricht, dass Kilian gemeinsam mit Benjamin Maier Dritter beim Zweierbob-Europacup in Königssee wurde. Das Team Maier hat sich somit auch im Zweier-Bob für die Olympischen Spiele in Pyeongchang qualifiziert.
Am 17. Dezember finden in Igls zeitglich ein Weltcuprennen und die Europameisterschaft statt. Kilian wird auch dort am Start sein und freut sich über Fans aus der Heimat.