Kräftemessen im Gemeinderat

Mit Angriffen vielerlei Art musste der Sautner Bgm. Manfred Köll zurechtkommen. RS-Fotos: Dorn

„Sautner Impulse“ ließen Muskeln spielen

Einsatzzentrum und Musikpavillon – in Sautens stehen derzeit Bauprojekte auf der Wunschliste der Vereine, die wohl auch die Gemeindekassa nicht wenig fordern werden. Dass das zu Diskussionen führt, die man nicht unbedingt öffentlich plakatiert haben will, ist klar, doch andererseits gibt es wohl auch nichts zu verheimlichen, das nur am Stammtisch besprochen werden darf. Bei einer Stimmverteilung von sechs (Bürgermeisterliste) zu sieben Stimmen (Sautner Impulse) sind Streitereien um des Streites willen naturgemäß vorprogrammiert. Konstruktive Diskussionen werden dabei für beide Seiten schwierig.

Von Agnes Dorn

Bei der Gemeinderatssitzung vergangenen Donnerstag wurde einer möglichen Diskussion über die weitere Vorgangsweise bezüglich des geplanten Einsatzzentrums aus dem Weg gegangen, indem der ganze Tagesordnungspunkt verschoben wurde. „Heute ist die Presse da, heute wird verschoben“ – dass der Zwischenrufer aus dem Publikum mit seiner Behauptung recht hatte, wollte Bürgermeister Manfred Köll jedoch nicht auf sich sitzen lassen. Es würde noch „was Wichtiges“ vom Land fehlen, so Köll, der sich jedoch auch auf mehrmalige Nachfrage bezüglich des fehlenden Papiers nicht weiter präzisieren wollte. Einen weiteren Tagesordnungspunkt hätte das Gemeindeoberhaupt ebenfalls gern an einem anderen Tag diskutiert, doch die im Gemeinderat mit sieben zu sechs Stimmen stärker vertretene Liste „Sautner Impulse“ setzte sich durch und so wurde mit sieben Ja-, fünf Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung beschlossen, „Beratung und Beschluss über Verträge und privatrechtliche Vereinbarungen künftig nur mehr von einem Rechtsanwalt oder Notar machen zu lassen“. Ausnahmen von dieser Regelung wird der Gemeindevorstand in Zukunft beschließen können. „Es dauert dann alles länger und kostet viel mehr“, sprach sich Köll gegen den Antrag aus. Vizebürgermeister Oswald Gritsch sah dagegen die Notwendigkeit der Delegierung der juristischen Arbeiten als gegeben an: „Wir haben jetzt Verträge, die sind haarsträubend“.

Musikpavillon und „Pultelas“-Haus. Ebenfalls zu einigem Disput führte die Diskussion über die weitere Vorgangsweise bezüglich des geplanten Umbaus des Musikpavillons und Probelokals: MK-Obmann Christian Hackl sei viel zu spät zu ihm gekommen, die Fördermittel für 2017 seien längst verteilt, erklärte Bgm. Köll, warum sich heuer nichts mehr ausgehen werde. Auch die von der Musikkapelle eingeholten veranschlagten Kosten stießen einigen Gemeinderäten sauer auf: „900.000 Euro ist für mich ein No-go. Bei den Kosten muss sich die Gemeinde darüber aussehen. Die Musik ist sehr wertvoll, aber die Relation muss vorhanden sein“, fasste der Dorfchef die Bedenken zusammen. Der Grundsatzbeschluss wurde trotzdem einstimmig abgesegnet, nun kann zumindest weiter geplant werden.  Gegenwind aus den eigenen Reihen bekam Köll beim Ankauf des „Pultelas“-Hauses in der Dorfstraße: Dass man ein renovierungsbedürftiges Gebäude für 70.000 Euro kaufe, ohne genau zu wissen, was man mit diesem in Zukunft vorhabe und obwohl die Hälfte des daneben befindlichen Stadls in anderem Besitz verbleibe, war für Gemeinderat Karl Margreiter Grund genug, als einziger der Zustimmung zum Ankauf seine Stimme zu verwehren. Mit keiner Gegenstimme wurde hingegen der Grundsatzbeschluss zum „Strategieprozess Vorderes Ötztal 2025“ protokolliert, der nun das gemeinsam mit Haiming und Oetz geplante Leader-Projekt mit moderiertem Workshop und unter Beteiligung der Bevölkerung auch vonseiten der Gemeinde ins Rollen bringt.

Der Grundsatzbeschluss zum Musikpavillon wurde einstimmig abgesegnet.
Das renovierungsbedürftige Haus an der Dorfstraße wird nun mit dem halben Stadl in Gemeindebesitz übergehen.

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