Komplexe Planungen, schwere Umsetzungen

Neben Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe, Bürgermeister Stefan Weirather und VVT-Geschäftsführer Alexander Jug stellten sich auch VVT-Verkehrsplaner Andreas Knapp (l.) und ÖBB-Regionalmanager Rene Zumtobel (M.) den Anregungen und Beschwerden aus der Bevölkerung – wie hier von Helge Juen (r.). RS-Foto: Matt

Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe stellte sich mit VVT- und ÖBB-Verantwortlichen den Fragen der Bevölkerung

Zahlreich und diskussionsfreudig beim Thema des öffentlichen Nahverkehrs traten jüngst die Menschen aus der Region beim „Öffi-Treff“ im Imster Stadtsaal in Erscheinung. Schäumende Wutbürger blieben Landeshauptmann-Stellvertretin Ingrid Felipe, VVT-Geschäftsführer Alexander Jug und VVT-Verkehrsplaner Andreas Knapp, ÖBB-Regionalmanager Rene Zumtobel sowie dem gastgebenden Imster Bürgermeister Stefan Weirather erspart – sachlich geäußerte Kritik, Wünsche und Verbesserungsvorschläge wussten dennoch mühelos den Abend zu füllen.

Von Manuel Matt

Es mag wie ein Gordischer Knoten anmuten, bei dem wohl selbst dem sanftmütigsten Verkehrsplaner manchmal der Schwertarm juckt wie einst Alexander dem Großen: Eine stets schwankende Anzahl an Menschen will in großem Stil in Mobilität gehalten werden – verlässlich, pünklich, effizient, kostengünstig und täglich, bestenfalls zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dass ein solches Unterfangen nicht nur in der Planung hochkomplex ist, sondern auch in der Umsetzung alles andere als einen Kindergeburtstag darstellt, unterstrich Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe in ihren Eröffnungworten. Mit der neuen Nachtschiene sei in Sachen Mobilität auch außerhalb der Arbeitszeiten bereits viel passiert, die Meinung der Bürger als Experten ihres individuellen Alltags habe dennoch einen unschätzbaren Wert für das weitere Vorgehen.

Zusammen.

Als wichtiges Thema, das es anzusprechen gelte, sieht auch der Imster Bürgermeister Stefan Weirather den öffentlichen Nahverkehr. Für die Gemeinden gelte es, die Herausforderung gemeinsam mit Land und den Verkehrsanbietern anzugehen, was auch Felipe bestätigt: „Wenn ein Bürgermeister nicht will, ,hüpf’ ma‘ nicht weit.“ Imst sei dabei in einer speziellen Situation – die Stadt fungiere als „Drehscheibe“ für den Verkehr in die nahen Täler und wird andererseits selbst von der weiten Entfernung zum Bahnhof geplagt. Das mache die Taktung der Anschlussmöglichkeiten besonders schwierig.

Aus dem Tal.

Nach Statements und einem kurzen Überblick zu den Änderungen im neuen Fahrplan waren die Bürger am Wort. Dass es dabei wohl „nicht ganz so lustig wie bei der Buabefåsnåcht“ zugehen werde, vermutete auch zuvor VVT-Verkehrsplaner Andreas Knapp mit Augenzwinkern in seiner Moderatorenrolle – und tatsächlich hielten die Anwesenden mit Kritik nicht hinter dem Berg. Den Anfang machte Tobias Eiter, Gemeinderatsmitglied aus Jerzens. Das Angebot im Pitztal sei allenfalls bescheiden – nicht nur in der Früh, sondern gerade auch zu späteren Zeiten. So würden Kinder aus Pitztal-Gemeinden nicht nur teilweise über eine halbe Stunde lang unnötig in Wind und Wetter auf den Schulbeginn warten, sondern auch bei der Freizeitgestaltung Einbußen in Kauf nehmen müssen, wenn Angehörige nicht zum Fahrdienst zur Verfügung stehen. An der Verbesserung der Situation im Pitztal werde gearbeitet, verspricht Knapp, gibt aber auch zu bedenken, dass zusätzliche Busse mit stolzen Betriebskosten verbunden seien und so für mehrere Fahrten und Regionen zur Verfügung stehen müssen. Dafür brauche es Geld und Gespräche zwischen Land, VVT und Gemeinden, so Knapp, der auch größere Arbeitgeber mit ins Boot holen möchte.

In die Schule.

Die Kritik an fehlender Abstimmung zwischen Schulbeginn und Beförderungszeiten teilt auch Harald Schaber, Direktor der Imster Handelsakademie und Handelsschule. Es sei wichtig, dass Schüler gut in die Schule und nach Hause kommen könnten – gerade das gestalte sich in vielen Gemeinden wie Haiming oder am Mieminger Plateau schwierig. An den Schulen werde viel versucht, erzählt Schaber. Die Umsetzung komme zumeist der Quadratur eines Kreises nahe, bedauert der Direktor und wünscht sich ein Miteinbeziehen der Schulen in die Verkehrsplanung. Ein Anliegen, dem nichts im Wege zu stehen scheint – versprochen wird ein Gespräch in den kommenden Tagen, zusammen mit anderen Direktoren.

Gefordert beim täglichen Schulweg ist auch Hans Speckle, ein Großvater aus Oetz. Mehrmals die Woche liegt es an ihm, die Enkelin nach der Schule vom Bahnhof abzuholen – immerhin sei der Bus auch bei kleinen Zugverspätungen meist längst über alle Berge. Der jeweilige Fahrer könne dafür nichts, so Knapp. Anschlusssicherung habe Priorität und in den Fahrzeugen fehle die Möglichkeit, die Fahrer über das Ausmaß von Verspätungen zu informieren. Ein entsprechendes System befinde sich in Umsetzung, kündigt der Verkehrsplaner an.

Alltag & Freizeit.

Eine Lanze für ältere und gehbehinderte Menschen, Bezieher von niedrigen Einkommen und Bewohnern von dezentralen Stadtteilen wie Gunglgrün, Sonn- und Weinberg wollte Helge Juen aus Imst brechen. Die Situation sei unbefriedigend. Ohne Auto seien der Weg zum Bahnhof und tägliche Erledigungen aufgrund fehlender Bus-
haltestellen und langen Wartezeiten nur mit großem Aufwand zu bewältigen. Besonders schwierig gestalte sich der Einkauf von Nahrungsmitteln, da kein bestehender Supermarkt mit einer Haltestelle aufzuwarten wisse.

Den früheren Stadtbus im Stundentakt gebe es nicht mehr, sondern einen Bus des VVT, informiert der Bürgermeister. Momentan würden Gespräche zwecks einer Vertragsverlängerung laufen, wobei auch die bestehenden Schwierigkeiten angesprochen werden würden. Mit der Schaffung weiterer Haltestellen, wie etwa beim neuen „Interspar“-Markt, hätte er aber kein Problem, sagt Weirather.

Ein weiteres Imster Problem brachte Bernhard Schöpf als Geschäftsführer der örtlichen Bergbahnen zur Sprache – den Weg nach Hoch-Imst. Der bestehende Beförderungsvertrag mit dem VVT sei ohne Rücksprache eingestellt worden, die App von ÖBB und VVT würde keine Verbindung, sondern das Besteigen des Fahrrads vorschlagen. Ein technischer Fehler, bedauert VVT-Geschäftsführer Alexander Jug. Partnerunternehmen seien nicht richtig in das System eingepflegt worden. Dieses Malheur werde aber bald behoben, kündigt Jug an und verspricht ebenso baldigen Kontakt mit den Bergbahnen.

Nachhause.

Nach beinah’ zweieinhalb Stunden voller Fragen und Antworten fand der Abend bei zwanglosen Gesprächen zwischen Podium und Publikum sein Ende. Ob der Heimweg dann schließlich wirklich mit öffentlichen Verkehrsmitteln angegangen wurde, ist freilich eine ganz andere Geschichte…

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.